Wie steht es um den Generationenvertrag? Mehrheit der Studierenden hat Angst vor Altersarmut

Viele Studierende in Deutschland fühlen sich ungerecht behandelt, zeigt eine Umfrage – von der Politik, aber auch von der Generation ihrer Eltern. Sorgen macht ihnen nicht nur ihre finanzielle Zukunft.
Wie steht es um den Generationenvertrag? Nicht gut, glaubt man einer aktuellen Umfrage.

Wie steht es um den Generationenvertrag? Nicht gut, glaubt man einer aktuellen Umfrage.

Foto: Halfpoint Images / Getty Images

Studierende blicken pessimistisch in ihre finanzielle Zukunft: Fast Dreiviertel von ihnen glauben, dass sie nicht genügend Geld fürs Alter zurücklegen und ansparen können. Das hat eine Befragung  der Universität Maastricht im Auftrag der Jobplattform »Jobvalley« ergeben.

Demnach sind 63 Prozent der befragten Studierenden der Meinung, dass sie sich in Zukunft keine Immobilien werden leisten können. Allerdings geht nur knapp die Hälfte davon aus, dass es ihnen im Alter finanziell schlechter gehen  wird als ihren Eltern. 56 Prozent sind ihren Eltern trotz der Sorgen für ihren aktuellen Wohlstand dankbar.

Details zur Befragung

Wer hat die Studie erstellt?

Die Jobplattform »Jobvalley« zusammen mit dem Institut für Arbeitsökonomie der niederländischen Universität Maastricht. Es handelt sich um eine repräsentative Sonderauswertung der Studienreihe »Fachkraft 2030«.

Wer wurde dafür befragt?

Für die Studie wurden deutschlandweit im September 2021, zu Beginn des Wintersemesters, rund 10.000 Studierende online über die Seite jobmensa.de  befragt.

Wie wurde befragt?

Die Studierenden bekamen Aussagen vorgelegt. Sie konnten diese mit einer vierstufigen Skala bewerten – also ihnen zum Beispiel jeweils zustimmen, eher zustimmen, eher nicht zustimmen oder gar nicht zustimmen.

Die Studierenden wurden insbesondere nach ihrer Haltung zum Generationenvertrag befragt – also einem unausgesprochenen Solidarvertrag zwischen den jungen und alten Generationen. Die Antworten lassen darauf schließen, dass sie Deutschland als sehr ungerecht wahrnehmen. Und zwar nicht nur mit Blick auf ihre finanzielle Situation, sondern auch auf die Bereiche Klima, Mitbestimmung und Arbeit:

  • 82 Prozent der Befragten denken der Umfrage zufolge, dass sich ihre Elterngeneration zu wenig um den Klimaschutz gekümmert hat. Unter den Studentinnen sind es sogar 86 Prozent, die dieser Aussage eher oder voll zustimmen. Unter den Studenten nur 77 Prozent.

  • Auch beim Thema Mitbestimmung gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern. 84 Prozent der befragten Frauen schließen sich der Aussage an, dass es nicht richtig ist, »wenn wichtige Zukunftsfragen maßgeblich von älteren Generationen entschieden werden«. Bei den Männern sind es 73 Prozent.

  • Fast vier von fünf Befragten sehen derzeit, dass die ältere Generation bei Wahlen begünstigt wird, weil sie einen großen Teil der Bevölkerung ausmacht.

  • 86 Prozent der Befragten stimmten der Aussage zu, dass sich junge und ältere Arbeitnehmende am Arbeitsplatz mehr auf Augenhöhe begegnen sollten.

Die Befragung fand noch vor dem Ausbruch des Ukrainekrieges statt. Die Auftraggeber:innen gehen davon aus, dass sich das Stimmungsbild seitdem noch verschlechtert haben dürfte, da zum Beispiel die Bekämpfung des Klimawandels weiter in den Hintergrund gerückt sei.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Sie bezeichnen die Ergebnisse ihrer Befragung als »alarmierend«. Die Studierenden hätten große Sorgen und ein Gefühl der Ungerechtigkeit mit Blick auf so wichtige gesellschaftliche Aspekte wie den Klimawandel, politische Mitbestimmung, Wohlstand und Arbeit. Gleichzeitig verspürten sie eine gewisse Ohnmacht gegenüber der Politik.

kah
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.