WM-Halbfinalist Schweden Lotta kann fast alles

Gala-Auftritt von Lotta Schelin im Viertelfinale gegen Australien: Die 27-Jährige war an fast jeder gefährlichen Aktion Schwedens beteiligt, erzielte ein Tor selbst und bereitete ein weiteres vor. Ihr Coach war zufrieden, nur an der Verteidigung müssen die Skandinavierinnen arbeiten.

Getty Images

Von , Augsburg


Nein, eine Autofabrik war dann doch nicht in Sichtweite. Ansonsten aber unterschied sich die Szenerie am Sonntagnachmittag in Augsburg kaum von der in Wolfsburg 16 Stunden zuvor. Abertausende Menschen wanderten im Stadionumlauf im Deutschlandtrikot herum. In ihren Gesprächen kamen Worte wie "Japanerinnen", "Torwartfehler" oder "die Prinz" vor. Wären nicht hin und wieder schwedische Trikots oder ein paar zu gekonnt ausgesprochene Anglizismen zu hören gewesen - man hätte sich glatt bei einem Spiel der deutschen Nationalmannschaft und nicht beim 3:1-Sieg Schwedens über Australien gewähnt.

Es sollte dann aber doch noch ein fröhlicher, stimmungsvoller Nachmittag vor ausverkauftem Hause werden. Und manch einer, der nach dem deutschen K.o. gegen Mittag noch mit eher mieser Laune an den Stadtrand gefahren war, verließ den Ort des Geschehens mit dem guten Gefühl, ein ereignisreiches Spiel mit einem verdienten Sieger gesehen zu haben. Bei der Begegnung der entschlossenen Skandinavierinnen gegen die fleißigen, aber ein wenig unbedarften Außenseiterinnen gab es viele Torraumszenen, wenig Mittelfeldgeplänkel und überhaupt einiges zu bestaunen, das ein Spiel sehenswert macht.

Zum Beispiel Lotta Schelin. Die Schwedin wurde zum "Player of the Match" gekürt. Absolut verdient, wie auch Australiens Coach Tom Sermanni fand: "Ich glaube, Schweden hat jetzt richtig gute Chancen, ins Finale zu kommen, zumal Japan gegen Deutschland 120 Minuten gespielt hat. Und dann haben sie mit Lotta natürlich eine richtig gute Stürmerin." Schelin zeigte sich dann auch angemessen erfreut über die eigene Leistung und betonte noch einmal, wie gerne man auch gegen Deutschland gespielt hätte.

Schelin überragt gegen Australien

Selbst, wenn es gegen die Asiatinnen nicht mit dem Finaleinzug klappt, durch den Erfolg über Australien hat sich Schweden als letztes europäisches Team für die Olympischen Sommerspiele 2012 qualifiziert. "Wir sind im Halbfinale und in London dabei. Wir sind sehr glücklich", sagte Schwedens Trainer Thomas Dennerby. Zuvor hatte dies bereits Frankreich am Samstagmit dem Einzug ins Halbfinale geschafft. Gastgeber England ist automatisch dabei. Damit ist Deutschland erstmals nicht für ein olympisches Turnier qualifiziert.

Doch so sehr sich die Schwedinnen auch die Komplimente verdient hatten - die Geschichte des Spiels wurde dann doch zu nicht unerheblichen Teilen von der überforderten Defensive der Australierinnen geschrieben. Wenn Schwedens Coach Thomas Dennerby nach dem Spiel die "nice goals" lobte, die die Zuschauer gesehen hätten, traf das im doppelten Sinne zu. Schön anzusehen waren die Treffer. Aber eben auch nett hergeschenkt.

Schon in der sechsten Minute stand Schelin frei vorm Tor, als sie nach einem schlimmen Fehler der Australierin Servet Uzunlar an den Ball gelangte, aber freistehend strauchelte (6. Minute). Auch beim 1:0 durch Therese Sjögran (10.), vor allem aber beim 2:0, das bereits nach 16 Minuten Spielzeit durch Lisa Dahlkvist fiel, verzichtete die australische Defensive fast völlig darauf, ihre Pflicht zu tun. Die starke Mittelfeldspielerin kam stattdessen völlig unbedrängt im Fünfmeterraum zum Kopfball.

Schwedens Coach mit der Defensivleistung nicht zufrieden

Kurz nach dem Wechsel erlief Schelin dann selbst einen riskanten Rückpass von Kim Carroll, die nach dem Spiel minutenlang weinte, und traf unbekümmert zum 3:1 (52.). Ein Distanzschuss der Australierin Ellyse Perry (40.) hatte kurzzeitig für etwas Hoffnung bei den Außenseiterinnen gesorgt. "In der Halbzeit", bekannte Sermanni nach der Partie, "hatte ich noch geglaubt, dass wir das Spiel auch gewinnen können."

Es sollte anders kommen - verdientermaßen. Denn mit Schweden gewann das bessere, ballsichere von zwei lauffreudigen, fleißigen Teams. Vor allem aber gewann die Mannschaft, die die deutlich besseren Einzelspielerinnen in ihren Reihen hatte. Akteurinnen wie Dahlkvist, Sara Thunebro vom FFC Frankfurt oder eben Schelin, die als Mitglied der Champions-League-Siegerelf von Olympique Lyon über die Erfahrung und Klasse verfügt, die den wackeren Australierinnen abging.

Anfälligkeiten schließt das nicht aus, wie auch Coach Dennerby zugab. "Ich war mit der Defensivleistung nicht zufrieden, das müssen wir verbessern." Es ist anzunehmen, dass er mit der Kritik auch die Keeperin gemeint hatte. Hedvig Lindahl zeigte sich im Strafraum wackelig und konnte von Glück sagen, dass ihre kraftlosen Faustabwehren nicht noch öfter für Gefahr sorgten.

Ihr Coach jedenfalls wandte sich nach einigen höflichen Worten über den Gegner schon dem Halbfinalspiel am kommenden Mittwoch in Frankfurt am Main (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) zu. "Die Japanerinnen sind technisch sehr versiert, haben viele schnelle Spielerinnen", so Dennerby. "Wenn ich an deren Spiel denke, glaube ich, dass sie viel Ballbesitz haben werden. Dementsprechend gut müssen wir in der Defensive arbeiten."

insgesamt 2 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
ralf12 11.07.2011
1. Lotta Schelin
Sie ist einfach eine Weltklassespielerin in einem Weltklasseteam. Diese Truppe ist z.Zt. das Spektakulärste, daß bei der WM geboten wird.
bunterepublik 13.07.2011
2. Schweden
Schweden wird Weltmeister...da bin ich sicher... In Schweden hat der Damen-Fußball auch einen recht hohen Stellenwert. Und nachdem der Angstgegner Deutschland weg ist, sagen die Schweden ohnehin schon Danke an Ihren Gastgeber.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.