Verdacht bestätigt Dopingfund erschüttert Österreich

Die Dopingfahnder sind im österreichischen Lager fündig geworden. Bei einer Razzia wurden bei zwei Biathleten verbotene Mittel sichergestellt. Dies bestätigte der Österreichische Ski-Verband (ÖSV) heute. Die Ergebnisse einer weiteren Durchsuchung stehen noch aus.


Turin - Wie ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel auf der heutigen Pressekonferenz erklärte, sind bei Wolfgang Perner und Wolfgang Rottmann Doping-Mittel gefunden worden. Das Duo war nach der Durchsuchung im Olympia-Quartier der Österreicher am Samstag aus Italien abgereist und daraufhin aus dem Olympia-Team ausgeschlossen worden.

ÖSV-Präsident Schröcksnadel, Direktor Gandler: "Für die Vorkommnisse entschuldigen"
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ÖSV-Präsident Schröcksnadel, Direktor Gandler: "Für die Vorkommnisse entschuldigen"

"Rottmann und Perner haben mitgeteilt, dass sie etwas Verbotenes unternommen haben. Beide haben aber die Möglichkeit, sich vor der Disziplinarkonferenz des ÖSV zu verantworten", sagte Schröcksnadel. Falls eine positive Probe bei einem der beiden vorliegen sollte, werde der Verband sofort reagieren, so der Präsident.

Außerdem sprach sich Schröcksnadel für die Suspendierung von Langlauf-Trainer Emil Hoch aus. Hoch war in der Nacht auf Sonntag ohne Abmeldung aus Turin abgereist. "Der Fakt, dass er nicht da ist, ist für uns ausreichend", sagte Schröcksnadel über Hoch. Auch telefonisch sei der Coach für den Verband nicht erreichbar gewesen.

Die beiden Biathleten sollen allerdings die einzigen Fälle sein. "Mit Ausnahme von Perner und Rottmann sind bei keinem anderen Doping-Mittel gefunden worden", erklärte Schröcksnadel. Dies sei aus den übersetzten Protokollen der italienischen Behörden, die die Durchsuchung veranlasst hatten, hervorgegangen.

ÖSV-Präsident spricht von Rücktritt

Nach der Razzia, die am Samstagabend zwischen 19.30 und 24 Uhr stattfand, hatte sich Schröcksnadel noch über die Methoden der Dopingfahnder beschwert. "Ich finde es eine unerhörte Aktion. Man erweist dem Sport und den Athleten keinen guten Dienst", hatte der 64-Jährige gewettert.

Nun wollte Schröcksnadel sogar persönliche Konsequenzen nicht ausschließen. "Ich bin jetzt 16 Jahre Präsident des ÖSV, habe viele Erfolge gefeiert. Glauben Sie wirklich es stört mich, wenn ich es nicht mehr bin?", so der ÖSV-Präsident.

Markus Gandler, Technischer Direktor beim ÖSV, sprach nach der Durchsuchung sogar von einem "schlechten Film". "Wir sind wie Schwerverbrecher behandelt worden. Was im Augenblick passiert, hat eine Dimension erreicht, die jede Vorstellungskraft übertrifft", beklagte sich Gandler.

Bei der Razzia hatten 30 Polizisten nach einem Tipp der Welt-Anti-Doping-Agenur Wada die Teamunterkunft der österreichischen Biathleten durchsucht, in der auch der umstrittene Ski-Trainer Walter Meyer zuvor gesichtet worden war. Dabei waren über 100 Spritzen, 30 Schachteln mit Medikamenten sowie diverse Apparate für Bluttests und Transfusionen gefunden worden. Meyer ist seit einer Blutdoping-Affäre bei den Olympischen Spielen in Salt Lake City gesperrt.

Bei der Pressekonferenz schlug Gandler nun mildere Töne an: "Ich möchte mich zuerst beim IOC und vor allem bei der erfolgreichen österreichischen Mannschaft für die Vorkommnisse entschuldigen."

Verdächtige Gegenstände auch bei zweiter Razzia

Sollte sich der Dopingverdacht bestätigen, drohen nicht nur den Aktiven, sondern auch den Funktionären Sanktionen von Seiten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Dies deutete IOC-Sprecherin Giselle Davies an.

Die italienischen Dopinggesetze sehen harte Strafen für Sünder vor. Athleten, die des Dopings überführt werden, drohen in Italien Haftstrafen von bis zu zwei Jahren, Trainern und Ärzten sogar bis zu sechs Jahren.

Am Montagabend hatten Fahnder auch das Lager der österreichischen Langläufer durchsucht. Wie die Nachrichtenagentur reuters meldet, habe ein Polizeisprecher den Fund von Medizin-Equipment bei dieser zweiten Razzia bestätigt. "Wir haben in dem Haus, in dem Walter Meyer gewohnt hat, verdächtige Gegenstände gefunden, die im Zuge der Ermittlungen als gewichtig bezeichnet werden können", so der Sprecher. Derzeit würden die Beweismittel ausgewertet.

Kein normaler Test

Die Ergebnisse des Dopingtests gegen die zehn österreichischen Athleten werden frühestens an diesem Mittwoch bekannt gegeben, sagte Heinz Jungwirth, Generalsekretär des Nationale Olympischen Komitees für Österreich dem Internetdienst des TV-Senders ORF. Außderdem habe ihm IOC-Präsident Jaques Rogge schon zu einem früheren Zeitpunkt erklärt, dass man auf der Suche nach etwas ganz Bestimmten sei und der Test daher besonders ausführlich wäre, so Jungwirth. Laut Rogge handele es sich nicht um eine "normale" Testprozedur, daher sei ein Ergebnis nicht nach den üblichen 72 Stunden zu erwarten.

mig/pav/sge/Reuters/sid

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