Vierzig Jahre real existierender Sozialismus Die letzte Party der DDR

Unberührt von Fluchtwellen und Demonstrationen im ganzen Land feiert die DDR-Parteispitze am 7. Oktober 1989 den 40. Gründungstag der DDR. In mehrerern Städten kommt es zu gewaltsamen Ausschreitungen der Sicherheitskräfte gegen Demonstranten, über 1000 Menschen werden verhaftet.

"Ich glaubte fast bis zum Schluss, dass alles richtig war. Als ich Zweifel bekam, war ich zu feige, um damit aufzutreten". Harry Tisch, einst Mitglied des Politbüros und Vorsitzender des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes der DDR, feierte den 40. Geburtstag des SED-Staates nach eigenen Angaben mit gemischten Gefühlen. Er war nicht der Einzige.

In der SPIEGEL TV Reportage berichten erstmals seit der Wende vier Mitglieder des Politbüros sowie Rudi Mittig, damals Stellvertretender Minister für Staatssicherheit, und Gerald Götting, ehemaliger Vorsitzender der Block-CDU, über die Diskussionen und Ereignisse hinter den Kulissen des 40. Jahrestages.

SPIEGEL-TV-Autoren Katrin Klocke und Gunther Latsch zeichnen das Bild einer Führung, in der die Angst, aus dem Kollektiv auszuscheren, größer war als die Angst, eine Führung ohne Volk zu sein. Man demonstrierte Geschlossenheit, Reformen waren trotz Massenflucht und Wirtschaftschaos kein Thema. Wer Zweifel hatte, behielt sie für sich. Staatsakt und Fackelzug, Militärparade und Zapfenstreich sollten noch einmal jene Utopie beschwören, die längst brüchig geworden war.

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