Wetterchaos bei Olympia Kombination aus Frust und mangelnder Form

Regen, Schnee und Wind: Die deutschen Kombinierer waren nach dem Skandal-Wettbewerb von der Großschanze restlos bedient und kritisierten die Olympia-Veranstalter heftig. Kritische Worte fand auch Bundestrainer Hermann Weinbuch - allerdings für die Form seiner Athleten.

Kombinierer Kircheisen: Das letzte Rad
DPA

Kombinierer Kircheisen: Das letzte Rad


Hamburg - "Das war so amateurhaft, dass man sich fragen muss, ob das IOC die Kombination überhaupt noch im Programm haben will", schimpfte Tino Edelmann. Und Björn Kircheisen kritisierte: "Wir sind doch das letzte Rad. Beim alpinen Rennsport gab es bei Olympia ständig Verschiebungen, da hätte man bei uns doch auch einen Tag warten können."

Es war der pure Frust, der aus den beiden deutschen Medaillenhoffnungen in der Nordischen Kombination sprudelte. Erstmals seit zwölf Jahren fliegen die deutschen Kombinierer ohne Einzelmedaille von Olympischen Winterspielen nach Hause. Doch nicht nur wegen des verpassten Edelmetalls waren die Athleten nach dem Springen von der Großschanze restlos bedient; ihr Ärger richtete sich vor allem gegen die Jury.

Am Donnerstagabend war der Wettbewerb wegen irregulärer Bedingungen unterbrochen worden. Regen, Schnee und Wind sorgten dafür, dass nach 31 Springern Schluss war. Nach einer Stunde Pause ging es weiter, die Medaillenkandidaten waren an der Reihe. Nur an den Bedingungen hatte sich in der Zwischenzeit rein gar nichts geändert. Edelmann und Kircheisen hatten daher ebensowenig eine Chance wie der Franzose Jason Lamy Chappuis, Einzel-Olympiasieger von der Normalschanze, der den Wettbewerb "olympiaunwürdig" nannte, und Rekord-Olympiasieger Felix Gottwald, der von einer Schande sprach. "Der Unterschied zwischen Athleten und Jury ist der, dass sich die Athleten vier Jahre auf Olympia vorbereiten und die Jury im Warmen sitzt. Die besten Athleten sind heute vorgeführt worden", so der Österreicher.

Streik scheitert an der Solidarität der Sportler

Ein Streik aller Athleten scheiterte an der mangelnden Solidarität der Sportler, schließlich gab es auch Profiteure des Springens. Bill Demong aus den USA etwa, Sechster nach dem Springen und nach dem abschließenden 10-Kilometer-Langlauf neuer Olympiasieger. Oder den Österreicher Bernhard Gruber, Bester nach dem Springen und später mit Bronze dekoriert.

"Es waren komplizierte Bedingungen, die Jury hat ihr Bestes getan. Es war einfach nicht möglich, faire Bedingungen für alle zu schaffen", rechtfertigte Renndirektor Ulrich Wehling die Entscheidung. Dass die Verantwortlichen um den ehemaligen Weltklasse-Kombinierer mit der Fortsetzung des Springens nicht bis zum nächsten Tag warteten, wie es bei den alpinen Skifahrern wegen widriger Bedingungen gemacht worden war, brachte Kircheisen auf die Palme: "Das zeigt die Wertigkeit der Sportart. Die Populärsten sind wir nicht. Und nach diesem Wettkampf wird sich das bei den Zuschauern mit Sicherheit auch nicht ändern."

Gewannen die deutschen Kombinierer bei den Spielen 2006 in Turin noch einen kompletten Medaillensatz, langte es in Vancouver nur zu Bronze im Teamwettbewerb. Dafür war aber nicht allein das Wetter verantwortlich, sondern auch die mangelnde Form der deutschen Athleten, wie Bundestrainer Hermann Weinbuch gestand. "Die junge Mannschaft hat Lehrgeld gezahlt. Wir müssen die Zügel wieder anziehen und härter arbeiten", so Weinbuch, der durchblicken ließ, dass er gern bis zu den Winterspielen in Sotschi 2014 als Bundestrainer weitermachen würde.

ham/sid



© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.