Studienfächer erklärt Was ich als Erstsemester gern über Architektur gewusst hätte

Architekt:innen zeichnen Häuser am Computer. Müssen sie das schon im Studium können? Und wie viel Mathe brauchen sie? Student Christopher Ehlers gibt Antworten.
Aufgezeichnet von Helen Hahne
Architekt:innen zeichnen Gebäude – wie das geht, lernen sie im Studium (Symbolbild)

Architekt:innen zeichnen Gebäude – wie das geht, lernen sie im Studium (Symbolbild)

Foto: zeljkosantrac / E+ / Getty Images
Studienfächer erklärt

In der Reihe »Studienfächer erklärt« stellen wir die 30 beliebtesten Studienfächer in Deutschland vor – von Betriebswirtschaftslehre auf Platz 1 bis Wirtschaftsrecht auf Platz 30. Wie viele Studierende an deutschen Hochschulen in welchem Fach eingeschrieben sind, ermittelt das Statistische Bundesamt einmal im Jahr . Unser Ranking bezieht sich auf die Zahlen für das Wintersemester 2019/2020, die beiden Fächer »Wirtschaftsingenieurwesen mit ingenieurwissenschaftlichem Schwerpunkt« und »Wirtschaftsingenieurwesen mit wirtschaftswissenschaftlichem Schwerpunkt« haben wir zusammengefasst.

Architekt:innen entwickeln unsere Städte weiter, erhalten denkmalgeschützte Gebäude und versuchen, architektonische Antworten auf drängende Fragen unserer Zeit zu finden: Wie werden unsere Gebäude nachhaltiger? Wie können wir den begrenzten Platz in Städten für Wohnraum sinnvoll nutzen? Das machen sie zum Beispiel als Stadtplaner:innen, in Denkmalschutzämtern und Architekturbüros.

Christopher Ehlers, 25, studiert Architektur im sechsten Semester an der TU Dresden, zuvor hat er dort bereits drei Jahre Maschinenbau studiert. Hier erzählt er, was ihn zum Wechsel bewegt hat, wie man die vielen Deadlines meistert und warum fast niemand in Regelstudienzeit fertig wird – und das auch gut so ist.

Die Entscheidung für Architektur

»Nach dem Abitur habe ich zunächst drei Jahre Maschinenbau studiert. Aber eigentlich wäre Architektur von Anfang naheliegender gewesen: Mein Opa war Architekt, und ich komme aus einem künstlerischen Haushalt. Irgendwann habe ich mir eingestehen müssen, dass auch ich ein kreativer Geist bin. Also schrieb ich mich für Architektur ein.

Vor dem Start hatte ich ein Praktikum im Bauingenieursbüro gemacht, die Arbeit der Architekten fand ich am spannendsten. So ein Praktikum an einer möglichen späteren Arbeitsstelle würde ich allen angehenden Studierenden empfehlen, um bei der Studienwahl wirklich sicherzugehen.

An der TU Dresden muss man keine Bewerbungsmappe abgegeben, und der Studiengang ist zulassungsfrei. Das ist aber von Uni zu Uni unterschiedlich. An unserer Uni ist Architektur außerdem noch ein Diplomstudiengang, man studiert also elf Semester am Stück.«

Formale Voraussetzungen für ein Architekturstudium:

  • Architektur wird sowohl an Universitäten als auch an (technischen) Fachhochschulen angeboten. An Universitäten wird in der Regel das Abitur  oder die fachgebundene Hochschulreife vorausgesetzt, an Fachhochschulen genügt das Fachabitur.

  • Ob es eine Zulassungsbeschränkung (NC)  gibt, variiert von Hochschule zu Hochschule.

  • An einigen Hochschulen erfolgt die Zulassung außerdem über ein Auswahlverfahren , zum Beispiel über den Nachweis eines Vorpraktikums oder die Einreichung einer Bewerbungsmappe mit eigenen Zeichnungen. Für die Erstellung einer solchen Mappe kann es sich lohnen, einen sogenannten Mappenkurs zu besuchen. Was alles in eine Bewerbungsmappe gehört, hängt von der Hochschule ab. Welche Anforderungen gestellt werden, kannst du dir zum Beispiel auf der Seite der FH Münster  anschauen.

Was man sonst noch mitbringen sollte: Begeisterung für den gesamten Entwicklungsprozess eines Hauses – zum Architekturstudium gehören auch Materialkunde, Baurecht und Architekturgeschichte.

Inhalt und Aufbau des Studiums

»Wir belegen Module, die in der Regel Vorlesungen und regelmäßige Übungen umfassen. Am Ende steht eine Klausur oder eine Mappenabgabe mit Entwürfen. Das Studium an der TU Dresden ist interdisziplinär ausgerichtet, auch Innenarchitektur spielt eine Rolle. Wenn man zum Beispiel ein Krankenhaus entwirft, beschäftigt man sich auch damit, wie die Wände gestrichen sein müssen, damit die Menschen sich dort wohlfühlen.

Etwas trocken sind Module wie Bauklimatik, Tragwerkslehre und Bauökonomie. Dort lernt man, wie man die technisch notwendigen Berechnungen für einen Entwurf durchführt. Daneben gibt es zahlreiche künstlerische Module wie Gestaltungslehre, Darstellungslehre oder Kunstkurse wie Aktzeichnen. In Gestaltungslehre lernen wir den Umgang mit Farben und Proportionen, in Darstellungslehre üben wir, unsere Ideen schnell und einfach aufs Papier zu bringen.«

»Entwürfe sind der Kern unseres Studiums und können je nach Aufgabe ein paar Stunden oder das ganze Semester in Anspruch nehmen, inklusive Nachtschichten vor der Abgabe. Man denkt den Bau eines Gebäudes oder auch eines ganzen Stadtteils von Anfang bis Ende durch. Am Computer erstellt man zweidimensionale Pläne und 3D-Visualisierungen.

Noten sind bei uns egal. Am Ende des Studiums ist es vor allem wichtig, ein möglichst vielseitiges Portfolio an Entwürfen zu haben. Das schafft man meist nicht in Regelstudienzeit. Wer in Regelstudienzeit studiert, studiert falsch. Das sagen einem selbst renommierte Architekten oder Professorinnen. Man muss sich mit der Materie intensiv auseinandersetzen, das braucht eben Zeit – reinkommen, eintauchen, verstehen.«

Typische Pflichtfächer: Architektur und Gebäudeplanung, Architektur und Konstruktion, Entwerfen, Gebäudelehre, Gebäudetechnologie, Gestalten und Darstellen, Grundlagen der Stadt- und Landschaftsplanung, Grundlagen der Tragwerklehre und Baustoffkunde, Konstruktion, Kulturelle und historische Grundlagen, Normen, Recht, Verfahren, Planungsmethodik, Soziologie, Geschichte und Theorie der Architektur

Mögliche Schwerpunkte: Denkmalpflege, Städteplanung, Freiraum- und Grünplanung, Kunst- und Kulturgeschichte, Holzbau, Stahlbau

»Studieninteressierte fragen mich: Muss man zeichnen können? Muss man besonders kreativ sein? Muss man Mathe können? Ich kann sagen: Nein, weil man es im Studium lernt, auch die Kreativität. Meiner Meinung nach reicht es, wenn man Vierecke und Linien zeichnen kann. Viel wichtiger finde ich es, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen und sich viele Häuser anzuschauen. Und man muss bereit sein, viel Zeit vor dem Computer zu verbringen.

Bei uns gibt es viele Gruppenarbeiten und viel Austausch mit den Dozierenden, sogenannte Konsultationen – zurzeit leider nur digital. Regelmäßig stellen wir ihnen unsere Entwürfe vor und diskutierten darüber: Fügt sich das Gebäude gut in die Umgebung ein? Ist Beton das passende Material? Bietet der Innenraum eine passende Atmosphäre für die geplante Nutzung? Zusätzlich zum Semesterbeitrag braucht man schätzungsweise noch 250 Euro für Materialien – Cutter, Stifte und Ausdrucke von Plänen.«

Berufsaussichten nach dem Studium

»Bei uns kann man einen Schwerpunkt wählen und seinen Abschluss entweder in Städtebau oder Architektur erlangen – beim einen geht es um die Planung von Stadtteilen und öffentlichen Räumen, beim anderen um ein einzelnes Gebäude. Ich tendiere zu einem Abschluss in Architektur.

Erst einmal erscheint es simpel: Wer Architektur studiert, arbeitet in den allermeisten Fällen als Architekt oder Architektin. Ich selbst möchte auch ganz klassisch in einem Architekturbüro arbeiten. Allerdings weiß ich noch nicht, ob ich mich in einem kleinen Büro mit etwa zehn Mitarbeitenden oder bei einem ›Global Player‹ bewerben werde. Ich schließe auch nicht aus, mich selbstständig zu machen. Das wäre allerdings die unsicherste Entscheidung. Wer Stabilität möchte, dem würde ich davon abraten.«

Branchen und Gehälter:

Nach dem Architekturstudium können Absolvent:innen unter anderem in Architekturbüros, der Stadt- oder Landschaftsplanung oder der Energieberatung arbeiten. Wer einen dieser Berufstitel tragen möchte, muss in Deutschland in die Berufskammer  aufgenommen werden. Die Mitgliedschaft bescheinigt ein hohes Ausbildungs- und Qualitätsniveau und dient als eine Art Gütesiegel  für mögliche Auftraggeber:innen. Dafür braucht man ein mindestens vierjähriges Studium und mindestens zwei Jahre Berufserfahrung.

Berufseinsteiger:innen bekommen laut Stepstone-Gehaltsreport  einen Einstiegslohn von 37.769 Euro brutto pro Jahr.