Benzinsparen mal anders Vollgas mit Pommes-Fett

Von der Friteuse direkt unter die Motorhaube - wenn Rene Günther aus Altlandsberg in der Nähe von Berlin tankt, ist alles im grünen Bereich. Kein Benzin, kein Diesel, ihm kommt nur altes Pommes-Fett in den Tank.

Berlin - In der Luft hängt der herzhafte Geruch von fettigen Pommes und würziger Currywurst. Aber Rene Günther hält an der Frittenbude nicht etwa an, um einen saftigen Burger zu kaufen. Der Berliner Taxifahrer hat es auf etwas anderes abgesehen: das abgestandene Öl. Jede Woche kommt er zu dem Imbiss. Man wartet schon auf ihn wie auf einen alten Bekannten.

Mit einem großen, leeren Kanister in den Händen schreitet Günther hinter die Theke und füllt die braune Brühe ab. 25 Liter gibt es allein hier für ihn, und er hat noch neun andere Lieferanten, darunter Berlins größten Fleischklopsbrater aus den USA.

Während andere Autofahrer - und besonders seine Kollegen im Taxi - über Benzinpreise von 1,17 Euro pro Liter jammern, kann Günther nur lachen. Er tankt gratis und auch noch ökologisch einwandfrei, er tankt eben Frittenöl. "Wieder was für die Umwelt getan", freut er sich. Der Lohn von rund einem Euro pro Kilometer bleibt ihm voll erhalten - nichts wird durch den Auspuff verpulvert. Auf seinem Mercedes steht deshalb auch "Biotaxi-Berlin" .

Seinen nie versiegenden Rohstoff sammelt der Berliner in einem Lagerraum zu Hause. Das gebrauchte Fett muss vor dem Einsatz erst noch durch seine kleine Raffinerie. Die besteht aus einem Fass, Schläuchen, einer Pumpe und einer Zentrifuge. Marke Eigenbau.

Das Öl wird im Fass auf rund 70 Grad erhitzt, in die Zentrifuge gepumpt und bei 10.000 g geschleudert, bis der Dreck am Rand kleben bleibt und reiner "Pflanzensaft" herausläuft. Schwefelfrei, mit niedrigem Rußanteil und CO2-Neutralität - bis zu 500 Liter in einer Stunde. Dieser Biosprit kann dann direkt in den Dieseltank - Frittenbude statt Aral & Co.

Ein wenig umbauen musste Günther seine Droschke allerdings trotzdem. Er brauchte einen zweiten Tank. Denn beim Kaltstart ist nach wie vor dünnflüssiger Diesel notwendig. Erst wenn sich das Kühlwasser erhitzt und dann das Öl, schaltet der Motor automatisch auf Biotreibstoff um.

Kurz vor Feierabend fährt Günther rund zwei Kilometer vor Schluss wieder im "Normalbetrieb", die Leitungen müssen frei gespült werden. Kostenpunkt des Umbaus: 1000 Euro. Einziger Nachteil: Ein leichter Frittengeruch weht während der Fahrt um die Nase. Doch Gestank ist das nicht für Günther, den wohl umweltfreundlichsten Taxifahrer Berlins: "Ich rieche, stinken tun andere."

Seine Kollegen haben bislang nicht nachgezogen. Nur über die Preise meckern - das tun sie alle.

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