Ein Tag schreibt Geschichte 30. April 1945

Aufbauend auf dem erfolgreichen Format der Vierstundendokumentationen hat SPIEGEL TV zusammen mit der dctp von Alexander Kluge für den Fernsehsender VOX ein Konzept für eine zwölf Stunden dauernde Dokumentation entwickelt. Die Sendung "Ein Tag schreibt Geschichte - 30. April 1945" läuft am 30. April von 12 Uhr mittags bis 0.00 Uhr Mitternacht.
Circa 1940: Adolf Hitler mit Eva Braun

Circa 1940: Adolf Hitler mit Eva Braun

Foto: Keystone/ Getty Images

Mit einem neuen Sendekonzept sollen die Ereignisse dieses Tages von einer neuen Seite beleuchtet und neue Maßstäbe im Bereich Dokumentationen gesetzt werden: Jeweils zu den vollen Stunden wird eine Rekonstruktion der wichtigsten Ereignisse gezeigt, die sich zu dieser Uhrzeit am 30. April 1945 ereignet haben. Anschließend werden diese dann in aufwendig recherchierten Dokumentationen mit Interviews von Zeitzeugen und Experten in den Gesamtzusammenhang eingeordnet.

SPIEGEL-TV-Autor Michael Kloft hat für dieses Dokumentation weltweit recherchiert und dabei in internationalen Archiven, wie den "National Archives" in Washington, dem "Archiv der Russischen Föderation" in Moskau, dem "Imperial War Museum" in London und dem Berliner Bundesarchiv, bisher unveröffentlichte Dokumente entdeckt, die neue Details der dramatischen Ereignisse des 30. April 1945 enthalten und wertvolles Hintergrundinformationen zur politischen und gesamtgesellschaftlichen Situation liefern.

Bei seinen Recherchen hat das Redaktionsteam um Kloft unter anderem das Verhör von Hitlers persönlicher Sekretärin Traudl Junge aus dem Jahr 1946 entdeckt, das fast 65 Jahre in den Akten des Nationalarchivs in Washington lagerte. Außerdem gelang es ihm mit einer Sondergenehmigung im Nationalarchiv der USA die Originale von Hitlers privatem und politischem Testament sowie die Heiratsurkunde zu filmen. In der Dokumentation werden darüber hinaus auch bisher unveröffentlichte Bilder von den Bauarbeiten auf dem sogenannten "Reichsparteitagsgelände" gezeigt. Aufschlussreiche Informationen über den 30. April liefern auch die Tonbänder der Vernehmung von Hitlers Adjutanten Otto Günsche und seines Kammerdieners Heinz Linge durch die Staatsanwaltschaft München im Jahr 1956 im Rahmen des "Todeserklärungs-Verfahrens Adolf Hitler", die bisher nur in kurzen Auszügen veröffentlicht wurden.

Als Zeitzeugen kommen unter anderem Herman Rothman zu Wort, der eines von insgesamt drei Originalausführungen von Hitlers Testament gefunden hat, sowie Rochus Misch, der Hitler fünf Jahre lang als Mitglied des "Führerbegleitkommandos" diente und der letzte noch lebende Zuge der Ereignisse um den Selbstmord Hitlers und seiner Ehefrau Eva Braun ist. Darüber hinaus wird im Rahmen des Zwölfstünders das letzte Interview mit Drehbuchautor Bernd Eichinger über seinen Film "Der Untergang" gezeigt.

Moderiert wird der Tag von Maria Gresz, dem Gesicht des SPIEGEL TV Magazins auf RTL, die Schauspieler Fritzi Haberlandt und Clemens Schick lesen Original-Texte. Hitler-Biograf Sir Ian Kershaw und der Historiker Sönke Neitzel analysieren Hintergründe und Zusammenhänge.

Klofts Fazit zu den acht Monate lang dauernden Arbeiten an der Dokumentation: "Es war besonders überraschend, wie nah man dank dieser einzigartigen Quellen tatsächlich an die Ereignisse im Bunker herankommt - als sei es gestern gewesen."

Das Programm am 30.04.2011:

12.00 Uhr

Stundenprotokoll:

Der Krieg ist für Deutschland fast vorbei. Überall herrscht Chaos. Fast das ganze Land ist bereits besetzt, die Briten marschieren auf Hamburg. Berlin ist von der Roten Armee eingekesselt. Der Sturm auf den Reichstag gerät aufgrund des Widerstands zwar zunächst ins Stocken, doch gegen Mittag belagern sowjetische Soldaten die Krolloper. Hunderttausende sind auf der Flucht gen Westen. Abertausende Soldaten und Zivilisten lassen in diesen letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs in Europa noch ihr Leben. In seinem Bunker macht Adolf Hitler an diesem Nachmittag seinem Leben ein Ende. Er hinterlässt ein Reich in Trümmern.

Die Wetterstation in Potsdam arbeitet noch. Sie meldet an diesem Tag 11,5° C Tageshöchsttemperatur. Im nördlichen Teil des Reiches ist es regnerisch, im Süden scheint die Sonne. Nur vereinzelt werden noch Bombenflugzeuge der Alliierten am Himmel gesichtet. Überall im Land entlassen Kampfkommandanten ihre Truppen und retten ihre Männer so vor einem sinnlosen "Endkampf", den ihr "Führer" von ihnen verlangt.

In Plön befindet sich Großadmiral Karl Dönitz mit seinem Stab. Ihm obliegt die Verteidigung des "Nordraums", eine der letzten deutschen Regionen, die noch in Hand der Nazis ist. In Moskau ist die "Gruppe Ulbricht" an diesem Morgen gen Berlin abgereist und erreicht gegen 12 Uhr mittags den kleinen Ort Schwerin (Skwierzyna) in Polen.

Im Anschluss die Dokumentation:

"Deutschland am 30. April 1945"

Die amerikanischen Streitkräfte stehen an jenem 30. April 1945 vor München, weitere US-Divisionen haben die Lutherstadt Wittenberg erreicht. Mit dabei sind Kameraleute des US-Signal Corps. Sie dokumentierten die Ereignisse an diesem Tag auf 35-mm-Zelluloid: Befreiung und Zusammenbruch, Tod und Verzweiflung, Jubel und Erleichterung.

13.00 Uhr

Stundenprotokoll:

In Greifswald macht der neue sowjetische Kommandant den Bürgern die Kapitulation ihrer Stadt bekannt. Während eine Urkunde fehlt, reicht ein örtlicher Getränke-Händler inmitten des Chaos jedoch ordnungsgemäß die Rechnung für die Bewirtung beim Empfang im Rathaus ein. Die Ostarbeiterin Antonina Romanowa erinnert sich an ihre Befreiung. Im Führerbunker isst Hitler gegen 13 Uhr mit seinen Sekretärinnen zu Mittag. Seine Ehefrau Eva geht ein letztes Mal mit Gerda Christian im Garten der Reichskanzlei spazieren. Derweil drehen amerikanische Kameramänner eindrucksvolle Farbaufnahmen beim Vormarsch in Südbayern und im besetzten Nürnberg, der Stadt der virtuos inszenierten Massenspektakel der Reichsparteitage

Im Anschluss die Dokumentation:

"Brutalität in Stein - Das Parteitagsgelände von Nürnberg"

Auf dem Zeppelinfeld in Nürnberg erinnert die Ruine von Hitlers Tribüne an die bombastischen Aufmärsche, die hier während der nationalsozialistischen Reichsparteitage inszeniert wurden. Es ist eines der wenigen Relikte der Ära von Hitlers Lieblingsarchitekt Albert Speer. "Selbst die Pyramiden", so prophezeite Hitler seinem Protegé, werden "zurücktreten gegenüber den Betonmassen und Steinkolossen, die ich da errichte. Ich baue für die Ewigkeit", betonte er, "denn wir sind das letzte Deutschland."

Es gibt Indizien dafür, dass Hitler sich bereits 1929 entschieden hat, Nürnberg zur "Stadt der Reichsparteitage" zu machen. Es war in den Zwanziger Jahren die antisemitischste Stadt in Europa. Hinzu kam, dass Nürnberg als Symbol der Größe des deutschen Kaiserreichs im Mittelalter galt, und es war ein traditioneller Austragungsort für politische Versammlungen. All das versuchten die Nationalsozialisten propagandagerecht für sich zu vereinnahmen als sie an der Macht waren.

Im Laufe eines Parteitages von acht Tagen kamen zwischen einer Millionen und anderthalb Millionen Menschen nach Nürnberg. Die Reichsparteitage waren für die Nazis unverzichtbar, weil sie ein Mal im Jahr der Ort der Selbstinszenierung des Regimes gewesen sind - mit einem gigantischen Propagandaapparat, mit Broschüren und Büchern, mit Radioaufnahmen und Filmen. Höhepunkt war zweifelsohne "Triumph des Willens" von Leni Riefenstahl.

Noch heute ist in Nürnberg zu sehen, welche Ausmaße die Anlage haben sollte. Der einzelne Mensch war in diesen Arealen ein Nichts, ein winziges Ornament. Diese Staats- und Parteitagsarchitektur sollte nach Meinung von Experten auch ein Symbol dafür sein, dass Hitler die Weltherrschaft erringen wollte.

Für diese Dokumentation wurden seltene Filmaufnahmen von den Bauarbeiten genutzt. Ein bislang unbekannter Amateurfilm zeigt das Gelände 1936 sogar in Farbe. Zeitzeugen berichten über die Atmosphäre während der Parteitage, von fanatischem Antisemitismus und beispiellosem Führerkult.

14.00 Uhr

Stundenprotokoll:

Die Lage im von Deutschland besetzten Holland spitzt sich derweil dramatisch zu. Das Land steht vor einer Hungerkatastrophe. In einer Achtervelder Schule treffen sich Hitlers Statthalter und alliierte Unterhändler. Arthur Seyß-Inquart weigert sich, die Kapitulation der deutschen Streitmächte in den westlichen Niederlanden zuzusagen. Das Segelschiff "Gorch Fock" wird versenkt. In den weit verzweigten Bunkeranlagen des Obersalzbergs bei Berchtesgaden warten Hitlers Getreue, ob der Diktator doch den Weg in die so genannte "Alpenfestung" findet.

Im Anschluss die Dokumentation:

"Hitlers Berg - Die Machtzentrale in den Alpen"

Über 1000 Tage, fast jeden vierten Tag seiner Herrschaft über Deutschland, verbrachte Adolf Hitler auf dem Obersalzberg, seinem Urlaubsdomizil bei Berchtesgaden. In dem von massiven Sicherheitskräften abgeschotteten Sperrbezirk unweit der Grenze zu Österreich hielt sich der "Führer" nicht allein zur Erholung auf, hier empfing er die Mächtigen des Dritten Reiches und Europas. Inmitten der malerischen Bergwelt entschied er über Krieg und Vernichtung. Ende April 1945 legten Bomberflugzeuge der Royal Airforce die Anlage binnen weniger Minuten in Schutt und Asche. Auch wenn nach Kriegsende die meisten Ruinen gesprengt wurden, sind nicht alle Relikte der Diktatur verschwunden. Aus Angst vor Luftangriffen der alliierten Feinde waren während des Krieges systematisch unterirdische Bunkerbauten errichtet worden, die aufwendigen Arbeiten hat man erst bei Kriegsende eingestellt. Heute ist ein Großteil der weit verzweigten Stollen von Amts wegen verschlossen und für die Öffentlichkeit gesperrt.

SPIEGEL TV hat vom bayerischen Staat eine Sondergenehmigung erhalten, die verlassenen Betontunnel zu erforschen. Zusammen mit dem Berchtesgadener Historiker Florian Beierl geht er in dieser Dokumentation auf Spurensuche nach der Geschichte von Hitlers Berg und seinem Ende 1945.

14.30 Uhr

Stundenprotokoll:

Im Berliner Führerbunker verabschiedet sich Hitler von seinen engsten Mitarbeitern. Dann folgt eine Unterredung mit Goebbels, der den Diktator bittet, Berlin doch noch zu verlassen. Eva Hitler schenkt ihren Pelzmantel der Sekretärin Traudl Junge.

Im Anschluss die Dokumentation:

"Eva Braun - die Geliebte des Diktators"

Eva Braun wurde erst nach ihrem Tod in Deutschland zur öffentlichen Person. Gemeinsam mit Adolf Hitler nahm sie sich am 30. April 1945 im Bunker unter der Berliner Reichskanzlei das Leben. Zuvor hatte der Diktator seine langjährige Geliebte noch geheiratet. Verborgen vor der Volksgemeinschaft verbrachte sie die meiste Zeit in München oder auf Hitlers Berghof in den Alpen. Eine "Enttäuschung der Geschichte" sei Eva Braun gewesen, hatte Hitlers Architekt Albert Speer nach Kriegsende behauptet. Die wissenschaftliche Biografie von Heike Görtemaker will das Image vom blonden und unpolitischen Dummchen an der Seite des Diktators revidieren. Hinter der aufgesetzten Fröhlichkeit Brauns, meint die Historikerin, habe sie eine Frau gefunden, die sehr bestimmt gewesen sei und mit unglaublicher Härte versucht habe, ihre Ziele zu erreichen - bis zur letzten Konsequenz, bis zum Tod.

SPIEGEL-TV-Autor Michael Kloft hat für diese Reportage Heike Görtemaker ausführlich befragt sowie die umfangreichen Privatfilme und zahlreichen Fotoalben der Eva Braun ausgewertet.

15.00 Uhr

Stundenprotokoll:

Südtirol, Niederdorf: Ein Wehrmachtsstoßtrupp befreit prominente Sonderhäftlinge Adolf Hitlers, darunter auch "Sippenhäftlinge" der Angehörigen der Beteiligten des Hitler-Attentats, aus den Händen ihrer SS-Bewacher. In Lübeck trifft sich Großadmiral Dönitz mit SS-Chef Heinrich Himmler.

Im Anschluss die Dokumentation:

"Hitlers Testament - Eine Analyse"

In der Nacht vom 28. auf den 29. April 1945 diktiert Hitler seiner Sekretärin Traudl Junge sein politisches und sein privates Testament. Es sind Dokumente der Verblendung und des Fanatismus, denn der Diktator macht die Juden verantwortlicht für die Katastrophe. Die Deutschen seien zu schwach gewesen für seinen großen Plan zur Veränderung der Welt. Danach heiratet er seine langjährige Geliebte Eva Braun. SPIEGEL TV gelang es, mit einer Sondergenehmigung im Nationalarchiv der USA die Originale der Testament sowie die Heiratsurkunde zu filmen. Zeitzeugen erinnern sich an diese Nacht.

15.30 Uhr

Stundenprotokoll:

In Schlesien sorgt sich die 57-jährige Margarethe Hummel vor allem um ihre Angehörigen in Berlin. Den Ort hat die Rote Armee bereits eingenommen. Im Führerbunker nehmen sich Adolf und Eva Hitler das Leben.

Im Anschluss die Dokumentation:

"Hitlers Selbstmord - Eine Rekonstruktion"

Bei seine Recherchen hat das Redaktionsteam um Michael Kloft unter anderem das Verhör von Hitlers persönlicher Sekretärin Traudl Junge aus dem Jahr 1946 entdeckt, das fast 65 Jahre in den Akten des Nationalarchivs in Washington lagerte. Aufschlussreiche Informationen über den 30. April liefern auch die Tonbänder der Vernehmung von Hitlers Adjutanten Otto Günsche und seines Kammerdieners Heinz Linge durch die Staatsanwaltschaft München im Jahr 1956 im Rahmen des "Todeserklärungs-Verfahrens Adolf Hitler", die bisher nur in kurzen Auszügen veröffentlicht wurden. Als Zeitzeuge kommt Rochus Misch zu Wort, der Hitler fünf Jahre lang als Mitglied des "Führerbegleitkommandos" diente und der letzte noch lebende Zeuge der Ereignisse um den Selbstmord Hitlers und seiner Ehefrau Eva Braun ist.

16.00 Uhr

Stundenprotokoll:

In München entschließen sich die letzten Verteidiger zur Kapitulation. Die Alliierten stoppen bei Starnberg einen Eisenbahnzug, der am 25. April mit 3000 Häftlingen gestartet war und entdecken zahlreiche Leichen der Opfer von Hitlers Herrschaft. Im Garten der Reichskanzlei brennen die Überreste von Hitler und seiner Gattin.

Im Anschluss die Dokumentation:

"Wo ist Hitler? - Heiße Spuren im Kalten Krieg"

Anfang Juni 1945, vier Wochen nach Kriegsende, glauben einer Umfrage zufolge zwei Drittel aller Amerikaner, dass Adolf Hitler noch lebt. Auf der Potsdamer Konferenz können die sowjetischen Eroberer keine Angaben über das Schicksal des Führers machen. Man wisse es nicht, lässt Stalin seinen Alliierten ausrichten. Gerüchte über den Verbleib des Diktators verbreiten sich wie ein Lauffeuer um die Welt. Mit einem deutschen U-Boot soll er nach Argentinien geflohen sein, eine geheime Nazi-Basis existiere am Südpol. Das FBI geht allen Hinweisen nach, der britische Geheimdienst fahndet in ganz Deutschland nach Überlebenden aus dem Führerbunker und den Testamenten des Diktators. Mit seltenen Archivaufnahmen und originalen Dokumenten rekonstruiert der Film die abenteuerliche Suche nach Hitler und seinem letzten Willen. Als Zeitzeuge kommt unter anderem Herman Rothman zu Wort, der Ende 1945 eine von insgesamt drei Originalausführungen von Hitlers Testament identifiziert hat.

17.00 Uhr

Stundenprotokoll:

In Dänemark verlässt Gauleiter Erich Koch das Flugzeug, mit dem er aus Ostpreußen geflohen ist und taucht in dem immer noch von der Wehrmacht besetzten Land unter. Hitlers Sekretär Martin Bormann verliest im Berliner Führerbunker Hitlers politisches Testament. Joseph Goebbels ist ab sofort Reichskanzler.

Im Anschluss die Dokumentation:

"Joseph Goebbels - Verführer im Dienste Hitlers"

Joseph Goebbels (1897 - 1945) hat das Bild des Dritten Reichs maßgeblich geprägt. Die hemmungslose und zynische Propaganda, die unter seiner Aufsicht verbreitet wurde, trug zum Erfolg Hitlers bei und half, den Mythos vom "Führer" in den Köpfen der Deutschen zu verankern. Als fanatischer Gefolgsmann des Diktators unterstützte er dessen verbrecherische Politik bedingungslos bis zum Untergang. Konsequent in seiner Radikalität nimmt Josef Goebbels am Ende seine Familie mit in den Tod.

Eine "narzisstische Persönlichkeit" sei Goebbels gewesen, im Privaten wie im Politischen fixiert auf sein Idol, schreibt der Historiker Peter Longerich in seiner Biografie von Hitlers Propagandachef. Basierend auf Longerichs wissenschaftlichen Erkenntnissen erzählt SPIEGEL TV den Lebensweg von Hitlers skrupellosem Verführer der Massen. Mit seltenen Filmaufnahmen und Fotos dokumentiert er die Stationen vom gescheiterten Schriftsteller zum umjubelten Redner und Propagandisten, der die neuesten Erkenntnissen auf dem Gebiet der Werbung und des Marketings benutzte, um die menschenverachtende Ideologie des "Führers" populär zu machen. Ebenso beleuchtet wird das Privatleben des Ministers, der zahllose Affären gehabt haben soll und aus Liebe zu einer Schauspielerin Ehe und Karriere auf Spiel setzte.

18.00 Uhr

Stundenprotokoll:

Die US-Streitkräfte stehen vor der Lutherstadt Wittenberg an der Elbe. Der Schriftsteller Erich Kästner wartet in Mayrhofen auf das Kriegsende. Der Gauleiter von Tirol und Vorarlberg hält eine Ansprache. Er weist darauf hin, dass der Feind am Gardasee, an der Veroneser Klause und vor Mittenwald steht. Er bittet die Tiroler Standschützen, die Hitlerjugend und die Wehrmachtsangehörigen in dieser Krise auszuhalten. Es gehe um eine bessere Zukunft und ein besseres Europa. Im ungesegneten Teil des Mailänder Friedhofs werden die Leichen von Benito Mussolini und seiner Geliebten Clara Petacci in einem anonymen Grab beigesetzt. Großadmiral Dönitz erhält in Plön ein Telegramm aus der Reichskanzlei, das ihn über Hitlers testamentarische Nachfolgeregelung in Kenntnis setzt. Im Berliner Bendlerblock laufen die Vorbereitungen für den geplanten Ausbruch durch die Linien der Roten Armee.

Im Anschluss die Dokumentation:

"Entscheidung zum Krieg - Der Sommer 1939"

Europa im Sommer 1939. An der Spitze der mächtigsten Militärmacht des Kontinents steht ein Diktator, von dem der damalige Außenamts-Staatssekretär Ernst von Weizsäcker sagt, er sei "kein Mann der Logik oder der Räson". Als Veteran des Ersten Weltkriegs hat Hitler die Niederlage von 1918 nie verwunden. Politik ist für den ihn die "Führung und der Ablauf des geschichtlichen Lebenskampfes der Völker". Ohne Krieg herrsche Stillstand, und Stillstand sei gleichbedeutend mit Untergang. Hitler sagt: "Es lebe der Krieg - selbst wenn er zwei bis bis acht Jahre dauert."

Am 1. September 1939 fällt die Wehrmacht im Morgengrauen ins Nachbarland Polen ein. SS-Männer in polnischer Uniform haben zuvor Grenzzwischenfälle inszeniert, und die Leichen ermordeter KZ-Häftlinge werden der Weltöffentlichkeit als Opfer polnischer Aggression präsentiert. Vormittags um kurz nach zehn verkündet ein sich empört gebender Führer mit heiserer Stimme im Reichstag: "Seit 5.45 Uhr wird jetzt zurück geschossen." Nicht einmal die Uhrzeit stimmt - der deutsche Überfall erfolgte eine Stunde früher. Zwei Tage danach ist aus dem deutschen Angriff ein Weltkrieg geworden. Das von Hitler entfesselte Inferno bringt eine in der Geschichte der Menschheit nie gesehene Eskalation der Gewalt mit sich. Rund sechzig Millionen Tote sind danach zu beklagen, darunter über die Hälfte Frauen, Kinder und Alte. Der Hitler-Biograf Sir Ian Kershaw erzählt in dieser Dokumentation wie es zum Beginn des Zweiten Weltkriegs kam, seltenes Archivmaterial dokumentiert die Abläufe auch aus der Sicht des einfachen Soldaten und der Bevölkerung.

19.00 Uhr

Stundenprotokoll:

Im Nordatlantik empfangen deutsche U-Boote Funksprüche aus Großbritannien, die sie zur Kapitulation und zum Wiederaufbau eines neuen Deutschland aufrufen. An Bord des ehemaligen Kreuzfahrtschiffes "Cap Arcona" befinden sich rund 4600 Häftlinge, vor allem aus den Konzentrationslagern Neuengamme und Fürstengrube. In San Francisco findet seit dem 25. April eine internationale Konferenz statt, auf der die Charta der Vereinten Nationen ausgearbeitet wird. 1200 Delegierte aus 46 Nationen tagen in der städtischen Oper.

Im Anschluss die Dokumentation:

"Filmstar Hitler - Der Diktator und die Traumfabrik"

Ob durch Dokumentationen, Spielfilme oder als gezeichnete Witzfigur - der finstere Mythos Adolf Hitler wird nicht erst seit kurzem medial entzaubert. Adolf Hitlers große Leidenschaft waren die Diven Greta Garbo und Zarah Leander. Er selbst wurde 1940 in Charlie Chaplins Kinoerfolg "Der große Diktator" erstmals Gegenstand einer fiktiven Filmerzählung. Seitdem hat es ernste, aber auch satirisch komische Spielfilme mit dem Führer als Hauptdarsteller gegeben. Auch in Deutschland ist die Figur Adolf Hitler in Film und Fernsehen angekommen. In einem Zeichentrickfilm von Walter Moers sitz er als singendes Comic-Männchen im "Bonker".

SPIEGEL TV macht in seiner 12-stündigen Dokumentation über den letzten Tag Adolf Hitlers am 30. April 1945 einen Ausflug in die Traumfabrik. Neben den Regisseuren Dani Levy ("Mein Führer- Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler") und Heinrich Breloer ("Speer und Er"), sowie dem Schauspieler Martin Wuttke ("Inglorious Basterds"), kommt auch der Anfang des Jahres verstorbene Produzent Bernd Eichinger zu Wort. In einem seiner letzten Interviews spricht er über den Megaerfolg "Der Untergang" und wie er sich der Figur Adolf Hitler genähert hat.

20.00 Uhr

Stundenprotokoll:

Die Lage an den Fronten. Im Wiener Burgtheater wird das Stück "Sappho" von Franz Grillparzer aufgeführt. Auch der sowjetische Marschall Fjodor Iwanowitsch Tolbuchin erscheint zur Premiere - wenn auch verspätet. In München quartiert sich die US-Kriegsberichterstatterin Lee Miller in Hitlers Privatwohnung ein und lässt sich in der Badewanne des Führers fotografieren. Die Mitglieder der "Gruppe Ulbricht" erreichen ihr Ziel in der Nähe von Berlin.

Im Anschluss die Dokumentation:

"Hitlers Tod" - Teil 1: Der Bunker

Die letzten zehn Tage Adolf Hitlers in seinem Bunker tief unter der Berliner Reichskanzlei wurden vielfach in Büchern und Erinnerungsberichten beschrieben. War Hitler zu diesem Zeitpunkt ein physisches und psychisches Wrack, das auf nicht mehr vorhandene Truppen wartete, oder handelte es sich um den kühl geplanten letzen Akt eines gescheiterten Fanatikers? Hat Hitler sich erschossen, wie es die preußische Soldatenehre erforderte, oder erhielt er von seinem treu ergebenen Diener den Fangschuss, nachdem er eine Giftkapsel zerbissen hatte? Hat Magda Goebbels ihre sechs Kinder selbst umgebracht, oder hat ein Arzt die schreckliche Tat in ihrem Auftrag vollbracht?

SPIEGEL-TV-Autor Michael Kloft rekonstruiert für seine vierstündige Dokumentation die dramatischen Ereignisse mit teilweise unveröffentlichten Filmaufnahmen, Fotos und Dokumenten. Der herausragende Fund ist sicherlich das bislang unbekannte Verhör von Hitlers Sekretärin Traudel Junge durch US-Ermittler aus dem Jahr 1946. Es handelt sich die früheste erhaltene Aufzeichnung ihrer Erinnerungen an das Ende in Berlin. Hitlers Biograf Sir Ian Kershaw hat den Fund als "faszinierend" bezeichnet und bedauert, dass ihm der Text beim Schreiben seines Bestsellers nicht zur Verfügung stand. Eine Entdeckung sind ebenso die Tonbänder aus dem "Todeserklärungsverfahren Hitler, Adolf", die jahrzehntelang unbenutzt im Staatsarchiv in München lagen. Darin erzählen Hitlers Adjutant Otto Günsche und der Leibdiener Heinz Linge, wie sie nach dem Selbstmord des Ehepaars Hitler in den Wohnraum der beiden traten und die Leichen anschließend verbrannten.

Zudem gelang es, auch die Originaldokumente einzusehen und zu filmen: allen voran Hitlers Testamente und seine Heiratsurkunde, die im amerikanischen Nationalarchiv aufbewahrt werden. Zudem konnten Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft Münster eingesehen und benutzt werden, die bislang der Öffentlichkeit nur zum Teil bekannt waren. Darin wird der Mord an den sechs Kindern von Magda und Joseph Goebbels bis ins Detail rekonstruiert. Zahlreiche Gespräche mit inzwischen verstorbenen Zeugen der Ereignisse bereichern die Produktion. Zu Wort kommt auch der letzte noch lebende Zeitzeuge, Hitlers Telefonist Rochus Misch, sowie Herman Rothman, der im Dezember 1945 bei der Übersetzung von Hitlers Testamenten ins Englische half.

21.00 Uhr

Stundenprotokoll:

Hans Erich Voss, ständiger Vertreter des Oberbefehlshabers der Kriegsmarine im Führerhauptquartier, trifft im Führerbunker auf das Ehepaar Goebbels. In seinem Gefechtsstand in Berlin sitzt Wassili Tschuikow mit seinem Stab beim Abendessen, als er am Telefon verlangt wird. Am Apparat ist General Glasunow, einer seiner Armeeführer. An der Front sei ein Oberstleutnant der Wehrmacht mit einer weißen Fahne erschienen. Bei Berchtesgaden gelingt es Generalstabschef der Luftwaffe Karl Koller, Offiziere aus der Umgebung Görings, die von der SS festgehalten werden und zur "Frontbewährung" vorgesehen sind, zu befreien.

Im Anschluss die Dokumentation:

"Hitlers Tod" - Teil 2: Das Testament

22.00 Uhr

Stundenprotokoll:

Der Berliner Reichstag wird erobert. In Los Alamos arbeitet Robert Oppenheimer am "Manhattan Projekt", der amerikanischen Atombombe.

Im Anschluss die Dokumentation:

"Hitlers Tod" - Teil 3: Der Selbstmord

23.00 Uhr

Stundenprotokoll:

SS-Chef Heinrich Himmler kommt in Begleitung von sechs bewaffneten Offizieren zu Großadmiral Dönitz nach Plön, auf dessen Schreibtisch - unter Papieren verborgen - eine entsicherte Pistole liegt. Dönitz weiß immer noch nichts von Hitlers Tod.

Die zwanzig Jahre alte Danzigerin Judith Bungeroth ist nach Neukloster in die Nähe von Wismar geflohen. Sie schreibt in ihr Tagebuch: "Montag 30.4.45. Gestern und heute zwei wüste Tage! Zivile Flüchtlinge sowie Soldaten und Reichsarbeitsdienst kommen in Massen durchgezogen. Wir beraten und packen wieder mal Rucksäcke - verrückt - , aber wir wollen versuchen, zu Fuß nach Lübeck zu kommen! Die Nacht ist verdächtig ruhig. 4/5 des Reiches in 'Feindeshand'. Millionen Gefangene. Mussolini hingerichtet. KZ-Dachau befreit. München kampflos übergeben. Der Ami vor Schwerin. Wenn doch hier der Tommy käme. Dieses Warten auf das Unvermeidliche ist schrecklich!"

Im Anschluss die Dokumentation:

"Hitlers Tod" - Teil 4: Die Kapitulation

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