20. Juli 1944 Das Protokoll eines Staatsstreiches

Im XXP-Studio diskutiert Moderator Matthias Ziemann mit dem Historiker Joachim Fest, Christian Hartmann, Institut für Zeitgeschichte in München, Klaus Wiegrefe, DER SPIEGEL, sowie Alfred von Hofacker vom Kuratorium der Stiftung 20. Juli 1944 über das gescheiterte Attentat, das Millionen hätte vor dem Tod bewahren können.

Sendetermin: Montag, 12.07.2004, 22.45 - 23.30 Uhr, XXP

Graf von Stauffenberg: Ein Beispiel politischer Moral
DPA

Graf von Stauffenberg: Ein Beispiel politischer Moral

Verschwörer um Claus Schenk Graf von Stauffenberg versuchten am 20. Juli 1944, Hitler zu töten. Wäre das Attentat gelungen, wäre das Dritte Reich wahrscheinlich zu Ende gewesen. Doch das Böse hatte Glück - wie so oft. Eine massive Stütze des Holztisches in der "Lagebaracke" der Wolfschanze bewahrte den "Führer" Adolf Hitler damals vor dem Tod. Er wurde nur leicht verletzt.

Der 36-jährige Hitler-Gegner Stauffenberg, sein Förderer General Friedrich Olbricht und andere wurden noch in derselben Nacht erschossen. Der Blutjustiz der Nazis fielen in den Monaten nach dem Putsch etwa 200 Verschwörer zum Opfer. Trotzdem erweisen die Deutschen den Widerständlern erst jetzt mit großer Mehrheit Respekt. Im zerstörten Nachkriegsdeutschland war dazu nur eine Minderheit bereit gewesen.

Sendetermin: Montag, 12. Juli, 22.45 Uhr, XXP

Gäste im Studio

Joachim Fest, Historiker
Den gebürtigen Berliner, erfolgreichen Buchautor ("Staatsstreich - Der lange Weg zum 20. Juli") und ehemaligen Herausgeber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" zog es nach seinem Studium zunächst zum Fernsehen, zu RIAS Berlin. 1961 ging er als Chefdramaturg und stellvertretender Hauptabteilungsleiter Fernsehspiel zum Norddeutschen Rundfunk nach Hamburg und wurde dort zwei Jahre später Chefredakteur. 1973 erschien seine Hitler-Biografie, die großes Aufsehen erregte und Bestseller wurde. Als politischer Feuilletonist engagierte sich der konservative Intellektuelle auch im Historikerstreit. Fest über den Anschlag: "Weder wissenschaftlich noch literarisch wurde die Tat ausreichend gewürdigt. Es wurde wenig getan, um die Ereignisse bekannt zu machen. Der 20. Juli blieb immer ein Gedenktag zweiter Klasse."

Christian Hartmann, Institut für Zeitgeschichte München
Der wissenschaftliche Mitarbeiter ist Leiter des Forschungsprojektes "Wehrmacht in der nationalsozialistischen Diktatur 1933-1945" und stellvertretender Chefredakteur der Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte. 1959 in Heidelberg geboren, studierte er Geschichte, Politik und Sport. Seine Forschungsschwerpunkte sind heute Militärgeschichte, Geschichte der internationalen Beziehungen, deutsche und europäische Geschichte des 20., ferner des 19. und 18. Jahrhunderts. Widerständler wie den Generalmajor Henning von Tresckow sieht er eher kritisch. "Ohne die Mitwirkung der Wehrmacht wäre der Völkermord im Osten niemals in dieser Form möglich gewesen", so der Historiker Hartmann.

Alfred von Hofacker, Kuratorium der Stiftung des
20. Juli 1944
Alfred von Hofacker studierte in München und Erlangen Jura. Heute ist er als Fachanwalt für Arbeitsrecht tätig. Sein Vater wurde im Zusammenhang mit dem Widerstand um den 20. Juli 1944 zum Tode verurteilt und hingerichtet. Hofacker gehört seit 1968 dem Kuratorium der Stiftung 20. Juli 1944 an. Von 1995 bis 2003 war er im Vorstand.

Moderation

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Matthias Ziemann, Geschäftsführender Redakteur SPIEGEL TV

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