Interview mit Popstar-Macher Detlef Soost "Das Glück des Tüchtigen"

Nachdem er RTL2-Retortenbands wie den "No Angels" und "Bro'Sis" zum Erfolg verhalf, gehört der gelernte Werkzeugmacher aus Berlin-Pankow zu den bekanntesten Choreographen der Republik. Mit SPIEGEL ONLINE sprach Detlef Soost alias Dee über Zuckerbrot, Peitsche und den Sex-Appeal des Erfolgs.


Keine Angst vor Messages: Tanzlehrer und Choreograph Detlef Dee Soost
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Keine Angst vor Messages: Tanzlehrer und Choreograph Detlef Dee Soost

SPIEGEL ONLINE:

Sie gaben in der ersten Staffel der RTL2-Talentshow "Popstars" den bösen Tanzinstruktor, der gnadenlos das Beste aus seinen erfolgshungrigen Kids herauspresste. Sind Sie so fies wie alle glauben?

Soost: Man kennt mich aus dem Fernsehen als den Harten. Ich bin allerdings nur unerbittlich, wenn ich meine Schüler motivieren und über die eigene Leistungsgrenze bringen will. Ihre Ziele haben sie sich im Vorfeld selber gesteckt.

SPIEGEL ONLINE: Zuckerbrot und Peitsche in der Hand des Tanztrainers sind recht durchschaubare pädagogische Tricks, die zudem dafür sorgen, dass die Zuschauer am Ball bleiben. Oder sind die Kids inzwischen so lahm, dass es nicht anders geht?

Soost: Nein, sie sind nicht von vornherein undiszipliniert. Aber fast alle kommen während des Trainings an einen Punkt, wo die Spannung nachlässt - und genau da muss ich hart durchgreifen.

SPIEGEL ONLINE: Bis die Tränen fließen?

Soost: Wir bewegen uns auf einem so hohen Anforderungsniveau, dass die Emotionen sehr intensiv sind - da fließt schon mal die eine oder andere Träne, wenn nicht sofort alles klappt. Auf der anderen Seite sind die positiven Gefühle groß, wenn man sein persönliches Ziel erreicht hat.

SPIEGEL ONLINE: Sie selbst sind für Ihre Arbeitswut und eiserne Disziplin bekannt.

Soost: Ich möchte mir von niemandem den Vorwurf machen lassen, dass ich nicht alles gegeben habe. Außerdem bin ich nicht mit dem goldenen Löffel im Mund geboren und sage mir im Rückblick oft: Mach weiter, gib Gas, sonst wird's vielleicht wieder schlechter.

SPIEGEL ONLINE: Sie glauben an den Slogan "Du- kannst- wenn- du- nur- willst"?

Detlef Dee und seine Schützlinge von Bro'Sis
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Soost: Ich glaube an das Glück des Tüchtigen und bin mir 1000-prozentig sicher, dass der Großteil des Erfolgs von Menschen dadurch bestimmt wird, dass sie in ihrem Kopf und im Herzen sagen: Okay, ich will das, ich traue mir das zu und gehe diesen Weg und bringe alles, was notwendig ist, um mein Ziel zu erreichen.

SPIEGEL ONLINE: Ein bisschen Grips gehört wohl auch dazu. Wie wichtig sind Intelligenz und ein halbwegs solides Allgemeinwissen für angehende Popsternchen?

Soost: Schon wichtig. Man sollte sich halbwegs vernünftig artikulieren können. Unsere "Popstars" stehen ja sehr schnell im Rampenlicht und sollten als Person des öffentlichen Interesses immer daran denken, dass viele Fans sehr jung sind und alles, was sie von ihren Stars hören, auch annehmen. Da muss man aufpassen. Deshalb gibt es bei uns unter anderem einen Coach, der die Bandmitglieder fit für Interviews und Fernsehauftritte macht.

SPIEGEL ONLINE: Was empfinden Sie, wenn der Erfolg - wie bei den "No Angels" - tatsächlich einsetzt? Irgendwelche Frankenstein- Gefühle im Angesicht der in die Welt entlassenen Kreatur?

Soost: Nein, aber sehr, sehr stolze Gefühle. Wir haben gerade die Bro'Sis-Tour beendet und konnten unsere Ansprüche voll erfüllen. Es war ein Riesenerfolg, an dem ich meinen Anteil hatte - und das ist schön.

SPIEGEL ONLINE: Was hat mehr Sex, Erfolg oder Macht?

Soost: Erfolg hat großen Sex. Ich weiß nicht, ob Macht da mithalten kann.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie Macht, wenn Sie in der Jury sitzen und zukünftige Popstars aussieben?

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Soost: Ich habe eine große Verantwortung, die viele als Macht auslegen. Ich halte es für eine positive Form der Macht, so lange ich verantwortungsvoll damit umgehe.

SPIEGEL ONLINE: Zurzeit sind Sie auf Bohnenkaffee- Tour: Von Bad Mergentheim über Emsdetten bis nach Rottweil können Menschen jeden Alters sich beim so genannten Tchibo-Workshop einen ganzen Tag lang so richtig triezen lassen. Gibt es Sponsoren oder Werbepartner für die Sie auf keinen Fall arbeiten würden?

Soost: Alles was mit Rassismus zu tun hat, ist absolutes No-No - ansonsten bin ich offen für alles.

SPIEGEL ONLINE: Sie kennen das Business inzwischen gut und wissen, wie Stars gemacht werden. Keine Lust, wieder selbst aufzutreten oder zu produzieren?

Soost: Selbst aufgetreten bin ich lange genug. Produzieren ist keiner meiner Kompetenzbereiche, da würde ich mich nur auf Grund meines Bekanntheitsgrades mit den Großen messen. Ich mache lieber das, was ich kann - und das ist Coaching.

Das Interview führte Annette Langer



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