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FUSSBALL Ziemlich werbewirksam

Der Deutsche Fußball-Bund brachte die Sportphotographen gegen sich auf: Er will ihnen vorschreiben, für einen Sponsor Reklame zu laufen. *
aus DER SPIEGEL 41/1985

Noch 1973 schoß der DFB scharf auf den Jägermeister-Hirsch. Erst mit juristischer Hilfe heftete Eintracht Braunschweig das Wappentier auf die Trikots. Jetzt will der Fußball-Bund seinerseits Sportphotographen und TV-Kameraleute in Werbeleibchen zwingen.

»Als wir im März zum Länderspiel gegen Malta nach Saarbrücken kamen«, berichtete Photoreporter Rolf Kosecki von der Agentur Sven Simon, »bekamen wir als Kennzeichen statt der üblichen Armbinden einen Riesenlatz mit der Aufschrift Agfa«.

»Großes Murren« habe im Kollegenkreis eingesetzt, so Kosecki, »weil wir als Litfaßsäulen herumlaufen sollten«. Viele überklebten den Schriftzug. Vor dem Pokalfinale zu Pfingsten in Berlin mahnte der DFB die »lieben Kollegen« brieflich, das Agfa-Leibchen, auf dem als einziges Zugeständnis an die Proteste der Photographen die Werbezeile etwas verkleinert wurde, müsse während des gesamten Spieles getragen werden »mit deutlich sichtbaren Schriftzeichen«.

Jetzt muckte der Verband Deutscher Sportjournalisten (VDS), die Interessenvertretung der Sportberichterstatter, offiziell gegen die Willkür der Fußball-Funktionäre auf. Er rief dem DFB in Erinnerung, daß die Europa- und Weltorganisation der Sportjournalisten beschlossen haben, »keine Werbeschrift oder Firmenembleme bei Sportveranstaltungen

auf der Berufskleidung« von Photographen zu dulden.

Beim Deutschen Fußball-Bund tat man erst einmal überrascht. Mit dem Wechsel von Armbinden zu Werbe-Westen habe man, so Generalsekretär Wilfried Gerhardt, nur dem Mißbrauch der »unauffälligen Kennzeichnung« etwa durch »Weitergabe an nicht akkreditierte Photographen« vorbeugen wollen. Den Schriftzug »Agfa« auf den Leibchen erklärte er mit gestiegenen Kosten.

Der wahre Grund für den Westenzwang liegt in einem Dreijahresvertrag, den der DFB im Januar 1985 mit der Bayer-Tochter Agfa abgeschlossen hatte. »Über eine sechsstellige Summe«, wie Unternehmenssprecher Rolf-Hasso Ley bestätigte.

Das Geschäft mit dem Fußballbund befördert die Firma zum »offiziellen Ausstatter« des DFB. Ob er Lehrfilme abgibt oder seine Mannschaften auf Video-Kassetten vermarktet - Agfa ist stets am Ball. Doch die Sportphotographen wollten sich nicht als Ableger des DFB behandeln lassen, die ungefragt Reklame laufen sollen. »Im Fernsehbild«, so Kosecki, »turnen wir ja ziemlich werbewirksam hinter den Toren herum.«

Eine Schnaps-, Auto- oder Elektronik-Firma als Leibchen-Aufdruck hätten viele von ihnen noch akzeptiert. Gegen die Photomarke Agfa reagierten sie heftig. Denn seit Jahren arbeiten die meisten Sportphotographen mit den Branchen-Konkurrenten Kodak, Fuji und Nikon zusammen, aber freiwillig. _(Beim DFB-Pokal-Endspiel am 25. Juni in ) _(Berlin mit sichtbarem (l.) und ) _(überklebtem (r.) Werbeschriftzug. )

So lieferte und entwickelte Fuji bei den Olympischen Spielen von Los Angeles kostenlos alle Filme oder rüstete Nikon in Sarajevo die Photographen mit Leih-Kameras und -objektiven aus. Bei Großereignissen wie Olympischen Spielen sparen diese Service-Leistungen den Bild-Journalisten einige tausend Mark. Jetzt befürchten sie, daß die vom DFB verordnete Agfa-Werbung ihre bisherigen Sponsoren zu geringerer Spendierfreudigkeit veranlassen könnte.

Beim Fußball-Bund will man bisher nicht einlenken. Auch zum Länderspiel gegen Portugal am 16. Oktober in Stuttgart werden die Reklame-Leibchen ausgegeben.

Photographen, die dann wieder zum Klebestreifen greifen wollen, gibt DFB-Rechtsberater Goetz Eilers zu bedenken, daß ein Veranstalter »eventuell auch den Innenraum ganz freihalten könnte«, in dem Photographen die »günstigste Gelegenheit finden, Geld zu verdienen«.

Als der Münchner Mathias Rogmans beim WM-Qualifikationsspiel gegen Schweden in Stockholm bat, für eine Illustrierte die deutsche Nationalmannschaft samt Koch und Masseur aufnehmen zu dürfen, widerfuhr ihm bis dahin Ungewöhnliches. Rogmans: »DFB-Pressesprecher Rainer Holzschuh lehnte meine Bitte ab.«

Zwar nennt Holzschuh jetzt als Grund angebliche Einwände von Teamchef Franz Beckenbauer. Aber der Photograph hat den Disput mit dem Funktionär anders in Erinnerung. »Holzschuh hat mir gesagt«, so Rogmans, »wenn wir ihm keinen Gefallen täten, sehe er nicht ein, warum er uns helfen solle.«

Beim DFB-Pokal-Endspiel am 25. Juni in Berlin mit sichtbarem (l.)und überklebtem (r.) Werbeschriftzug.

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