Fernsehdokumentation SPIEGEL TV gewinnt Emmy

SPIEGEL TV ist in New York mit einem der begehrtesten TV-Preise ausgezeichnet worden: Die Dokumentation "In Gottes Namen - die Rekruten des Heiligen Krieges" wurde mit einem Emmy belohnt.




Hamas-Anhänger bei ihrer Einschwörungs-Zeremonie: Schahids werden als "Prinzen im Himmel" verehrt
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Hamas-Anhänger bei ihrer Einschwörungs-Zeremonie: Schahids werden als "Prinzen im Himmel" verehrt

Mütter, die ihre Kinder opfern. Schüler, die lernen, dass alle Nichtmuslime in der Hölle schmoren werden, während sie ins Paradies einziehen und Väter, die nicht zögern, sich für Allah in die Luft zu sprengen - wie denken Menschen, die ihr Leben für ein vermeintlich höheres Ziel opfern? Mit der englischen Version der Dokumentation "In Gottes Namen - die Rekruten des Heiligen Krieges" hat SPIEGEL TV nun in New York den begehrten Emmy für die Regieleistung bei einem Dokumentarfilm erhalten. Der Film "In the Name of God: Scenes from the Extreme" ist eine deutsch-israelische Koproduktion der Regisseure Dan Setton und SPIEGEL-TV-Reporter Helmar Büchel unter Mitarbeit von SPIEGEL-TV-Autorin Kerstin Mommsen.

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In Gottes Namen: Die Rekruten des Heiligen Krieges

Die Dokumentation beschreibt die für Außenstehende meist unzugängliche Welt des extremistischen Islam. So drehte das Team von SPIEGEL TV in religiösen Mädchenschulen in Pakistan, die für Kameras bislang verschlossen waren, in Kindergärten und Klassenräumen der libanesischen Hisbollah, in den Dörfern bewaffneter Qaida-Unterstützer, bei der Vereidigung von Selbstmordattentätern der palästinensischen Hamas und beim schiitischen Märtyrerfest Aschura, bei dem Tausende Menschen ihr Blut in einer ekstatischen Zeremonie opfern.

Saliha Shamas und ihr Sohn Osama: Bin Laden als Vorbild
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Saliha Shamas und ihr Sohn Osama: Bin Laden als Vorbild

In Pakistan haben die SPIEGEL TV Reporter unter anderem den kleinen Osama und seine Familie besucht. Der Junge ist elf Monate alt, seine Mutter, Saliha Shamas, setzt große Hoffnungen in ihren Osama. Den Koran soll er lernen, ein guter Schüler werden und später zur Armee gehen. "Wenn mein Sohn geopfert werden muss, dann ist es in Ordnung. Für mich wäre es eine große Ehre", sagt die Mutter. Saliha Shamas gehört zu denen, die überzeugt sind, mit dem Tod und dem Töten im Dienste Allahs die Tiefe ihres Glaubens zu bezeugen. Und der kleine Osama? "Können Sie ihm in die Augen sehen und ihm sagen: 'Ich werde dich opfern'?" Saliha lächelt. "Ja, selbstverständlich", sagt sie.

Osama heißt auch der jüngste Sohn - das zehnte Kind - der Leiterin einer Mädchenschule im pakistanischen Peschawar. "Es dreht sich alles um das Paradies", sagt Rahima Bibi, 35. "Die Mädchen lernen hier alles über das Paradies, weil das Leben vergänglich ist. Sie lernen hier, wie sie ins Paradies kommen." In Pakistan gibt es über hundert private Koranschulen für Mädchen. Fünf- bis Sechzehnjährige lernen hier die Grundlagen des islamischen Fundamentalismus. Oftmals werden diese Schulen, so genannte Madrassahs, von radikal-islamischen Parteien wie etwa der Jamat-e-Islami finanziert. Jeder Mensch werde als Muslim geboren und erst von den Eltern zum Ungläubigen gemacht, glaubt Schulleiterin Bibi. Allah habe gesagt, er könne nicht jeden Menschen zum Muslim machen, "sonst wäre ja niemand mehr übrig, der in die Hölle kommen könnte".

Die Dokumentation wurde bereits beim renommierten Monte Carlo Television Festival mit der "Goldenen Nymphe" ausgezeichnet. Im deutschen TV war der Film, der auch für den Deutschen Fernsehpreis nominiert ist, erstmals am 14. März bei RTL zu sehen.



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