»Noch nie schwieriger« Unternehmen klagen über Azubi-Mangel

Viele Betriebe finden keinen Nachwuchs, die Folgen der Coronakrise sind laut einer Umfrage noch immer zu spüren. Ein Unternehmen freut sich hingegen über eine Rekordzahl an Bewerbungen.
Auszubildende in einem Betrieb in Oberhausen (Symbolbild): Unternehmen suchen händeringend nach guten Bewerbern

Auszubildende in einem Betrieb in Oberhausen (Symbolbild): Unternehmen suchen händeringend nach guten Bewerbern

Foto: Rupert Oberhäuser / picture alliance

Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt hat sich aus Sicht des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) noch einmal verschärft. Noch nie sei es für Betriebe schwieriger gewesen, geeignete Azubis zu finden, sagte ein Sprecher mit Blick auf die Ergebnisse einer Erhebung unter bundesweit rund 15.000 Ausbildungsbetrieben.

42 Prozent von ihnen hätten im vergangenen Jahr nicht alle angebotenen Ausbildungsplätze besetzen können – ein Allzeithoch. 2018 hatte der Wert bei 32 Prozent gelegen.

Unternehmen versuchen es mit Anreizen

Von diesen 42 Prozent der Unternehmen habe mehr als jedes dritte keine einzige Bewerbung erhalten, hieß es weiter. Durch coronabedingte Einschränkungen  seien Berufsorientierung, Berufsberatung und Ausbildungsplatzsuche weiterhin erheblich erschwert. Dazu komme die demografische Entwicklung. »Die Bewerbersituation spitzt sich zu«, sagte der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks am Donnerstag in Berlin. Das könne man beschreiben mit dem Satz: »Ausbildungsplatz sucht Azubi.«

Viele Firmen reagieren auf den Mangel an Bewerber:innen, indem sie versuchen, ihre Ausbildung attraktiver zu gestalten. Dies gaben mehr als die Hälfte der Unternehmen in der DIHK-Umfrage an. Sie setzen demnach auf flache Hierarchien (58 Prozent), moderne IT-Technik (51 Prozent), finanzielle Anreize (37 Prozent) oder Projekte für Azubis (26 Prozent).

Auch Statistisches Bundesamt verzeichnet keinen echten Aufwärtstrend

Nach vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes  aus dem April haben im vergangenen Jahr rund 467.100 Personen in Deutschland einen neuen Ausbildungsvertrag in der dualen Berufsausbildung abgeschlossen. Das waren 0,3 Prozent mehr als im Vorjahr, das aufgrund der Coronapandemie mit 465.700 Ausbildungsverträgen einen historischen Tiefstand verzeichnet hatte.

Eine positive Entwicklung konnte hingegen die Deutsche Bahn (DB) verzeichnen. Nach Angaben des Unternehmens haben sich so viele junge Menschen wie nie für das neue Ausbildungsjahr beworben. 115.000 Bewerbungen seien eingegangen und damit 15 Prozent mehr als vor zwei Jahren, sagte DB-Personalchef Martin Seiler der Nachrichtenagentur AFP. »Insgesamt 5200 Nachwuchskräfte sollen in diesem Jahr im DB-Konzern mit ihrer Ausbildung, ihrem Studium oder einer Qualifizierung beginnen – das ist ebenfalls ein Rekord.«

Die DB habe etwa bereits 2018 Anschreiben für Ausbildungsplätze abgeschafft, um die Bewerbung einfacher zu machen. Aber trotz steigender Bewerberzahlen sei es auch für die Bahn schwierig, alle Stellen zu besetzen. In einzelnen Bereichen gibt es nach Angaben des Konzerns noch freie Ausbildungsplätze, etwa für die Berufe Fahrdienstleiter:in und Gleisbauer:in.

Die Bahn bietet rund 50 Ausbildungsberufe und 25 duale Studiengänge an, insgesamt arbeiten bei dem Konzern rund 200.000 Menschen.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes hieß es, dass mehr als ein Drittel der befragten Unternehmen keine einzige Bewerbung erhalten habe. Tatsächlich bezieht sich die Angabe nur auf die Unternehmen, die nicht alle angebotenen Ausbildungsplätze besetzen konnten.

kah/AFP/dpa
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