Warum der St. Gotthard zur tödlichen Falle wurde Inferno im Tunnel

Eine "Zwei" ist eigentlich eine gute Note. Ein "Gut" erhielt der Gotthard-Tunnel in einer Studie des Automobilclubs ADAC. Bemängelt wurde nur das Belüftungssystem.


Gotthard-Tunnel: Feuerinferno nach LKW-Crash
DPA

Gotthard-Tunnel: Feuerinferno nach LKW-Crash

Das versprachen die Tunnelbetreiber zu erneuern. Ansonsten galt der Gotthard als vorbildlich: Entlang der 16,3 Kilometer langen Durchfahrt sind in bestimmten Abständen viele Schutzräume eingerichtet, neben der Tunnelröhre für den Verkehr gibt es einen eigenen Sicherheitsstollen - als Fluchtweg für den Notfall. Und dennoch kam es in dieser Woche zur Katastrophe.

Nach Aussage der Polizei waren die bislang gefundenden elf Toten erstickt. Rettungskräfte vermuten noch weitere Opfer unter den Trümmern. Der Bereich im Umkreis von 150 Metern um den Unglücksort kann erst untersucht werden, sobald die Decken stabilisiert sind. Eine 50-Meter-Zone gilt als Hauptbrandherd mit zeitweise bis zu 1200 Grad Celsius Hitze. In dieser "roten Zone" ist es nur schwer möglich, Opfer zu identifizieren oder überhaupt zu erfassen, was sich dort befunden hat.

Verschäfte Rettungsbedingungen: Qualm und Hitze erschwerten die Arbeit der Feuerwehr
AP

Verschäfte Rettungsbedingungen: Qualm und Hitze erschwerten die Arbeit der Feuerwehr

Auslöser des Infernos war die Frontalkollision zweier LKW in dem einröhrigen Tunnel, Experten verlangen deshalb einmal mehr für alle zukünftigen Tunnels von mehr als einem Kilometer Länge voneinander getrennte Fahrbahnröhren. Ein nachträglicher Ausbau vorhandener längerer Tunnels mit nur einer Röhre aber ließe sich kurzfristig nicht realisieren - und bei den großen Alpentunneln auch langfristig nicht. Deshalb bleibt zur Minderung des Risikos neben verbesserter Brandvorsorge nur, den Verkehr besser zu regulieren, der sich im einröhrigen Tunnel aneinander vorbeischiebt.

Als positives Beispiel nennt der ADAC den Montblanc-Tunnel. In dem wird ein Mindestabstand von 150 Metern zwischen den Wagen vorgeschrieben, außerdem werden Lkw vor den Einfahrten kontrolliert und nur einzeln in den Verkehrsfluss geschleust. Die Gelegenheit, diese Tunnelanlage entsprechend umzurüsten, ergab sich im März 1999 - durch einen Brand, ausgelöst von einem Lkw. Das Unglück forderte 41 Menschenleben. Vermutlich vor Ende des Jahres wird der Montblanc-Tunnel wieder freigegeben.

SPIEGEL TV über den Brand im St. Gotthard und die Diskussion um die Sicherheit in deutschen und anderen europäischen Tunneln.


Brandherd: LKW-Wracks im Gotthard-Tunnel
DPA

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Die Löscharbeiten sind weitgehend abgeschlossen, jetzt beginnt die Suche nach den Opfern
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