Trübsal in der Zwischenwelt Jammertal Ost

Arbeitslosigkeit, Ostabwanderung, Angst vor Armut: Immer mehr Ostdeutsche beklagen ihren persönlichen Zustand und den der neuen Länder. Im XXP-Studio diskutieren Experten über konfliktreiche Befindlichkeiten im Osten und Westen der Republik.

Sendetermin: Montag, 20.09.2004, 22.40 - 23.25 Uhr, XXP

Klare Aussage: Demonstrant Joachim Zobota auf einer Protestaktion in Magdeburg
SPIEGEL ONLINE

Klare Aussage: Demonstrant Joachim Zobota auf einer Protestaktion in Magdeburg

Nach 15 Jahren scheint ein Großteil der Ostdeutschen noch immer nicht in der Bundesrepublik angekommen zu sein. Man schwelgt in Ostalgie, betrauert den Verlust von Job-Sicherheit, Überschaubarkeit und klarer politischer Linie. Während immer weniger Verdrossene gegen die Arbeitsmarktpolitik der Regierung auf die Straße gehen, verweigert sich eine steigende Zahl von Bürgern der neuen Länder ganz: Sie entscheiden sich für radikale Parteien des linken oder rechten Spektrums oder gehen überhaupt nicht mehr zur Wahl. Besorgnis erregend auch die Ergebnisse einer SPIEGEL-Umfrage: Demnach haben sich seit der Wiedervereinigung noch nie so viele Ostdeutsche als Verlierer gesehen wie heute.

Umfrageergebnisse: Die Stimmung in Ostdeutschland
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Umfrageergebnisse: Die Stimmung in Ostdeutschland

Den Landsleuten im Westen ist die Euphorie der Stunde Null schon lange abhanden gekommen: Die "Wessis" haben das Jammern der Ostdeutschen satt. 1250 Milliarden Euro Bruttotransferleistungen sind seit 1991 in die neuen Bundesländer geflossen - von Wachstum und blühenden Landschaften kann allerdings kaum die Rede sein. Der Aufbau Ost wurde im Westen vor allem assoziiert mit Millionen-Pleiten gescheiterter und größtenteils staatlich finanzierter Großprojekte wie dem Cargolifter, der Rennstrecke Lausitz-Ring oder der Chip-Fabrik in Frankfurt an der Oder.

Grafik: Das neue Deutschland
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Grafik: Das neue Deutschland

Wo hüben wie drüben gejammert wird, ist die Frage nach konstruktiven Lösungen umso drängender. Werden Ost und West sich jemals angleichen? Unter welchen Bedingungen wäre dies überhaupt möglich? Die Deindustrialisierung betrifft die gesamt Republik - wo werden neue Arbeitsplätze angesiedelt sein? Wie kann man kollektiven Minderwertigkeitskomplexen einer ganzen Bevölkerungsgruppe beikommen, ohne sich auf dem Argument der historischen Gegebenheit auszuruhen?

Im XXP-Studio diskutiert Matthias Ziemann, Geschäftsführender Redakteur SPIEGEL TV, mit dem Psychotherapeuten Hans-Joachim Maaz, dem Präsidenten des Ifo-Instituts Hans-Werner Sinn und dem SPIEGEL-Redakteur Stefan Berg.

Sendetermin: Montag, 20. September, 22.40 Uhr, XXP

Gäste im Studio

Hans-Joachim Maaz, Psychotherapeut
Der 61-jährige Maaz ist Psychiater, Psychoanalytiker und Chefarzt der Psychotherapeutischen Klinik im Evangelischen Diakoniekrankenhaus Halle. Er wurde 1943 im böhmischen Niedereinsiedel geboren und 1945 nach Sachsen ausgesiedelt. Zu DDR-Zeiten kämpfte er für psychoanalytische und tiefenpsychologische Therapieformen, die im SED-Staat tabuisiert waren. Bekannt wurde Maaz nach der Wende vor allem durch sein Buch "Der Gefühlsstau. Ein Psychogramm der DDR" (1990). Im Jahr darauf folgte "Das gestürzte Volk - die unglückliche Einheit", in dem er die Mängel des westdeutschen Systems anprangerte. 1992 brachte er "Die Entrüstung - Stasi, Schuld und Sündenbock" heraus, in dem er dafür plädiert, einer Schuldzuweisung immer die präzise Analyse der Hintergründe voranzustellen. Durch zahlreiche Vorträge und Diskussionsbeiträge in Presse, Funk und Fernsehen hat Maaz in ganz Deutschland Bekanntheit erlangt. Er ist Vorsitzender der "Deutschen Gesellschaft für analytische Psychotherapie und Tiefenpsychologie" und des "Mitteldeutschen Instituts für Psychoanalyse Halle e.V."


Hans-Werner Sinn, Präsident des Ifo-Instituts
Prof. Dr. Hans-Werner Sinn wurde am 7. März 1948 in Brake, Westfalen, geboren. Der Vater von drei Kindern ist Präsident des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung. Seit 1991 leitet er das Center for Economic Studies (CES) der Ludwig-Maximilians-Universität München, wo er seit 1984 einen Lehrstuhl für Nationalökonomie und Finanzwissenschaft innehat. Zahlreiche Forschungsaufenthalte und Gastprofessuren führten Sinn unter anderem an die Universität Princeton, die Hebräische Universität in Jerusalem und die Universität Stanford. Er ist regelmäßig als Gutachter für internationale Fachzeitschriften tätig und Mitglied zahlreicher wissenschaftlichen Fachvereinigungen und Ausschüsse, wie der European Economic Advisory Group beim CESifo, der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften sowie des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundeswirtschaftsministerium.



Stefan Berg, Redakteur im Hauptstadtbüro des SPIEGEL


Moderation:

SPIEGEL TV
Matthias Ziemann, Geschäftsführender Redakteur SPIEGEL TV


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