Jeannine Budelmann

Im Studium ins Ausland Warum (und wie) in die Ferne schweifen

Jeannine Budelmann
Eine Kolumne von Jeannine Budelmann
Auslandserfahrung sei für den Lebenslauf unverzichtbar, hört man immer wieder. Aber was genau soll so eine Station eigentlich aussagen – und wie gestalte ich die Zeit so, dass sie mich beruflich weiterbringt?
Muss ich ins Ausland und wenn ja, wie gestalte ich den Aufenthalt am besten? (Symbolbild)

Muss ich ins Ausland und wenn ja, wie gestalte ich den Aufenthalt am besten? (Symbolbild)

Foto: We Are / Getty Images

Neulich war ich als Unternehmerin in einem Austauschformat mit Studierenden zu Gast. Ein Student der Wirtschaftsinformatik fragte mich, ob er noch einmal ins Ausland sollte, er hätte das Gefühl, dass es wichtig sei. Was ich später erst herausfand: Er hatte bereits fünf Auslandsaufenthalte während seines Studiums absolviert!

Onboarding – die Kolumne zum Berufseinstieg

Aller Anfang ist schwer. Das gilt für Beziehungen, Umzüge und natürlich auch den Berufseinstieg. Wie etabliere ich mich im Team, ohne mich selbst aufzugeben? Wie beweise ich, was ich draufhabe, ohne die Ellenbogen auszufahren? Und ab wann kann ich eigentlich ein Sabbatical verlangen?

Über diese und ähnliche Themen schreibt in dieser Kolumne Jeannine Budelmann, Jahrgang 1986. Sie ist kaufmännische Geschäftsführerin von Budelmann Elektronik, einem Unternehmen, das industrielle Elektronik entwickelt und herstellt. Außerdem berät sie als Coachin bei Problemen im Berufsleben.

Dass fünf Auslandsaufenthalte ausreichen, dürfte klar sein. Aber wofür steht ein Auslandsaufenthalt im Lebenslauf eigentlich – und wie gestalte ich ihn so, dass er auch aus beruflicher Perspektive Sinn ergibt?

Warum überhaupt ins Ausland?

Sowohl als Arbeitgeberin als auch persönlich finde ich, dass sich ein Auslandssemester lohnen kann. Die Erfahrung, sich im Ausland integrieren zu müssen, hilft auch nach der Rückkehr enorm weiter.

Mit einem erfolgreichen Auslandssemester signalisiert man potenziellen Arbeitgebern: Ich bin in der Lage, mich schnell und gut in neuen Umgebungen zurechtzufinden. Wer sich im Ausland gut integriert, wird sich auch in einem neuen Unternehmen besser ins Team einfügen können.

Außerdem schätzen Arbeitgeber es, wenn Mitarbeitende Erfahrungen haben, die nicht unbedingt zum Standard gehören, und diese dann später ins Berufsleben einbringen können. Ob das später bedeutet, eine Unternehmensexpansion ins Ausland zu begleiten oder ein Willkommensprogramm für internationale Kund:innen zu organisieren – Auslandserfahrung ist breit einsetzbar.

Damit das auch wirklich gelingt, sollte die Zeit im Ausland aber nicht bloß als Party-Auszeit verstanden werden. Natürlich sollte der Spaß nicht zu kurz kommen. Aber um persönlich und im Hinblick auf den Lebenslauf zu profitieren, sollte man ein paar Dinge beachten, bevor und während man im Ausland studiert.

Eine Stadt oder eine Uni aussuchen, die mich wirklich interessiert

Einfach irgendwohin zu gehen, um mal im Ausland gewesen zu sein, ist wenig sinnvoll. Das Zielland nach vermeintlichem Prestige auszuwählen, ist ebenfalls Quatsch – ein halbes Jahr China ist nicht beeindruckender als ein halbes Jahr Frankreich. Stattdessen sollte echtes Interesse im Vordergrund stehen. Wer sich ehrlich für seine Umgebung interessiert, wird eher die Sprache lernen und sich mit den kulturellen Eigenheiten des jeweiligen Landes auseinandersetzen.

Im Voraus mit dem Land beschäftigen

Gegen Ende meines Studiums verbrachte ich ein paar Wochen in China. Ich hatte bereits mehrere Jahre Studium der chinesischen Sprache und Kultur hinter mir – und dennoch erfuhr ich einen echten Kulturschock. Denn mit der aktuellen politischen und sozialen Situation in dem Land hatte ich mich im Vorhinein kaum beschäftigt. Ich habe die Zähne zusammengebissen und bin geblieben, aber leicht war es nicht. So schlimm muss es nicht unbedingt kommen. Aber ein Kulturschock kann selbst hart gesottene Studierende früher nach Hause ziehen als ursprünglich geplant. Und das wäre schade, sowohl um wertvolle Erfahrungen als auch um die notwendigen Lernnachweise.

Von anderen Austauschstudierenden fernhalten

Nur mit anderen Gaststudierenden oder gar ausschließlich mit Deutschen Zeit zu verbringen, behindert die Integration. Als ich anderthalb Jahre in Frankreich studierte, habe ich mir einen Chor gesucht. Wir haben nicht besonders gut gesungen. Aber die Chormitglieder nahmen mich unter ihre Fittiche und gewährten mir Einblicke in das echte französische Leben – ich lernte viel über Essen, Wein, Musik und Politik. Als ich später beruflich mit Franzosen und Französinnen zu tun hatte, ist mir dieses Wissen sehr zugutegekommen: Mir war zum Beispiel klar, dass auch ein berufliches Mittagessen mit ihnen niemals in einer halben Stunde erledigt wäre.

Die Regelstudienzeit im Auge behalten

Meist erkennt die heimische Hochschule nicht alle Veranstaltungen aus dem Ausland an. Je früher sich Austauschstudierende mit dem Curriculum im Ausland beschäftigt, desto besser können sie ihre Studienplanung anpassen. Learning Agreements sollte man am besten frühzeitig abschließen und möglichst viele Fächer, die sich anerkennen lassen, für die Zeit des Auslandssemesters einplanen. Im Idealfall verlängert sich die Regelstudienzeit durch den Auslandsaufenthalt so nicht – das macht dann im Lebenslauf noch mehr Eindruck.

Wer diese Tipps beherzigt, kommt mit neuen Erfahrungen und Wissen nach Hause. Manches, wie beispielsweise die Sprache, wird man vielleicht beruflich nutzen können. Andere Dinge, wie neue Freundschaften oder Rezepte, bereichern vor allem persönlich.

Auch bei Auslandsaufenthalten gilt: Qualität vor Quantität. Ich muss nicht fünf verschiedene Länder bereist haben. Es reicht völlig aus, wenn ich in einem Land Kontakte gefunden und Sprache und Kultur kennengelernt habe.

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