Nebenjobs, die sich lohnen – Folge vier »Zum Glück haben wir gute Navis«

Informatikstudent Maximilian Marquardt liefert neben dem Studium Pakete aus – und verdient damit gutes Geld. Hier erzählt er, was er macht, wenn Nachbarn grummeln. Und wie sportlich er wirklich sein muss.
Aufgezeichnet von Anne Baum
Zusteller Marquardt: »Ziemlich gut mit dem Studium vereinbar«

Zusteller Marquardt: »Ziemlich gut mit dem Studium vereinbar«

Foto: Privat
Nebenjobs, die sich lohnen

Viele Studierende in Deutschland arbeiten, um ihr Studium zu finanzieren. Cafés und Restaurants, Coronatestzentren, lokale Unternehmen: Potenzielle Arbeitgeber:innen gibt es einige. Doch welcher Nebenjob lohnt sich auch finanziell? Und was muss man dafür mitbringen? In der Reihe »Nebenjobs, die sich lohnen« gehen wir diesen Fragen nach.

Wir stellen fünf Nebenjobs vor, mit denen Studierende gutes Geld verdienen können, aber auch wertvolle Erfahrungen für ihr späteres Berufsleben sammeln. Grundlage ist eine Auswertung des Jobvermittlers »Jobvalley « aus dem Jahr 2021, für die mehr als 620.000 Jobausschreibungen analysiert wurden. Alle fünf Beispiele der Reihe gehören laut der Auswertung zu den Top 10 der durchschnittlich am besten bezahlten Jobs für Studierende.

Als Auslieferungsfahrer:in braucht man einen Führerschein, dafür kann man ohne Vorwissen starten. So hat es auch Maximilian Marquardt gemacht: Der 22-Jährige studiert im sechsten Semester Informatik an der Universität Hamburg und arbeitet seit vier Jahren nebenbei als Paketzusteller bei der Deutschen Post. Hier erzählt Marquardt, wie viel er verdient, was ihm an seinem Job besonders gut gefällt und was er auf seinen Touren fürs spätere Berufsleben lernt.

Die Entscheidung für den Job

»Nach meinem Abitur suchte ich einen Job zur Überbrückung und startete bei DHL als Weihnachtsaushilfe. Dann entschied ich mich, Informatik zu studieren – und behielt meinen Nebenjob als Paketzusteller. Der ist nämlich ziemlich gut mit dem Studium vereinbar.

Ich kann entscheiden, wie viele Tage ich arbeiten will. Meistens fahre ich an einem Tag pro Woche, in den Semesterferien arbeite ich auch mal ein paar Wochen am Stück. Außerdem bekomme ich 14,34 Euro pro Stunde – ein guter Lohn für einen Studentenjob.«

Während des Studiums als Auslieferungsfahrer:in arbeiten
  • Wichtigste Voraussetzung ist ein Führerschein der Klasse B, mindestens. Gut ist außerdem, ein wenig Fahrpraxis zu haben.

  • Als Auslieferungsfahrer:in braucht man in der Regel kein besonderes Fachwissen. Der Job eignet sich also für Studierende aller Studienfächer. Da man viel laufen muss und bei einigen Jobs auch mal schwer heben, sollte man eher sportlich sein.

  • Laut »Jobvalley «-Auswertung liegt der durchschnittliche Stundenlohn für Nebenjobs als Auslieferungsfahrer:in bei 12,40 Euro. Manche Arbeitgeber:innen zahlen demnach sogar bis zu 15,14 Euro pro Stunde.

Was man für den Job können muss

»Als Auslieferungsfahrer bin ich in unterschiedlichen Zustellbezirken von Norderstedt unterwegs, einer Stadt im Norden Hamburgs. In welchem Bezirk ich zustelle, hängt davon ab, wo gerade der Stammzusteller fehlt, den ich vertrete. Manchmal arbeite ich auch als Entlaster, dann helfe ich anderen Zustellern auf ihrer Tour und übernehme ein paar Pakete. An viele Orte komme ich so zum ersten Mal, zum Glück haben wir gute Navis.

An einem normalen Arbeitstag starte ich in der ersten Schicht um acht Uhr und bin rund acht Stunden unterwegs. Bevor ich losfahre, bekomme ich in meiner Zustellbasis gesagt, wie viele Pakete ich mitnehme. Mal sind es 80, mal über 200, etwa in der Weihnachtszeit. Aber die Anzahl sagt nicht immer etwas darüber aus, wie anstrengend die Tour wird: Bei Firmen oder großen Mietshäusern werde ich bei einem Stopp gleich mehrere Pakete los, bei Einfamilienhäusern ist der Aufwand größer. Ich darf am Tag nicht mehr als acht Stunden arbeiten – ganz selten kommt es vor, dass ich deshalb Pakete wieder mit zur Zustellbasis nehme.

Als Zusteller sollte man passabel Auto fahren können, immerhin gibt es viele enge Einfahrten und Gassen. Auch wichtig: körperlich fit zu sein. Oft muss ich in obere Stockwerke zustellen und es gibt keine Fahrstühle. Das ist anstrengend, aber nach einem Arbeitstag schaffe ich es trotzdem noch, zum Sport zu gehen.

Es passiert oft, dass Empfänger von Paketen nicht zu Hause sind. Manche haben eine Abstellgenehmigung gegeben, oder ich frage bei den Nachbarn nach, ob sie das Paket annehmen. Viele grummeln deshalb. Dabei müssen die Kunden so nicht noch länger auf ihr Paket warten. Auch für mich als Zusteller ist das besser, sonst müsste ich es in die Filiale zur Abholung bringen.

Wenn sich Leute bei mir beschweren, weil sie auf ein Paket warten, muss ich freundlich bleiben und sie beruhigen. Das gelingt mir fast immer. Wenn man dieselben Strecken öfter fährt, kennt man die Leute, das mag ich. Letztes Jahr in der Weihnachtszeit etwa schenkte ein Kunde mir Schokolade.«

Was der Job fürs Studium und den späteren Beruf bringt

»Bei meinem Informatikstudium verbringe ich viel Zeit vor dem PC und beschäftige mich mit Datenstrukturen, Algorithmen oder Programmiersprachen. Mit meinem Nebenjob hat das wenig zu tun. Doch dort lerne ich viel, was ich später sicherlich noch gebrauchen kann, etwa wie man Kunden beruhigt oder mit Kollegen zusammenarbeitet. Außerdem muss ich die Pakete pünktlich abliefern und richtig scannen. Das ist viel Verantwortung, weil die Menschen ihre Bestellungen oft dringend erwarten.

»Ich habe sogar ein paar neue Freunde über meinen Nebenjob gefunden.«

Wir fahren zwar selten zu zweit, aber morgens beladen wir alle gemeinsam unsere Fahrzeuge oder teilen uns eine Tour auf. Da ist gute Kommunikation ebenfalls wichtig. Wir sind hier in Norderstedt ein sehr internationales Team. Auch auf meiner Tour treffe ich Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen. Mir gefällt das und ich habe sogar ein paar neue Freunde über meinen Nebenjob gefunden.«

Wie findet man einen Nebenjob?
  • Wer in einem Bereich arbeiten möchte, der mit dem Studium verwandt ist, kann das über eine sogenannte Werkstudentenstelle tun. Viele Unternehmen veröffentlichen auf ihrer Website entsprechende Jobangebote. Fündig wird man auch auf Jobportalen wie Stepstone  oder Monster .

  • Auch über Aushilfs- und Minijobs kann man Geld verdienen, etwa in der Gastronomie oder im Einzelhandel. Stellen findet man etwa über Jobportale, Aushänge im Supermarkt oder das Schwarze Brett der Uni. Tipp: Kommiliton:innen oder Mitbewohner:innen fragen.

  • Wer nur hin und wieder arbeiten möchte, findet auf Plattformen wie Jobmensa , Zenjob  oder Studentjob  flexible Aushilfsjobs. Dann arbeitet man etwa einmal für einige Stunden als Nikolaus – und beim nächsten Mal an der Kasse eines Supermarkts.

Wichtig: Während des Semesters darf man in der Regel nicht mehr als 20 Stunden pro Woche arbeiten. Weitere Informationen rund um Nebenjobs im Studium gibt es hier.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels war der Vorname des Protagonisten falsch. Wir haben den Fehler korrigiert.

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