Atom-Macht Nordkorea Der Irre mit der Bombe

Nuklearwaffen als Mittel der Politik: Mit der Erklärung, sein Land sei Atommacht, löste Kim Jong Il eine internationale Krise aus. Im XXP-Studio diskutieren Experten über die Provokation des Diktators und Wege, den Bombenbauer zur Räson zu bringen.

Was der Sprecher des nordkoreanischen Außenministeriums am Donnerstag vergangener Woche verkündete, klang wie eine Kriegserklärung an den Rest der Welt: "Wir haben Kernwaffen hergestellt, zur Selbstverteidigung, um mit der immer unverhohleneren Politik der Bush-Regierung fertig zu werden." Die gegenwärtige Realität beweise, dass "nur mächtige Stärke Gerechtigkeit und Wahrheit schützen kann". Nordkorea werde auf "unbestimmte Zeit" nicht mehr an den Pekinger Sechser-Gesprächen über sein Atomwaffen-Programm teilnehmen, hieß es.

Nachdem die ungewöhnliche Offenbarung des Diktators weltweit Entsetzten ausgelöst hatte, erklärte der südkoreanische Vereinigungsminister Chung Dong-young heute, er glaube, es sei zu früh, den Norden als Nuklearmacht zu bezeichnen. Das kommunistische Nachbarland habe Atomwaffen weder getestet wie etwa Indien oder Pakistan, noch gebe es eine unabhängige Bestätigung für die Existenz dieser Waffen. Er sehe in der Ankündigung eher eine verhandlungstaktische Aussage für die Atomgespräche. Der Minister gab allerdings zu, dass Nordkorea 10 bis 14 Kilogramm Plutonium besitze, aus denen man ein oder zwei Atombomben herstellen könne.

Kim Jong Il ist nicht nur aus amerikanischer Sicht der Inbegriff des Schurken, weil er sein 22-Millionen-Volk aushungert und dem Ehrgeiz seines Vaters frönt, die Bombe zu besitzen. Experten zufolge gibt es ein weiteres schwer wiegendes Problem: Sollte Pjöngjang sich darauf verlegen, Atomwaffen nicht nur herzustellen, sondern sie auch weiter zu verkaufen, könnte Nordkorea zu einem neuen Zentrum der Proliferation werden und Länder mit Nuklearwaffen versorgen, die bisher keinen Zugang dazu hatten.

Im XXP-Studio diskutiert Moderatorin Annika de Buhr mit dem Nordkorea-Experten Hans-Joachim Schmidt und dem Uno-Berater zur Abrüstung in Nordkorea, Herbert Wulf.

Sendetermin: Montag, 14. Februar, 23.05 Uhr, XXP 

Gäste im Studio

Hans-Joachim Schmidt, Abrüstungsexperte
Hans-Joachim Schmidt ist seit 1982 Mitglied des Stiftungsrats und wissenschaftlicher Mitarbeiter der hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung (HSFK). Der renommierte Rüstungsexperte hat zahlreiche Artikel zur Regelung der Nuklearkrise in Nordkorea - und in diesem Zusammenhang die Sechs-Mächte-Gespräche zwischen China, den USA, Japan, Nordkorea, Südkorea und Russland - geschrieben. Der heute 53-Jährige studierte Politikwissenschaften und Germanistik an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Er ist Mitglied der Arbeitsgruppe "Gerechter Frieden" der Deutschen Kommission Justitia et Pax.


Herbert Wulf, Berater des Uno-Entwicklungsprogramms zur Abrüstung in Nordkorea


Moderation

Annika de Buhr, XXP