Vierschanzentournee Hannawald und Schmitt verpatzen Auftakt

Fünf Jahre in Folge gewann ein deutscher Skispringer den Auftakt der Vierschanzentournee. 2003 jedoch büßten Sven Hannawald und Martin Schmitt in Oberstdorf nahezu alle Chancen auf den Gesamtsieg ein. Mit riesigem Vorsprung reist der Norweger Sigurd Pettersen zum Neujahresspringen nach Garmisch.


 Enttäuschter Martin Schmitt: "Katastrophaler Sprung"
DDP

Enttäuschter Martin Schmitt: "Katastrophaler Sprung"

Oberstdorf - Auf ihrer Lieblingsschanze in Oberstdorf erlitten die deutschen Skispringer zum Auftakt der 52. Vierschanzentournee vor 23.000 Zuschauern eine schwere Schlappe. Mit dem phantastischen Schanzenrekord von 143,5 Metern und einem überlegenen Sieg beendete Pettersen, 23, die fünfjährige deutsche Siegesserie (dreimal Schmitt und zweimal Hannawald) am Schattenberg und fliegt dem Tourneesieg entgegen. "Ich bin so glücklich, wie man nur sein kann. Beim Final-Sprung hat alles gepasst. Ich glaube, ich bin jetzt der Favorit", jubelte Pettersen, der in der Weltcup-Gesamtwertung auf Rang zwei hinter seinem Teamkollegen Roar Ljoekelsoey liegt.

Pettersen gewann den Wettbewerb von Oberstdorf mit 295,2 Punkten souverän, nachdem schon sein Sprung auf 133 Meter der beste des ersten Durchgangs gewesen war. Zweiter wurde der 17-jährige Österreicher Thomas Morgenstern (272,7 Punkte), der vor vier Wochen in Kuusamo noch schwer gestürzt war, vor seinem Landsmann Martin Höllwarth (269,1).

Michael Uhrmann (267,9) kam als bester Deutscher auf Rang vier, Georg Späth wurde Siebter, Maximilian Mechler landete auf Platz 15. "Natürlich wäre ich gerne auf dem Siegerpodest gelandet, aber ich bin nicht unzufrieden", sagte Uhrmann nach seiner besten Saisonleistung, "einmal bester Deutscher zu sein, ist schon schön. Aber besser wäre es gewesen, wenn heute einer von uns ganz vorn gelandet wäre." Der Team-Olympiasieger aus Rastbüchl erhielt trotz insgesamt größerer Sprungweite 1,2 Punkte weniger als Höllwarth. "Das war knapp. Ich dachte, ich wäre vor ihm. Ein wenig besser hätten mich die Sprungrichter schon bewerten können", so Uhrmann.

Sven Hannawald, Tournee-Gewinner 2001/2002 sprang 123,5 und 124,5 Meter und war angesichts seines riesengroßen Rückstandes auf die Erstplatzierten ratlos. "Keine Ahnung. Ich bin besser drauf als gestern, habe aber ein komisches Gefühl", stammelte der Vorjahressieger, der nur 18. wurde. Stephan Hocke wurde 22., Alexander Herr 24.

 Den Tournee-Gesamtsieg vor Augen: Sigurd Pettersen
AP

Den Tournee-Gesamtsieg vor Augen: Sigurd Pettersen

Die größte Enttäuschung aus deutscher Sicht aber war Schmitt. "Das war ein katastrophaler Sprung", sagte der DSV-Mannschaftsführer, der im Training am Sonntag auf Platz zwei geflogen war, nach seinem ersten Satz auf 114,5 Meter, "ich bin enttäuscht, weil ich mir mehr vorgenommen hatte." Zwar verbesserte sich der dreimalige Oberstdorf-Sieger im zweiten Durchgang auf 121,5 Meter, landete aber dennoch abgeschlagen auf Platz 27.

Wolfgang Steiert nahm seine Springer in Schutz: "Insgesamt müssen wir zufrieden sein. Uhrmann und Späth unter den besten Zehn, sieben Springer unter den besten 30. Das ist nicht schlecht", sagte der Bundestrainer, "Was mit Sven heute passiert ist, müssen wir genau analysieren. Er setzt sich zu sehr unter Druck und denkt nur an Platz eins bis drei. Er gehört zu den Besten, aber er muss wieder zum Fliegen finden. Martin fehlt noch die Stabilität. Beide haben natürlich nicht die Leistung gebracht, die ich von ihnen erwarten kann."

Derweil stärkte die DSV-Führung dem in die Kritik geratenen Steiert den Rücken. "Wir stehen voll hinter ihm und dem gesamten Trainer-Team. Es gibt überhaupt keinen Ansatzpunkt für die Verbandsspitze, in den Skisprung eingreifen zu müssen. Die Trainer haben das im Griff", sagte Sportdirektor Thomas Pfüller.



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