Nebenjobs, die sich lohnen – Folge eins »Ich würde den Job auch für den Mindestlohn machen«

Leonard Kotthoff arbeitet neben dem Studium als Lernbegleiter an einer Schule – und verdient damit gutes Geld. Hier erzählt er, welche Kompetenzen man mitbringen muss. Und was er für sein späteres Berufsleben lernt.
Aufgezeichnet von Dayan Djajadisastra
Lernbegleiter Kotthoff: »Das Gefühl, wirklich etwas verändern zu können«

Lernbegleiter Kotthoff: »Das Gefühl, wirklich etwas verändern zu können«

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privat

Nebenjobs, die sich lohnen

Viele Studierende in Deutschland arbeiten, um ihr Studium zu finanzieren. Cafés und Restaurants, Coronatestzentren, lokale Unternehmen: Potenzielle Arbeitgeber:innen gibt es einige. Doch welcher Nebenjob lohnt sich auch finanziell? Und was muss man dafür mitbringen? In der Reihe »Nebenjobs, die sich lohnen« gehen wir diesen Fragen nach.

Wir stellen fünf Nebenjobs vor, mit denen Studierende gutes Geld verdienen können, aber auch wertvolle Erfahrungen für ihr späteres Berufsleben sammeln. Grundlage ist eine Auswertung des Jobvermittlers »Jobvalley « aus dem Jahr 2021, für die mehr als 620.000 Jobausschreibungen analysiert wurden. Alle fünf Beispiele der Reihe gehören laut der Auswertung zu den Top 10 der durchschnittlich am besten bezahlten Jobs für Studierende.

Wer Lehramt studiert, kann mitunter schon während des Studiums in Schulen oder anderen Einrichtungen mitarbeiten. Leonard Kotthoff macht genau das: Der 28-Jährige studiert an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster im Master Lehramt für Haupt-, Real-, Sekundar- und Gesamtschule mit der Fächerkombination Deutsch und Geografie. Seit November 2021 betreut er als Lernbegleiter einen Großteil der Schüler:innen an der Sekundarschule Horstmar-Schöppingen.

Hier erzählt Kotthoff, wie viel er verdient, welche Kompetenzen es für den Job braucht und was er daraus für das spätere Berufsleben mitnimmt.

Die Entscheidung für den Job

»Nach dem Abitur habe ich zunächst einen Bachelor in Architektur gemacht. Schon während des Studiums merkte ich allerdings, dass ich nicht unbedingt dafür brenne, ich wollte einfach mehr mit Menschen arbeiten. Nach einer Phase der Umorientierung beschloss ich schließlich, Lehramt zu studieren. Mittlerweile bin ich im Master und stehe kurz vor meinem Referendariat. Ich bin mir immer noch sicher, es war die richtige Entscheidung.

Im Rahmen des Studiums absolvierte ich ein Praktikum an der Sekundarschule Horstmar-Schöppingen und blieb danach mit dem Kollegium in Kontakt. Im vergangenen November bekam ich dann das Angebot, als sogenannter Lernbegleiter einzusteigen, das Konzept wurde damals neu eingeführt. Und ich war von Anfang an mit dabei.

Mittlerweile bin ich etwa zwei- bis dreimal in der Woche vor Ort – je nachdem, wie mein Stundenplan aussieht. Pro Arbeitsstunde bekomme ich 20 Euro. Das Gehalt ist für mich aber zweitrangig, ich würde den Job auch für den Mindestlohn machen. Viel wichtiger finde ich nämlich die Möglichkeit, vor dem Referendariat Erfahrungen zu sammeln.«

Während des Studiums an Schulen arbeiten
  • Einige Schulen geben Studierenden die Möglichkeit, schon während des Studiums den Unterricht zu unterstützen oder etwa bei AGs auszuhelfen. Die Stellenausschreibungen unterscheiden sich mitunter je nach Schule. Vorherige Praktika können den Einstieg erleichtern.

  • Oft suchen Schulen Studierende aus dem Fachbereich Lehramt. Doch auch fachfremde Studierende können als Betreuer:innen im sozialen Bereich arbeiten. Stellen gibt es neben Schulen auch in Kitas, Jugendzentren oder als Tagesbetreuer:in in Unternehmen.

  • Laut »Jobvalley «-Auswertung liegt der durchschnittliche Stundenlohn im Bereich der sozialen Betreuung bei 13,52 Euro. Einige Arbeitgeber:innen zahlen demnach sogar bis zu 19,28 Euro pro Stunde.

Was man für den Job können muss

»Wir Lernbegleiter:innen gehen gemeinsam mit den Lehrkräften in den Unterricht, um diejenigen Schüler:innen zu unterstützen, die bei Aufgaben Probleme haben. In den Phasen der Einzel- oder Gruppenarbeit schauen wir ihnen über die Schulter, und wenn sie Hilfe brauchen, sind wir da. Wir fördern, aber fordern auch. Der Fokus liegt dabei natürlich auf meinen eigenen Schwerpunkten Deutsch und Geografie. Es kommt aber vor, dass ich auch mal in anderen Fächern aushelfe.

Bei der Arbeit mit Kindern muss man fair sein und möglichst sensibel. Ich habe da einen persönlichen Leitsatz, den ich mir immer wieder selbst sage: Erreichst du die Herzen der Menschen, brauchst du dich nicht mehr um die Köpfe zu sorgen.

Wichtig sind aber auch noch andere Kompetenzen: Selbstreflexion, Offenheit und aufgrund des ständigen Austauschs mit den Lehrkräften natürlich eine gewisse Kommunikationsfähigkeit.

Das Tolle an der Arbeit ist, dass die Schüler:innen durch uns eine stärkere individuelle Betreuung bekommen. Wir haben viele Geflüchtete an der Schule, auch aus der Ukraine. Da helfen wir beim DaZ-Unterricht, also Deutsch als Zweitsprache. Die unterschiedlichen Niveaus machen es da für eine einzelne Lehrkraft oft schwer.

Wenn ich mit einem Kind rede und sehe, dass es durch mich etwas verstanden hat, fühlt sich das toll an. Generell habe ich das Gefühl, in meinem Nebenjob wirklich etwas verändern zu können.«

Wie findet man einen Nebenjob?
  • Wer in einem Bereich arbeiten möchte, der mit dem Studium verwandt ist, kann das über eine sogenannte Werkstudentenstelle tun. Viele Unternehmen veröffentlichen auf ihrer Website entsprechende Jobangebote. Fündig wird man auch auf Jobportalen wie Stepstone  oder Monster .

  • Auch über Aushilfs- und Minijobs kann man Geld verdienen, etwa in der Gastronomie oder im Einzelhandel. Stellen findet man etwa über Jobportale, Aushänge im Supermarkt oder das Schwarze Brett der Uni. Tipp: Kommiliton:innen oder Mitbewohner:innen fragen.

  • Wer nur hin und wieder arbeiten möchte, findet auf Plattformen wie Jobmensa , Zenjob  oder Studentjob  flexible Aushilfsjobs. Dann arbeitet man etwa einmal für einige Stunden als Nikolaus – und beim nächsten Mal an der Kasse eines Supermarkts.

Wichtig: Während des Semesters darf man in der Regel nicht mehr als 20 Stunden pro Woche arbeiten. Weitere Informationen rund um Nebenjobs im Studium gibt es hier.

Was der Job fürs Studium und den späteren Beruf bringt

»Ich sehe den Job als wertvolle Ergänzung zu meiner universitären Ausbildung. Er gibt mir die Chance, Praxiserfahrung am Menschen zu sammeln, eins zu eins. Und das in einem relativ bewertungsfreien Raum, der nicht durch Prüfungsbedingungen und universitäre Erwartungen gestaltet ist. Dadurch wird für mich sicherlich auch der Übergang vom Master ins Referendariat leichter.

Ich kann nur jedem Studierenden ans Herz legen, nach solchen Jobs an Schulen Ausschau zu halten. Sie sind eine super Chance, die eigene Lehrerpersönlichkeit zu entwickeln. Und die Lehrkraft hat den Vorteil, dass sie ein Stück weit entlastet wird. Auch die Schulen haben also was davon.«

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