Vierschanzentournee Deutsches Außenseiter-Team zuversichtlich

Die deutschen Skispringer haben zuletzt den Kontakt zur Weltspitze verloren. Ein gelungener Kurzlehrgang in Oberstdorf lässt die Schützlinge von Bundestrainer Peter Rohwein jedoch selbstbewusst auf den Höhepunkt der Saison blicken. Die Favoriten sind dennoch andere.


Oberstdorf - "Wir sind im Training einen großen Schritt nach vorne gekommen. Ich habe sehr gute Sprünge gesehen, die Leistungen haben sich stabilisiert", sagte Rohwein heute Abend in Oberstdorf. Gestern absolvierte Rohwein mit seinem Team einige Trainingssprünge auf der Schattenbergschanze, wo die DSV-Springer, die im bisherigen Saisonverlauf enttäuschten, am Samstag beim Auftaktspringen der Vierschanzentournee (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) auf eine Überraschung hoffen.

DSV-Springer Schmitt: "Ans Optimum kommen"
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DSV-Springer Schmitt: "Ans Optimum kommen"

Weil es im Nachwuchs hakt, müssen die Routiniers Michael Uhrmann und Martin Schmitt für vordere Platzierungen sorgen. Zuvor geht es für die deutschen Springer - neben den Routiniers treten Jörg Ritzerfeld, Georg Späth, Christian Ulmer und Maximilian Mechler an - am morgigen Freitag (16.30 Uhr) in die Qualifikation.

Die Zuversicht des Bundestrainers hat sich vor dem Beginn der 55. Vierschanzentournee auf seine Athleten übertragen: "Ich liege im Soll und kann über die erste Saisonphase nicht klagen. Ich hoffe, dass ich das fortsetzen kann", sagte Schmitt. Der 28-Jährige hat in Oberstdorf bereits drei Mal triumphiert (1998-2000).

Davon ist er in diesem Jahr jedoch ein Stück weit entfernt. "Ich erwarte nichts Utopisches. Nach vorne fehlt noch etwas, die Lücke lässt sich nicht in ein, zwei Wettkämpfen schließen. Aber jeder muss möglichst schnell an sein Optimum kommen, dann werden auch die Ergebnisse und die Stimmung besser", sagte Schmitt.

Die junge Generation fordert die Routiniers

Auch Uhrmann glaubt an eine Steigerung beim ersten Saison- Höhepunkt. "Es gibt keine große Baustelle, aber einige kleine. Natürlich wäre mir die Situation vom Vorjahr lieber, denn es läuft noch nicht so, wie ich es mir vorstelle. Ich will bei der Tournee Schritt für Schritt nach vorne kommen", erklärte der Bayer.

Als Favoriten sieht er die Youngster Gregor Schlierenzauer (Österreich) und Anders Jacobsen (Norwegen) an. "Die sind einen Schritt weiter als der Rest. Ich denke, sie werden durchziehen", so Uhrmann, der damit eine Attacke der "jungen Wilden" auf den Thron der Titelverteidiger Janne Ahonen (Finnland) und Jakub Janda (Tschechien) prophezeite. "Der Tournee-Sieg zum Geburtstag wäre das schönste Geschenk", sagte Schlierenzauer. Er wird am 7. Januar, dem Tag des Abschluss-Springens in Bischofshofen, 17 Jahre alt.

Aber auch Ahonen rechnet sich trotz eines bislang durchwachsenen Winters einiges aus. "Ich bin heiß und noch motivierter als vor 15 Jahren. Ich hoffe, dass ich gewinne", sagte Ahonen. Mit dem fünften Sieg würde der Finne an Jens Weißflog vorbeiziehen und zum alleinigen Rekordhalter aufsteigen.

RTL schließt Rückzug nicht aus

Die ausbleibenden Erfolge der deutschen Springer, haben beim übertragenden Fernsehsender RTL zu einem Umdenken geführt. Die Kölner wollen ihren im Oktober 2007 auslaufenden Vertrag mit dem Deutschen Skiverband (DSV) nur zu veränderten Konditionen verlängern. "Wir werden in Zukunft nicht so viel Geld geben können, würden aber gerne dabei bleiben", sagte RTL- Sportchef Manfred Loppe heute in Oberstdorf.

RTL überträgt von Freitag an zum achten und vielleicht letzten Mal die Internationale Vierschanzentournee. Die Übertragungsrechte für die deutschen Weltcup-Springen hatte sich RTL seit 1999 etwa 94 Millionen Euro kosten lassen. "Alles steht und fällt mit der Prognose: Was passiert in der Zukunft? Hat es Sinn, zu investieren?", sagte der RTL-Sportchef dem "Kölner Stadt-Anzeiger" in dessen Freitags-Ausgabe und schloss damit ein Ende der Skisprung-Übertragungen nicht aus.

fpf/dpa

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