Felix Dachsel

Wiederaufbau nach WM-Katastrophe So bekommst du einen härteren Schuss

Felix Dachsel
Die Mini-Kolumne zur WM von Felix Dachsel
Der deutsche Fußball ist am Boden. Jetzt müssen wir alle anpacken. In einem Männermagazin finde ich nützliche Tipps.
Hat einen sehr harten Schuss: Lionel Messi

Hat einen sehr harten Schuss: Lionel Messi

Foto: Tom Weller / dpa
Katar kompakt – die Mini-Kolumne zur WM

Bei der wohl irrsten WM aller Zeiten passieren irre Dinge. Unser Kolumnist würdigt täglich die schillernden, absurden, schönen und durchgeknallten Katar-Momente. Lesezeit: Garantiert unter einer Minute.

Die große Fußball-Melancholie, die sich über dieses Land gelegt hat, lässt einen seltsame Dinge tun. Ich zum Beispiel griff im Zeitschriftenhandel nach der Dezemberausgabe von »Men's Health«. Auf der Rückseite sah ich eine große Werbung für die deutschen WM-Trikots. Tragisch, dachte ich. Im Dezember war Deutschland nur einen halben Tag im Turnier.

Mir fiel ein kleines Heftchen entgegen, das der Ausgabe beigelegt war, ein »Extra-Heft für Fußballer«. Sie meinen mich, dachte ich. Denn ich bin Fußballer. Ich kaufte das Heft, es war nur ein bisschen teurer als ein SPIEGEL.

Zu Hause legte ich mich aufs Sofa und blätterte. Ich war von den Themen (»So kriegst du einen härteren Schuss«) angetan. Erling Haaland zum Beispiel, erfuhr ich auf Seite 59, trägt vor dem Schlafengehen eine Blueblocker-Brille, um seine Augen vor dem Blaulicht-Frequenzbereich zu schützen. Der »Men’s Health Fitness Director«, der mir im Heft vorgestellt wurde, macht sich abends einen Anti-Aging-Tee aus Lapacho, Glycin, Quercetin, Kamille und Garcinia. Ich muss mal gucken, ob ich die Zutaten vorrätig habe.

Vielleicht fange ich aber auch mit den einfachen Tipps an. Man soll, erfahre ich auf Seite 39, seine Fußballtasche nach dem Training immer sofort auspacken. Und für die Kabine empfiehlt sich die Anschaffung eines Getränkekühlschranks mit 340 Liter Fassungsvermögen für 729 Euro.

Es ist also nicht so, dass der deutsche Fußball unwiederbringlich am Ende ist. Die Tipps liegen auf dem Tisch. Jetzt sind wir Fußballer gefragt, sie auch umzusetzen. Melancholisch griff ich zur Fernbedienung: Vielleicht kommt ja irgendwo Fußball. Aber es kam kein Fußball, es kamen die Rosenheim-Cops.

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