Oskar Schindler Vom "Judenküsser" zum "Gerechten der Nationen"

Er war Geschäftsmann und Stratege, Gutmensch und Hedonist, Alkoholiker und Ehebrecher: Helden des Alltags mit so widersprüchlichen und nicht jedem sympathischen Eigenschaften wie Oskar Schindler sind selten. Das bewegte Leben des sudetendeutschen Unternehmers und engagierten "Judenretters" auf einen Blick.


28. April 1908:

Oskar Schindler kommt in Zwittau (Sudetenland) als Sohn des Landmaschinenfabrikanten Hans Schindler und dessen Frau Franziska zur Welt

1914-1928: Schindler absolviert Volks- und Realschule in Zwittau und eine Lehre im väterlichen Betrieb. In der Landmaschinenfabrik arbeitet er bis zu seinem 21. Lebensjahr

6. März 1927: Heirat mit Emilie Pelzl

1929-36: Schindler ist in leitender Funktion in der Verkaufsabteilung der Mährischen Elektrotechnischen AG in Brünn für die Sudetendeutschen Gebiete der CSR zuständig. 1935 geht die Fabrik des Vaters in den Konkurs, Schindlers Eltern trennen sich. Oskar tritt in die pro-nationalsozialistische Partei Konrad Henleins ein, die "Sudetendeutsche Heimatfront", später "Sudetendeutsche Partei" (SdP)

Produzierte Granaten für die Wehrmacht, um Juden zu retten: Fabrikant Oskar Schindler (1967)
DPA

Produzierte Granaten für die Wehrmacht, um Juden zu retten: Fabrikant Oskar Schindler (1967)

1936: Umzug nach Mährisch-Ostrau

1936-39: Schindler ist Wehrmachtsangestellter des Generalkommandos VIII in Breslau (Abwehr Canaris) Der als Kaufmann getarnte Agent ist vor allem in Südpolen für die Abwehr unterwegs

Februar 1939: Schindler wird Parteimitglied der NSDAP

Herbst 1939: Nachdem er aus dem Vertragsverhältnis mit Canaris ausgeschieden ist, erwirbt Schindler das "Press- und Emaillierwerk" in Krakau aus der Konkursmasse des Polnischen Handelsgerichtes - zunächst zur Pacht. Er erweitert die Betriebsfläche von 8000 auf 42.000 Quadratmeter, indem er Grundstücke hinzukauft - in Übereinstimmung mit den polnischen Handelsgesetzen

August 1940: Der Generalgouverneur der besetzten polnischen Gebiete, Hans Frank, stellt ein Ultimatum: Alle Juden, die nicht in "Sieg entscheidender Produktion" tätig sind, sollen Krakau freiwillig verlassen. Viele Juden suchen verzweifelt nach "echter" Arbeit. Auf Drängen Sterns stellt Schindler 150 Juden in seiner Fabrik ein

Ende 1941: Schindler wird für seine Schwarzmarkt-Aktivitäten von der Gestapo verhaftet. Durch seine Beziehungen zu hochrangigen NS-Funktionären und Zahlung von Bestechungsgeldern kommt er frei

1942: Kauf des Krakauer "Press- und Emaillierwerks" bei der Versteigerung durch das Polnische Handelsgericht. Umzug nach Krakau.

29. April 1942: Schindler wird ein zweites Mal verhaftet, nachdem er als "Judenküsser" denunziert wurde. Wieder kann er seine Freilassung erwirken

3. Juni 1942: Schindler rettet auf dem Krakauer Bahnhof seinen Büroleiter Abraham Bankier vor der Deportation nach Belzec

1943: Das ehemalige Emaillierwerk wird zum Rüstungsbetrieb mit 1730 Arbeitern erklärt

1944: Verlagerung des Betriebes nach Brünnlitz/ Sudetenland, zusammen mit etwa 1300 jüdischen Zwangsarbeitern, 50 freiwilligen polnischen Arbeitern und 20 "reichs- und volksdeutschen" Angestellten. Das Werk arbeitet bis zur Kapitulation im Mai 1944

Herbst 1944: Schindler erstellt eine Liste von "arbeitsfähigen" und unabkömmlichen Juden, die er für seine Fabrik in der Tschechei braucht. 700 Schindlerjuden werden nach Groß-Rosen und Auschwitz-Birkenau anstatt nach Brunnlitz geschickt

November 1944: Schindler lässt 300 seiner Arbeiterinnen von Auschwitz-Birkenau nach Brunnlitz bringen

8. Mai 1945: Die Schindlerjuden schenken Schindler einen goldenen Ring mit der Inschrift: "Wer nur ein einziges Leben rettet, rettet die ganze Welt"

1945: Flucht aus Brünnlitz, zunächst über Deutsch-Brod nach Konstanz, dann über München nach Regensburg

13. September 1946: Nach einem Gerichtsverfahren wird SS-Hauptsturmführer und Kommandant des Arbeitslagers Plaszow Amon Göth in Krakau zum Tod durch den Strang verurteilt. Er soll mindestens 500 Kinder, Frauen und Männer ermordet haben

1945-47: Neuanfang in Regensburg, zusammen mit Oskars Schwester Elfriede und ihrer Familie. Vorbereitung der Auswanderung auf Einladung von Freunden aus Argentinien

1949: Auswanderung nach Argentinien, Kauf der Quinta "Magnolia" in San Vicente. Schindler arbeitet hier acht Jahre lang als technischer Berater beim Kauf von Industrieanlagen aus Deutschland und ist unter anderem in der Geflügel- und Nutriazucht tätig

1957: Oskar Schindler kehrt nach Deutschland zurück, weil er hofft, aus seinen umfangreichen Lastenausgleichsforderungen eine neue Existenz aufbauen zu können. Nachdem sein Versuch, neue Produktionsstätten zu etablieren, fehl schlägt, erleidet Schindler einen schweren Herzanfall

1962: Erster Israelbesuch, bei dem Schindler von "seinen Juden" begeistert gefeiert wird

1. Mai 1962: Schindler darf in der "Allee der Gerechten" in Jerusalem einen Baum pflanzen

1963: Das von Schindler erworbene "Kunst- und Betonsteinwerk" in Hochstadt geht zu Beginn des Jahres bankrott. Schindler-Juden gründen einen Oskar-Schindler-Fond

24. Dezember 1963: Der Staat Israel ehrt Schindler als "Gerechten der Nationen"

November 1965: Verleihung des Verdienstkreuzes erster Klasse, Anfang 1966 überreicht

1967: Pfefferberg initiiert den "Schindler Survivor's Fund"

Dezember 1967: Verleihung des Martin- Buber- Friedenspreises

Oktober 1968: Verleihung des päpstlichen Silvesterordens

1971: Ehrenamtlicher Geschäftsführer des Bundesverbandes der Gesellschaften der Freunde der Hebräischen Universität Jerusalem in Deutschland

1972: Schindler erleidet einen Schlaganfall mit halbseitiger Lähmung

1974: Schindler wird ein Herzschrittmacher eingesetzt

9. Oktober 1974: Oskar Schindler stirbt in Hildesheim und wird auf dem protestantischen Friedhof von Jerusalem beigesetzt



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