Wintersport Sensation durch US-Rodlerin, Hujara kontert Pisten-Kritik

Schneefall, die Bahn holprig, sieben Stürze: Der Auftakt der Rodel-WM verlief chaotisch. Die deutschen Doppelsitzer Andre Florschütz und Torsten Wustlich holten Silber, eine US-Amerikanerin sorgte für eine Sensation. Bei der Ski-WM gibt es weiter Streit um die vereiste Männer-Abfahrt.


Hamburg - US-Rodlerin Erin Hamlin hat bei den Weltmeisterschaften in Lake Placid für einen Sensationssieg gesorgt und die Siegesserie der deutschen Frauen beendet. Die 22-Jährige nutzte am Freitag ihren Heimvorteil auf der anspruchsvollen Eisrinne und verwies die deutsche Gold-Hoffnung Natalie Geisenberger auf den zweiten Platz. Titelverteidigerin Tatjana Hüfner kam mit der schweren Bahn einmal mehr nicht zurecht und musste sich als Sechste von ihrem Ziel verabschieden, nach 2007 und 2008 den dritten Titel in Folge zu holen. Für die erfolgsverwöhnten deutschen Rodel-Frauen war es die erste WM-Niederlage seit 1995. Anke Wischnewski fuhr auf den zehnten Platz.

Rodlerin Hamlin: Deutsche Siegesserie beendet
DPA

Rodlerin Hamlin: Deutsche Siegesserie beendet

Die Doppelsitzer Florschütz und Wustlich haben zum Auftakt der 41. Rodel-WM in Lake Placid das vierte Gold ihrer Laufbahn knapp verpasst - aber für die Titelverteidiger war der zweite Platz rund zweieinhalb Monate nach einer Bandscheiben-Operation bei Florschütz trotzdem ein Erfolg. 0,057 Sekunden waren die beiden langsamer als die Olympiadritten Gerhard Plankensteiner/Oswald Haselrieder, die für den ersten italienischen Doppelsitzer-Sieg seit 1990 sorgten.

Bronze sicherten sich auf der Bahn am Mount van Houvenberg bei minus 10 Grad Celsius und Schneefall die US-Amerikaner Mark Grimmette/Brian Martin (0,210 Sekunden zurück). Patric Leitner/Alexander Resch (0,591 Sekunden Rückstand) und Tobias Wendl/Tobias Arlt (0,637) belegten die Ränge fünf und sieben.

Vor dem Finaldurchgang hatten Plankensteiner/Haselrieder nach einem Bahnrekord mit acht Tausendstelsekunden vor Florschütz und Wustlich geführt. Gleich sieben Doppel waren auf der technisch anspruchsvollen und holprigen Bahn gestürzt, die Olympiasieger Andreas Linger/Wolfgang Linger (Österreich) schieden im ersten Lauf aus.

Günter Hujara, deutscher Renndirektor des Internationalen Ski-Verbandes (Fis), hat die heftige Kritik an der Präparierung der Männer-Piste "Face de Bellevarde" bei der alpinen WM in Val d'Isere zurückgewiesen. "Ich akzeptiere die Kritik der Leute nicht, die noch nie auf diesem Berg gearbeitet haben", sagte er am Freitag. Am Abend zuvor hatten die Frauen-Trainer mit einem Boykott des Team-Wettbewerbs gedroht, sollte er wie vorgesehen komplett auf der von Hujara verantworteten Männer-Piste ausgetragen werden.

Hujara hatte die "Face de Bellevarde" vereisen lassen, eine übliche Vorgehensweise bei der Pistenpräparierung. "Es überrascht mich nicht, dass die Frauen-Trainer ein bisschen schockiert waren, als das Eis geblitzt hat", sagte der ehemalige Frauen-Cheftrainer des Deutschen Skiverbandes (DSV) und verteidigte seine Anweisungen: Am Freitag habe sich schließlich "bewahrheitet, dass wir gar nicht anders präparieren konnten", das Abfahrts-Training der Männer hätte er wegen Schneefalls in der Nacht zuvor sonst absagen müssen.

Er weise zudem bereits seit zwei Jahren darauf hin, so Hujara, dass es zu Problemen auf der "Bellevarde" kommen würde: "Das ist in den Protokollen nachzulesen." Auch DSV-Alpin-Direktor Wolfgang Maier bemängelte, dass im Vorfeld zu viel Zeit verstrichen sei. Frühzeitige, auch gegenüber Frauen-Renndirektor Atle Skardaal geäußerte Bedenken seien nicht ernst genommen worden. "Ich kann nicht verstehen, dass die hier fünf Jahre eine WM vorbereiten, und fünf Tage vor dem Rennen wird jetzt alles umgeschmissen".

Fünf Springer des Deutschen Skiverbandes haben sich in Willingen für die erste Einzel-Konkurrenz der neu geschaffenen Team-Tour qualifiziert. Bester Deutscher war am Freitag Martin Schmitt mit einem Sprung auf 128,5 Meter. Neben dem bereits gesetzten Routinier erreichten auch Michael Neumayer (126), Stephan Hocke (124), Christian Ulmer (120) und Severin Freund (116,5) den Wettbewerb am Sonntag (14.30 Uhr/ARD). Den weitesten Sprung der Konkurrenz stand der Finne Harri Olli mit 134 Metern. Der Österreicher Gregor Schlierenzauer und der Schweizer Simon Ammann ließen die Qualifikation aus.

goe/sid/dpa



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