Tournee-Sieger Kobayashi Der stille Dominator

Ryoyu Kobayashi, 22 Jahre alt, hat in beeindruckender Manier die 67. Vierschanzentournee gewonnen. Er könnte der Superstar des Sports werden. Oder kommt es ganz anders?

Ryoyu Kobayashi
DPA

Ryoyu Kobayashi

Von Eike Hagen Hoppmann


Man würde Ryoyu Kobayashi in diesen Tagen gerne so viel fragen: Wie es ist, als erst zweiter Japaner nach Kazuyoshi Funaki (1998) die Vierschanzentournee zu gewinnen? Wie es ist, nun zu den drei Personen zu gehören, die alle vier Springen einer Tournee in einem Jahr gewonnen haben. Und: Wie er es geschafft hat, von einem Jahr aufs andere zum dominantesten Skispringer zu werden, der bislang acht der elf Einzelspringen dieses Winters gewonnen hat.

Das Problem: Kobayashi spricht nur sehr wenig, zumindest mit den Medien. Seine Antworten sind vor allem eins: kurz. Wenn er vor den TV-Kameras eine englische Frage gestellt bekommt, ist die Antwort selten länger als ein Wort. Und auch wenn ein Dolmetscher die Antworten aus dem Japanischen ins Englische oder Deutsche übersetzt, kommen meistens nicht mehr als ein paar Sätze dabei heraus. 17 Sekunden dauerte seine Videobotschaft nach dem Sieg bei der 67. Vierschanzentournee.

Die entscheidende Frage vor dem vierten Springen der Tournee in Bischofshofen war nicht mehr, ob Kobayashi die 67. Vierschanzentournee gewinnen würde. Zu groß war sein Vorsprung in der Gesamtwertung auf den zweitplatzierten Markus Eisenbichler aus Deutschland. Spannend war nur noch, ob Kobayashi es schaffen würde, dem exklusiven Kreis von Sven Hannawald und Kamil Stoch beizutreten und als dritter Springer alle vier Wettbewerbe der Tournee in einem Jahr zu gewinnen.

Von vier auf eins

Im ersten Durchgang hatte er noch ungünstige Bedingungen erwischt, lag anschließend nur auf Rang vier. Mit 137,50 Metern im zweiten Durchgang legte Kobayashi aber wieder vor. Der Gesamtsieg stand damit fest. Drei Springer hatten noch die Gelegenheit, den Grand Slam zu verhindern: Stefan Kraft, Dawid Kubacki und Markus Eisenbichler, der bei den ersten beiden Springen sein größter Konkurrent war. Kraft sprang deutlich zu kurz. Als auch Kubacki hinter Kobayashi landete, sah man Kobayashi in der "Leaders Box" auf und ab springen. Markus Eisenbichler konnte ihn ebenfalls nicht mehr von Platz eins verdrängen.

Viertes Springen, vierter Sieg. "Unglaublich" sei das, sagte Kobayashi. Bei den ersten beiden Springen Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen hatte Eisenbichler noch in Schlagdistanz bleiben können, Kobayashi baute kleinere Fehler in seine Sprünge ein. Trotzdem landete er knapp vorne. Letzte Bedenken wischte Kobayashi dann beim dritten Springen in Innsbruck weg, als er Eisenbichler distanzierte. In Bischofshofen wäre er nur bei einem Sturz vom ersten Platz zu verdrängen gewesen.

Das Geheimnis des Erfolgs

Ein Grund dafür, dass Kobayashi in diesem Winter zu einem solchen Dominator wurde, ist der Absprung: Kobayashi springt zum richtigen Zeitpunkt mit der richtigen Kraft ab, bringt Ski und Körper schnell in die richtige Flugposition. Aber damit lässt sich nicht vollständig erklären, wie jemand plötzlich eine Sportart so dominieren kann. Er habe sich "Videos von allen guten Springern angeschaut. Ich habe von ihnen gelernt", sagte Kobayshi noch. Mittlerweile lernt der Rest der Skisprung-Szene von ihm.

Weltweit bekannt ist inzwischen das Video, das Kobayashi im letzten Winter in der Heimat zeigt, wie er auf der Schanze in Sapporo über 150 Meter springt, eigentlich eine unmögliche Weite. Aber Kobayashi hat in dieser Saison einige Dinge im Skispringen neu definiert. Was kann da noch kommen?

Kobayashi ist erst 22 Jahre alt, seine Karriere steht noch am Anfang. Allen, die nun aber davon ausgehen, dass Kobayashi das Skispringen in den kommenden zehn Jahren dominieren wird, sei gesagt: Das dachte man in den vergangenen Jahren auch schon bei anderen jungen Springern, zum Beispiel dem Slowenen Domen Prevc, der inzwischen aber schon wieder nach der Form sucht.



insgesamt 11 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
ekel-alfred 07.01.2019
1. Es kommt anders
Wo war denn der Überflieger des letzten Winters in dieser Saison? Unter ferner liefen..... An die Spitze kommen bei dieser Sportart ist die eine Sache. Oben bleiben eine ganz andere. Dazu braucht es Nervenstärke, Glück beim Wetter/Wind und hartes Training der Abläufe. Das passt aber nicht immer alles zusammen, daher werden wir in der nächsten Saison einen anderen Kobayashi sehen. Wetten?
jujo 07.01.2019
2. ....
Ich habe in den letzten Jahren sogar Jahrzehnten niemanden erlebt der über mehrere Jahre hinweg das Skispringen dominiert hat. Das wird glaube ich auch Kubayashi nicht gelingen.
powaaah 07.01.2019
3.
Ahonen, Weißflog, Goldberger, Schlierenzauer ... mir fallen da einige Namen ein, aber sie haben schon Recht. Meistens sind es One-Year-Wonder. Teilweise wie bei Eisenbichler kommt es sogar mitten in der Saison. Bis zur 4-Schanzen-Tournee war er auch unter ferner Liefen. Es macht den Eindruck als wäre Skispringen der reinste Zufallen. Kein Zusammenhang zwischen Erfolg und Können oder Talent feststellbar. Im Prinzip kann im nächsten Jahr wieder eine komplett neue Top 5 entstehen.
faberhomo 07.01.2019
4. Japaner
sind Bodenständige Menschen. Disziplin, Demut usw kommen an erster Stelle. Anscheinend ist das Talent auch vorhanden. Könnte zu einer mittelfristigen Dominanz kommen. Die Zeit wird es zeigen.
allesinbutter24 07.01.2019
5. Do you speak English?
Nö, leider nix. Das ist schon ein bisschen peinlich für einen jungen Mann im internationalen Sportvergnügen. Unsere Jungs sind zwar auch nicht perfekt (ich hörte nur kurz das Wort trainers=Sportschuhe, gemeint war wohl die Trainer=coaches), aber sie verstehen wohl die Fragen und schlagen sich irgendwie durch.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.