Gefangen in der Hölle Das Martyrium verschleppter Kinder

Der Inzest-Fall von Amstetten – ein Jahrhundertverbrechen. Und einmal mehr blickt die Weltöffentlichkeit mit einer Mischung aus Neugier und Entsetzen, Abscheu und Fassungslosigkeit auf Österreich.

Sendetermin: Freitag, 16.05.2008, 22.15 - 00.15 Uhr, VOX

Elisabeth Fritzl hatte keine Chance. 1984 wurde sie vom eigenen Vater als Sexsklavin in ein Kellerverlies im österreichischen Amstetten gesperrt. Damals war Elisabeth 18 Jahre alt. Immer wieder vergewaltigte Josef Fritzl seine Tochter in dem selbstgebauten Kerker, zeugte mit ihr sieben Kinder. Jahrzehntelang narrte der heute 73-Jährige die Behörden, täuschte die eigene Familie. Bis zu dem Tag, an dem sein perfider Plan durch einen Zufall aufflog. Seitdem kommen täglich neue Details unvorstellbarer Grausamkeit ans Licht. So habe Fritzl sein Versteck mit insgesamt acht Türen gesichert, die eigene Tochter monatelang an einer Hundeleine festgekettet, sie sogar vor den Augen ihrer eigenen Kinder missbraucht.

Der Inzest-Fall von Amstetten – ein Jahrhundertverbrechen. Und einmal mehr blickt die Weltöffentlichkeit mit einer Mischung aus Neugier und Entsetzen, Abscheu und Fassungslosigkeit auf Österreich. Bereits durch den Fall Natascha Kampusch war die Alpenrepublik in die Schlagzeilen geraten. Im August 2006 war es der damals 18-Jährigen in Wien gelungen, aus einem Kellerverlies zu entkommen, in dem sie ihr Entführer Wolfgang Priklopil acht Jahre lang gefangen gehalten hatte.

Es sind Fälle wie diese, die – wenn sie bekannt werden – in der Gesellschaft eine Art Schockstarre auslösen: Ein Kind verschwindet, wird auf bestialische Art und Weise gequält und gefangen gehalten, und niemand will etwas gemerkt haben? Wen trifft die Schuld am Kollektivversagen von Nachbarn, Ämtern und Behörden? Wie konnte Josef Fritzl jahrzehntelang unbehelligt ein Doppelleben führen – mit einer bürgerlichen Familie ‚oben’ im Haus und einer illegitimen unten im Keller, die auf engstem Raum und ohne Tageslicht dahinvegetiert?

SPIEGEL TV Thema untersucht Fälle von verschleppten Kindern, die ein unglaubliches Martyrium durchmachten: wie Stephanie R. aus Dresden, die fünf Wochen in der Gewalt eines Sex-Gangsters war, bevor sie sich selbst befreien konnte. Das bis dato wohl bekannteste derartige Verbrechen ist das des belgischen Mörders Marc Dutroux. Der mehrfach vorbestrafte Kinderschänder hatte ähnlich wie der Österreicher Josef Fritzl den Keller seines Hauses zum Kerker ausgebaut. Mitte der neunziger Jahre entführte und missbrauchte Dutroux insgesamt sechs Mädchen. Nur zwei von ihnen überlebten.



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