Albtraum Mietnomade Wohnen ohne zu zahlen

Der jährliche Mietausfall in Deutschland beziffert sich auf mehr als 2,2 Milliarden Euro. 200 Millionen davon gehen auf das Konto von Mietnomaden: Mieter, die schon mit der Absicht einziehen, niemals Geld an den Wohnungsbesitzer zu überweisen.

Sendetermin: Samstag, 21.03.2009, 21.55 - 23.45 Uhr, VOX

Vor Vertragsabschluss geben sie sich meist weltgewandt und täuschen einen gehobenen Lebensstil vor. Doch sind sie erst einmal eingezogen, folgt das böse Erwachen. Der Vermieter sieht von ihnen keinen Cent und meistens hinterlassen sie das pure Chaos. Wenn sie jedes juristische Schlupfloch nutzen, kann es zwei Jahre dauern, bis die Vermieter endlich eine Räumungsklage haben.

Als sich Dennis Peters aus Bleckede bei Lüneburg im Mai 2007 ein Doppelhaus für nur 142.000 Euro ersteigert, kann er sein Glück kaum fassen. Doch schnell entpuppt sich das Schnäppchen als Albtraum, denn der Mieter ist ein aggressiver Mietnomade und zu allem Überfluss auch noch Chef einer Truppe, die sich auf Einmietbetrug spezialisiert hat. Er bedroht, beschimpft und beleidigt Peters und seine Familie: "Ich mach dich finanziell und psychisch fertig!", soll er damals gesagt haben. Kaum hat Peters einen Räumungstitel gegen den verhassten Mieter, meldet sich der nächste an, gegen den erneut geklagt werden muss. 15 Monate und 24 Neuanmeldungen später ist der Hausbesitzer am Ende seiner Kräfte. Auf mehr als 42.000 Euro beziffert sich der Schaden inzwischen. Bis endlich der Beschluss ergeht, dass die gegnerische Partei das Haus widerrechtlich in Anspruch genommen hat: Hausfriedensbruch. Endlich darf die Polizei einschreiten und räumen.

Auch das Rentnerehepaar Fischer aus Erftstadt ist Opfer eines Mietnomaden geworden: Vor zwei Jahren fuhr er mit einem teuren BMW vor, behauptete, ein reicher Erbe zu sein, und erschlich sich so das Vertrauen der gutgläubigen Vermieter. Doch schnell stellte sich heraus, dass der Mann Hartz-IV-Empfänger und hoch verschuldet ist. Mehr als 30.000 Euro Mietschulden hat er mittlerweile. Ans Ausziehen denkt er noch lange nicht, denn er sieht sich selbst als Opfer. Mit selbstgemalten Plakaten ging er vor dem Haus seiner Vermieter in Stellung, um gegen vermeintliche Richter- und Vermieterwillkür zu protestieren.



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