Der Ärger mit dem leisen Lärm Das Recht auf Stille

Für den einen sind es wohltuende Klänge, für den anderen ist es schlicht Lärmbelästigung: Ob zu leise oder zu laut, erträglich oder Nerv tötend - immmer häufiger streiten sich Menschen in puncto Immissionsschutz.

Sendetermin: Montag, 02.06.2003, 23.15 - 23.55 Uhr, Sat.1

Nervosität, Migräne-Anfälle oder Tinnitus: Manche Menschen leiden körperlich und seelisch unter ständiger "Beschallung"
DDP

Nervosität, Migräne-Anfälle oder Tinnitus: Manche Menschen leiden körperlich und seelisch unter ständiger "Beschallung"

Es gibt Geräusche, die treiben besonders sensible Ohren zum Wahnsinn, obwohl sie nicht unter Lärmschutzbestimmungen fallen und von vielen Menschen nicht einmal wahrgenommen werden. Für die Betroffenen sind sie gleichwohl eine Qual.

SPIEGEL TV Reportage berichtet über Menschen, die unter Nerv tötenden Geräuschen leiden. Sie kämpfen gegen mysteriöse Brummtöne oder die Dudelmusik in Supermärkten. Sogar fröhliches Kindergeschrei kann zum Problem werden, wenn 15 Kleinkinder einer Kindertagesstätte im Nachbargarten toben. Immer mehr Menschen fordern ein "Recht auf Stille". Oft werden sie für Spinner gehalten, besonders wenn das Geräusch, über das sie sich beschweren, von niemand anderem wahrgenommen wird. Doch der Ärger mit dem leisen Lärm nimmt zu, denn die akustische Umweltverschmutzung, welche die meisten für normal halten, kann zur Hölle werden.



Interessante Forschungsergebnisse: In einer ruhigen Umgebung werden Kinder automatisch stiller
GMS

Interessante Forschungsergebnisse: In einer ruhigen Umgebung werden Kinder automatisch stiller

INTERVIEW MIT LÄRMEXPERTEN


"Der Belästigung hilflos ausgeliefert"


August Schick ist Psychologie-Professor an der Universität Oldenburg und seit 28 Jahren in der Lärmforschung tätig. Mit SPIEGEL ONLINE sprach er über vibrierende Deutsche, in der Lärmlast vereinte Europäer und Kinder, die sich nur noch per Kopfhörer vor Krach schützen können.mehr...





Hysterie oder Krankheitssymptom? Am "Brummton" scheiden sich die Geister
ABDA/GMS

Hysterie oder Krankheitssymptom? Am "Brummton" scheiden sich die Geister

WENN STILLE UNMÖGLICH WIRD


Was sind "Brummtöne"?

Die Analogien sind erstaunlich: Auf der ganzen Welt gibt es Menschen, die so genannte Brummtöne hören. Vielen Betroffenen erscheint das Nerv tötende Geräusch zunächst wie ein Kühlschrank-Summen oder das Tuckern eines Dieselmotors. Übereinstimmend halten sie fest: Nach Mitternacht ist der Krach am intensivsten, in geschlossenen Räumen wesentlich lauter als im Freien.

Die ständige Beschallung belastet Körper und Seele: Druck auf den Ohren, Schlaf- und Konzentrationsstörungen, Schweißausbrüche sowie Herzrasen sind typische Begleiterscheinungen des "Brummtons". Von außen nicht wahrnehmbare Vibrationen am und im Körper geben den Betroffenen das Gefühl, "ständig unter Strom zu stehen".

Auch die Art des Tons wird von vielen "Brummton"-Geplagten einheitlich beschreiben: Zu einer im tiefen Bassbereich angesiedelten Grundfrequenz gesellt sich eine zweite, modulierende Frequenz, wodurch es zu einem Auf und Ab des Tons in der Wahrnehmung kommt. Manche Menschen werden zudem von einem Pfeifen heimgesucht, dass etwa 10 bis 20 Sekunden andauert und offenbar heftige Kopfschmerzen im hinteren Schädelbereich auslöst.

Ob das "Brummton"-Phänomen externe Ursachen hat oder schlicht das Produkt einer Massenhysterie ist, konnte bisher nicht nachgewiesen werden. Die "Interessengemeinschaft zur Aufklärung des Brummtons" widmet sich der Erforschung des Symptoms und bietet Betroffenen ein Forum:

Interessengemeinschaft zur Aufklärung des Brummtons
Elmar Maronn
Abt-Moser-Strasse 11
88339 Bad Waldsee
E-Mail: info@igzab.de
Im Web: www.brummt.de
Außerdem: Deutschlandkarte der "gemeldeten Brummtöne"



"PIPEDOWN"

Der Kampf um musikfreie Zonen


Jeder kennt es, doch bei weitem nicht jeder liebt es: Auf der Hammond-Orgel verunstaltete Elvis-Songs begleiten den Kaufhausbesucher im Fahrstuhl, das Lieblingseis wird zu Klängen von Madonnas letztem Hit ausgewählt und selbst Zahnärzte sorgen mittlerweile für entspannende New-Age-Umwölkung während der Behandlung. "Pipe down" brüllen die Initiatoren der gleichnamigen Interessengemeinschaft den Verantwortlichen entgegen, denn für sie ist Dauermusikberieselung, auf englisch "piped music", der inkarnierte Alltaghorror. Schon vor Jahren formierte sich die Bewegung in England, um der "wenig ernstgenommenen Geißel unserer Zeit Einhalt zu gebieten." "Pipedown" will die allgegenwärtige akustische Plage eindämmen und ihre wehrlose Opfern schützen. Die Aktion hat inzwischen auch in Holland, Belgien und Deutschland Fuß gefasst.

"Pipedown" Deutschland
Dorfstr. 11
25482 Appen-Etz
E-mail: pipedown@t-online.de
Im Web: Internationale Kampagne gegen Musikberieselung


"Pipedown" England
Honorary Secretary Nigel Rodgers
The Cottage, Moorhatches
West Amesbury, Wilts. SP4 7BH
England
E-mail: pipedown@btinternet.com





BEISPIELE AUS DER RECHTSPRECHUNG

Deutschland einig Lärmschutz-Land

Nahezu ebenso häufig wie über das Thema Hecken streiten sich Nachbarn über Lärm und seine Quellen.mehr...


Kinder können Krach machen


Die klare Ansage der Richter an alle Nachbarn, die Kindern das Spielen verbieten wollen, lautet: hinnehmen oder ausziehen. mehr...


HÖRZENTRUM

Hintergrundlärm bremst die Hirnentwicklung


Ständiger Hintergrundlärm könnte bei Babys die Entwicklung des Hörsinnes verlangsamen. Bei Versuchen an jungen Ratten hatte die Geräuschkulisse dramatische Auswirkungen auf das Gehirn.mehr...


LÄRM


Dröhnen über dem Kopf

Nächtlicher Lärm erhöht den Blutdruck und fördert Asthma, so das Ergebnis einer Studie im Auftrag des Umweltbundesamtes. Die Fluglobby hingegen leugnet gesundheitliche Folgen von Krach.mehr...





Bei Presslufthammer-Lärm sind sich fast alle Betroffenen einig: Es nervt
DPA

Bei Presslufthammer-Lärm sind sich fast alle Betroffenen einig: Es nervt

Workshop


Umfragen ergeben: Jeder zweite Bundesbürger fühlt sich durch Straßenverkehrslärm massiv belästigt. Rund 16 Prozent aller Deutschen sind einem krank machenden Lärmpegel durch Straßenverkehr ausgesetzt. Doch die Mehrzahl der Lärmbetroffenen hat keine einklagbaren Rechte auf Lärmminderung. Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) veranstaltet im Juni einen Workshop, der sich mit den rechtlichen, politischen und technischen Anforderungen für eine wirksame Bekämpfung des Straßenverkehrslärms beschäftigt.

Bekämpfung von Straßenverkehrslärm
Termin: Freitag, 27. Juni 2003, 10 - 15.30 Uhr
Ort: Technische Universität Dresden
großer Senatssaal (Rektorat)
Mommsenstraße 13
Dresden


Anmeldung bis zum 20.06.2003 an:
VCD Herrn Helmar Pless
Eifelstraße 2
53119 Bonn
Tel.: 0228/98585 20
Fax: 0228/98585 10
E-Mail: helmar.pless@vcd.org



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