Tragödie in der Nordsee Der Untergang der "Hai"

Der 14. September 1966 ist für Peter Silbernagel ein unvergessliches Datum. An jenem Tag ging das deutsche U-Boot "Hai" an der Dogger-Bank in der Nordsee unter. 19 Marinesoldaten starben in den eiskalten Fluten, nur der damals 23-jährige Obermaat überlebte.

Ein heftiger Sturm wütete seinerzeit über der Nordsee, als die "Hai", das Schwesterboot "Hecht" und zwei Begleitschiffe im Verband Richtung England durch die raue See pflügten. "Es war eine Übungsfahrt", erinnert sich der inzwischen 57-Jährige, der als Frühpensionär auf der Nordseeinsel Sylt lebt.

"Wegen des starken Seegangs hatte unser Schiffsverband Mühe zusammen zu bleiben. Vor allem die U-Boote kamen kaum gegen die fünf Meter hohen Wellen an. Deshalb drifteten die Boote immer weiter auseinander, verloren bald den Sichtkontakt." Kurz nach 22 Uhr begann die Katastrophe: Durch einen defekten Schnorchel, der das Boot mit Luft versorgen sollte, drangen Wassermassen in den Dieselraum. "Alles ging unglaublich schnell: Das Boot wurde hecklastig, drohte zu kentern. Als ich über Lautsprecher den Befehl unseres Kommandanten Wiedersheim hörte: 'Alle Mann von Bord!', wusste ich, dass wir sinken würden. Ich lief zur Ausstiegsluke im Turm des Boots. Vor mir sprangen bereits Kameraden ins Wasser, ich hechtete hinterher - als Letzter. Nach mir kam keiner mehr raus. Sechs meiner Freunde gingen mit der 'Hai' unter."

Mit einem luftgefüllten Tauchretter als Schwimmweste kämpfte der Koch 13 Stunden um sein Leben, bis der britische Fischtrawler "St. Martin" ihn entdeckte und an Bord nahm. Das U-Boot "Hai" war inzwischen auf eine Wassertiefe von 40 Metern gesunken. Die anderen 13 U-Boot-Fahrer, die sich aus dem Unterwassergefährt in die Nordsee gestürzt hatten, waren mittlerweile ertrunken oder erfroren.

"13 Stunden stellt man sich sehr lang vor. Doch in den Wellen war es bei Sturm die Hölle, und ich hatte viel zu tun, um über Wasser zu bleiben", erzählt der ehemalige Zeitsoldat. "Da hat man keine Zeit, Todesangst zu haben. Ich hatte nur furchtbaren Durst."

Das schreckliche Erlebnis hat er schnell verarbeitet und weggesteckt. Auch habe er keine Angst gehabt, wieder in ein U-Boot zu steigen, sagt Silbernagel. Kurze Zeit nach dem Unglück sei er mit der "Hecht" wieder auf Tauchfahrt gegangen und später auch auf dem "U3" gefahren.

Das U-Boot "Hai" stammte aus dem Zweiten Weltkrieg. Es wurde allerdings erst 1945 als "U2365" in Dienst gestellt und kam nicht mehr zum Einsatz. Als Deutschland am 8. Mai 1945 kapitulierte, entschloss sich der damalige Kommandant Uwe Christiansen sein Boot vor der dänischen Insel Anholt zu versenken. Der spätere Flughafendirektor in Hamburg wollte verhindern, dass die seinerzeit moderne Marinetechnik den Alliierten in die Hände fällt. Elf Jahre später wurde "Hai" aus 56 Meter Tiefe gehoben und für die Bundesmarine in Stand gesetzt.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.