Kurzbiografie Christian Graf von Krockow

Der Politologe und Publizist Christian Graf von Krockow ist einer der herausragenden Preußen-Spezialisten in Deutschland.

Der Spross einer pommerschen Adelsfamilie wurde am 26. Mai 1927 im ostpommerschen Rumbske geboren. Seine Flucht nach dem Zweiten Weltkrieg endete in Stade bei Hamburg. 1947-1954 studierte er in Göttingen und Durham/England Soziologie, Philosophie und Staatsrecht. 1954 promovierte er in Göttingen, wo er ab 1961 als Professor für Politikwissenschaft an der Pädagogischen Hochschule tätig war. Von 1965 bis 1968 lehrte er an der Universität Saarbrücken und wechselte dann an die Universität in Frankfurt am Main.

Neben seiner Tätigkeit als Honorarprofessor an der Universität Göttingen ist Krockow seit Ende der sechziger Jahre vor allem als freier Wissenschaftler und Publizist in Göttingen tätig. Er unternahm mehrere Studienreisen in die ehemalige Sowjetunion (1962, 1964, 1969 und 1971) und besuchte Japan, Mexiko (1972/73) und die Vereinigten Staaten. In "China - Das neue Selbstbewußtsein" setzte er sich nach zwei Reisen ins Reich der Mitte mit dem Selbstverständnis der Volksrepublik und ihrer Bewohner auseinander.

Seine Biografie Friedrichs des Großen erschien 1986 zum 200. Todestag des Preußenkönigs. Auch seine Lebensbeschreibungen anderer Monumentalfiguren der Weltgeschichte wie Bismarck und Churchill waren äußerst erfolgreich. Die historische Erfahrung des Heimatverlustes wird in "Die Reise nach Pommern" (1985), "Die Stunde der Frauen" (1988) und "Heimat - Erfahrungen mit einem deutschen Thema" (1989) aufgegriffen. Die "Deutschen in ihrem Jahrhundert" stehen im Zentrum seines 1990 erschienenen Werkes.

1992 folgte "Preußen - Eine Bilanz", in dem der pommersche Graf die Geschichte Preußens von den großen Königen bis Wilhelm II. nachzeichnet und die verhängnisvolle Rolle des letzten Kaisers betont. Seine Trilogie über die Kernlande des alten Preußen schloss Krockow 1994 mit dem Buch "Begegnung mit Ostpreußen" ab, das die Zeitspanne von den Ordensrittern bis zu Flucht und Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg umfasst.

In dem Artikel "Preußens Gloria und Verhängnis" (Welt am Sonntag, 31.12.2000) entlarvt der vielfach ausgezeichnete Politologe die wahre Natur der so oft gerühmten preußischen Tugenden: "Wenn wir heute, in unserem Nationalstaat, fragen, was uns von Preußen bleibt, dann geht es um das Unsichtbare, die preußischen Tugenden, besonders die Pflichterfüllung ... Das Verhängnis war, dass es sich um so genannte Sekundärtugenden handelte. Denn die Leistungsbereitschaft sagt nicht, wofür sie eingesetzt wird, die Pflichterfüllung nicht, wem sie dient: ob dem König von Preußen oder Adolf Hitler. Die Frage nach den vorrangigen Werten, nach den Zielen muss daher stets gestellt und beantwortet werden."



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