Winterspiele 2014 Islamisten rufen zu Terror gegen Olympia in Sotschi auf

Der tschetschenische Separatistenführer Doku Umarow hat seine Anhänger aufgerufen, gegen die Olympischen Winterspiele 2014 vorzugehen. Es gelte, die Veranstaltung mit allen Mitteln zu verhindern, sagte der Top-Terrorist. Das IOC nahm die Drohung gelassen auf.
Separatistenführer Umarow: "Mit allen Mitteln verhindern"

Separatistenführer Umarow: "Mit allen Mitteln verhindern"

Foto: DPA/ IntelCenter

Hamburg - Der Anführer der radikalen Islamisten aus dem Kaukasus hat zu Terroranschlägen gegen die Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi aufgerufen. Doku Umarow, tschetschenischer Separatistenführer und Russlands Staatsfeind Nummer eins, sagte in einer am Mittwoch im Internet veröffentlichten Videobotschaft, die Russen wollten die Olympischen Spiele "auf den Gebeinen vieler begrabener Muslime auf unserem Land am Schwarzen Meer" ausrichten: "Wir müssen dies mit allen Mitteln verhindern."

Die Echtheit des Internet-Videos lässt sich nicht überprüfen. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) reagierte bei seiner Außerordentlichen Sitzung in Lausanne am Mittwoch jedenfalls gelassen auf die Drohungen. "Das IOC ist sehr zuversichtlich, dass die russischen Gastgeber alles im Griff haben. Terrorismus und Olympia haben wir schon öfter erlebt, nicht nur 1972 in München oder 1996 in Atlanta. Auch vergangenes Jahr in London wurde viel über eine solche Gefahr geredet", sagte IOC-Sprecher Mark Adams: "Doch Olympia hat bisher alles gut überstanden. Das wird auch in Sotschi so sein."

Die Winterspiele vom 7. bis 23. Februar 2014 sind ein von Präsident Wladimir Putin betriebenes Prestigeobjekt Russlands. Der Austragungsort Sotschi am Schwarzen Meer liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zur Unruheregion des Nordkaukasus, wo muslimische Extremisten für einen islamischen Staat kämpfen.

Umarows Gruppe für Anschläge in Moskau verantwortlich

Der Terroranschlag auf den Marathon in Boston Mitte April, bei dem drei Menschen getötet und mehr als 250 verletzt wurden, geht auf das Konto zweier Brüder, die mit den kaukasischen Rebellen sympathisieren. Zudem hatte Umarows Gruppe, die sich "Kaukasisches Emirat" nennt, die Verantwortung für die verheerenden Terroranschläge auf den Moskauer Flughafen Domodedowo im Januar 2011 mit 37 Toten und auf die U-Bahn in der russischen Hauptstadt im März 2010 mit 40 Toten übernommen.

Auch der Verfassungsschutz beobachtet rund 200 in Deutschland lebende Extremisten, die dem "Kaukasischen Emirat" zugerechnet werden. Die militante Gruppe soll Verbindungen zu al-Qaida haben. Anführer Umarow ist der meistgesuchte Mann Russlands. Im Januar 2012 hatte er seine Gefolgsleute aufgefordert, keine Angriffe mehr gegen Zivilisten durchzuführen.

ham/sid/dpa/rtr