Lehrer unter Polizeischutz Gewaltexzesse an Berliner Hauptschule

Weitere Themen der Sendung: Licht aus – wenn die Sonne sich verfinstert; Fußball für Frauen, Englisch für Polizisten - Deutschland macht sich fit für die WM; Revival der Hausbesetzerszene - über die neue Mietfreiheit in Köln-Deutz; Kronzeuge des Bösen - Moussaoui und sein Terror-Geständnis




Lehrer unter Polizeischutz - Gewaltexzesse an Berliner Hauptschule

Es ist wie immer in Berlin, wenn es Ärger gibt und sich der mediale Fokus auf die Hauptstadt richtet: Es wird abgewiegelt, geblockt und zu guter Letzt sind natürlich auch immer die anderen, vorzugsweise die Medien, Schuld.

Als am Donnerstag dieser Woche ein Brief aufgebrachter Lehrer der Rütli-Hauptschule in Berlin-Neukölln im "Tagesspiegel" veröffentlicht wird, nimmt die staunende Republik gewahr, dass Teile des öffentlichen Raumes durch gewaltbereite Jugendliche besetzt sind. Lehrerinnen werden als "Huren" oder "Schlampen" beschimpft, ihre männlichen Kollegen gehen nur mit Handy in den Unterricht. Aus Angst vor Übergriffen.

Im Berliner Stadtteil Neukölln sind Gewalt und Kriminalität schon seit Jahren an der Tagesordnung. Auch SPIEGEL TV berichtete darüber schon mehrfach. Doch erst jetzt scheint die Misere einer gescheiterten Integrationspolitik wahrgenommen zu werden. Bürgermeister Wowereit (Spitzname Party-Wowi) beeilte sich auch gleich zuzusichern, dass "den einzelnen Schulen an den sozialen Brennpunkten jedwede nur mögliche Hilfestellung zu geben" sei. Und das war's?

Etwas läuft ja schon, unten an der Basis. Donnerstagabend im Jugendclub "Naunynritze". Polizeioberkommissar Ralf-Aloys Bermel vom Abschnitt 53 beim Anti-Gewalt-Training. "Man muss immer wieder mit den Jugendlichen reden. Man muss ihnen auch eine Zukunft bieten." Aber wollen sie überhaupt eine Zukunft? Ist es ihr Land, in dem sie leben?

Peter Hell und Hendrik Vöhringer berichten aus Neukölln.


Fußball für Frauen, Englisch für Polizisten - Deutschland macht sich fit für die WM

Der polizeiliche Vorbereitungsstab "Fußball WM 2006" in Berlin arbeitet seit Wochen auf Hochtouren. Neben Anti-Hooligan-Strategien, der üblichen Gefahrenanalyse und Präventionsarbeit werden die Einsatzkräfte nun auch linguistisch auf WM-Niveau gebracht. Seit Januar gibt es speziell zur WM Englisch-Crash-Kurse für Polizisten.

Mario Lemke, Polizeimeister vom Abschnitt 57 in Berlin-Friedrichshain, hat in der Schule nur Russisch gelernt. Das allerdings wird im Sommer nicht reichen. Deshalb sitzt er jetzt im schmucklosen Raum 103 der Polizeidienststelle Spandau und paukt "polizeibezogenes WM-Vokabular". Was heißt Kleinkriminalität ("small time crime"), Zivilfahrzeug ("unmarked car") und Zeuge ("witness") auf Englisch? Und wie erklärt man einem betrunkenen schwedischen Fan den Weg zum Stadion?

Ganze Berliner Polizeieinheiten lernen - genau wie die Taxi- und Busfahrer der Hauptstadt - seit Beginn des Jahres Englisch, um sprachlich gewappnet zu sein für die bevorstehende Konfrontation mit den ausländischen WM-Fans. Für viele von ihnen ist es der erste, intensivere Kontakt mit einer Fremdsprache. "Es kommt nicht darauf an, dass die Beamten grammatikalisch korrekt sprechen", sagt die ehemalige Schutzpolizistin und Polizeischullehrerin Claudia Ernst, "sondern darauf, dass man sie versteht."

Auch an der Volkshochschule Nürnberg wird weitergebildet. An diesem Wochenende sind es Frauen, die sich zum Thema "Abseits, Blutgrätsche und Bananenflanke" theoretisches Rüstzeug für den Ernstfall im Stadion holen.

Steffen Haug und Manka Heise haben die Kurse besucht.


Licht aus - Wenn die Sonne sich verfinstert

Mit lauten "Gott ist groß"-Rufen begrüßten Muslime in Nigeria den Beginn der totalen Sonnenfinsternis. Viele Nigerianer deuteten die vierminütige Sonnenfinsternis als ein "Zeichen Gottes", manche flüchteten aus Angst in ihre Häuser.

Ganz anders im ägyptischen As Sallum. In der Grenzstadt nahe Libyen versammelten sich am Donnerstag 5000 Sonnenfreaks auf einem Hochplateau.

"Wahnsinn, einfach nur Wahnsinn." Der astronomische Leiter der deutschen Reisegruppe Mattias Wirth ist hellauf begeistert, als sich der Mond vor die Sonne schiebt. Gemeinsam mit 120 anderen Deutschen bestaunt er das Schattenspiel. Man ist bestens ausgerüstet. Bewaffnet mit Teleskopen, Fotoapparaten und Kameras mir Spezialfiltern wird der erhabene Moment dokumentiert. SPIEGEL-TV-Reporter Alexander Czogalla und Kirsten Hoehne haben auch in den Himmel geguckt.


Revival der Hausbesetzerszene - über die neue Mietfreiheit in Köln-Deutz

Strom gibt es nur vom Generator. Wasser muss vom Hydranten geholt werden. Das Leben im besetzten Haus ist alles andere als bequem. Und doch sollen es inzwischen bis zu hundert Leute sein, die sich seit Anfang März in den verschiedenen Häusern des Barmer Viertels in Köln breit gemacht haben. Dass diese Altbauten abgerissen werden - nein, das wollen sie auf jeden Fall verhindern.

"Komm' mal mit, ich zeig' dir meine Wohnung", sagt ein Punk, der sich Alf nennt. Zwei Zimmer, Küche, Diele, Bad hat er sich gesichert. Schlafsack und Matratze, mehr hat er noch nicht. Auch keinen Strom. "Abends nehm' ich eine Kerze", erzählt der 29-Jährige und zeigt dennoch zufrieden über den Innenhof. "Überall, wo Graffiti dran sind, wohnt jemand", erklärt er.

Bis vor kurzem standen diese Häuser noch unter Denkmalschutz. Dann hat die Stadt das Grundstück gekauft, das genau zwischen der Messe und dem Deutzer Bahnhof liegt. Jetzt wird nach Investoren gesucht, die hier Büroräume hinbauen sollen. Nicht nur die Hausbesetzer fürchten, dass sich die Stadt völlig verkalkuliert und am Ende nur ein einziger großer Parkplatz übrig bleibt. Ein Bericht von Felix Kasten.


Kronzeuge des Bösen - Moussaoui und sein Terror-Geständnis

Im US-Prozess gegen den im Zusammenhang mit den Anschlägen vom 11. September 2001 angeklagten Franzosen Zacarias Moussaoui haben am Mittwoch die Schlussplädoyers begonnen. Danach können die Geschworenen beginnen, über das Strafmaß zu beraten.

Die Staatsanwaltschaft warf dem bekennenden al-Qaida-Mitglied in ihrem Plädoyer vor dem Gericht in Alexandria bei Washington vor, durch Lüge gemordet zu haben. Er habe "mit mörderischer Absicht" sein Wissen zu den Planungen der Anschläge vom 11. September 2001 geheim gehalten, sagte Staatsanwalt David Raskin. Moussaoui sei in die USA gekommen, um "so viele Amerikaner wie möglich zu töten".

Zuvor hatte sich die Reihe der Überraschungen in dem Prozess fortgesetzt, als die Anklage enthüllte, dass Moussaoui vor seinem Prozess ein Schuldbekenntnis angeboten habe. Damit habe er bessere Haftbedingungen vor seiner erwarteten Hinrichtung erreichen wollen. Am Montag hatte Moussaoui zugegeben, dass er von den Plänen für die Anschläge wusste und am selben Tag selbst ein Flugzeug ins Weiße Haus steuern wollte.

Über das Leben eines Terroristen - Karin Assmann berichtet.

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