Felix Dachsel

Winterliche Fußballtristesse An spielfreien Tagen boykottiere ich die WM

Felix Dachsel
Die Mini-Kolumne zur WM von Felix Dachsel
Die ARD sendet aus dem Deutschen Fußballmuseum, es schneit. Und ich tröste mich mit dem Gedanken, dass morgen Messi spielt.
In Deutschland schneit es und in Katar rollt der Ball nicht

In Deutschland schneit es und in Katar rollt der Ball nicht

Foto: Jan Huebner / IMAGO
Katar kompakt – die Mini-Kolumne zur WM

Bei der wohl irrsten WM aller Zeiten passieren irre Dinge. Unser Kolumnist würdigt täglich die schillernden, absurden, schönen und durchgeknallten Katar-Momente. Lesezeit: Garantiert unter einer Minute.

Noch trauriger als diese WM sind spielfreie Tage bei dieser WM. Ich saß im Hotel und schaute »Morgenmagazin«. Der Moderator stand mit Olaf Thon, unserem Weltmeister von 1990, im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund. Im Hintergrund hatte man Palmen und lustige Sessel aufgestellt. Es sah alles exakt so aus wie bei einer Weihnachtsfeier, bei der die Kolleginnen der Personalabteilung mal etwas Neues ausprobieren wollten. Es fehlten nur lustige Sonnenbrillen und ein Fotoautomat. Ich saß auf dem Bett und fühlte mich wie Bill Murray, aber ich war nur ich und das Hotel war das Intercity-Hotel.

Der »Morgenmagazin«-Moderator sprach jetzt mit gesenktem Mikrofon auf Englisch mit einem Musiker, der eingeladen war. Er zeigte auf Olaf Thon und sagte: »Champion«. Es ist gekonnte und ich denke gewollte Ironie, dass die ARD ihre WM-Berichterstattung aus einem Museum sendet. Es kam noch ein kurzer Film aus Brasilien, in Brasilien schauen sie bei 38 Grad Fußball, in Badehose.

Ich scrolle durch die Fußballnachrichten aus dem deutschen Winter. Flick bleibt Bundestrainer, Thomas Müller denkt an Rücktritt (ich dachte, er ist schon zurückgetreten?), Fredi Bobic fordert irgendwas vom DFB. Jetzt sitze ich in meinem Büro beim SPIEGEL, draußen bietet der Dezember eine Mischung aus Regen und Schnee an. Morgen spielt Messi, immerhin.

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