Christoph Scheuermann

WM-Berichterstattung Habt ihr ein Frauenproblem, liebes ZDF?

Christoph Scheuermann
Die Mini-Kolumne zur WM von Christoph Scheuermann
Wenn es ernst wird, lässt der Sender meistens Männer ran. Woanders macht die WM mehr Freude.
Der Jochen (l.) und der Christoph vom ZDF

Der Jochen (l.) und der Christoph vom ZDF

Foto: Michael Braunschädel / ZDF
Katar kompakt – die Mini-Kolumne zur WM

Bei der wohl irrsten WM aller Zeiten passieren irre Dinge. Unser Kolumnist würdigt täglich die schillernden, absurden, schönen und durchgeknallten Katar-Momente. Lesezeit: Garantiert unter einer Minute.

Vielleicht liegt es an meinem schlechten Timing, aber fast immer, wenn ich im ZDF WM-Spiele schaue, sitzen Männer mit den gleichen Frisuren und den gleichen weißen Turnschuhen im Studio. Sie heißen Jochen, Per und Christoph und sehen aus wie Drillinge. Sie tragen keine Socken, sondern Füßlinge. Ich nenne sie JoPerCh. Zufällig weiß ich, dass das ZDF hervorragende Reporterinnen hat, aber sie werden von ihren Chefs offenbar gut versteckt.

Vergangenen Sonntag zum Beispiel, beim Spiel Deutschland gegen Spanien, hat der Sven vorher den Hansi interviewt, während in Mainz der Per, der Christoph und der Jochen auf ihren ungemütlichen Sesseln saßen. Kommentiert wurde das Spiel von Oliver und Sandro, anschließend wurden Niclas, Manuel, Thomas und noch mal Hansi interviewt, von Männern. In der Halbzeitpause unterhielten sich JoPerCh mit liebevollem Kopfschütteln darüber, warum Gavi, der Spanier, seine langen Schnürsenkel nicht richtig zuknotet. Christoph vermutete, Gavi mag das klackernde Geräusch beim Laufen.

Es ist nicht so, dass sich das Zweite keine Mühe gibt, ein wenig Diversität ins Programm zu quetschen. Am Mittwoch, vor dem Spiel Frankreich gegen Tunesien, durfte die Nationalspielerin Anja Mittag kurz ins Studio kommen. Im Stadion kommentierte Claudia Neumann. Gestern Abend aber, als ich Schweiz gegen Serbien einschaltete, dem Endspiel der Gruppe G, war alles beim Alten: die Drillinge in Mainz, und in Katar erklärte der Bela dem Sandro, warum er den Serben Pavlović so gerne mag.

Mein Gefühl ist: Wenn es wichtig wird, lässt das Zweite lieber Jungs ran. Im Ersten kommen die Analysen von Esther Sedlaczek, Jessy Wellmer, Lea Wagner, Almuth Schult und anderen. Da macht die WM mehr Spaß.

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