Studienfächer erklärt Was ich als Erstsemester gern über Bauingenieurwesen gewusst hätte

Bauingenieure sind dafür verantwortlich, dass ein Gebäude auch stehen bleibt. Aber lernt man das in der Praxis oder an der Uni? Studentin Sophie Dott erklärt ihr Fach.
Aufgezeichnet von Lisa Srikiow
Bauingenieure arbeiten auch an der Entstehung von Windparks mit (Symbolbild)

Bauingenieure arbeiten auch an der Entstehung von Windparks mit (Symbolbild)

Foto: Giorgio Fochesato / Westend61 / imago images
Studienfächer erklärt

In der Reihe »Studienfächer erklärt« stellen wir die 30 beliebtesten Studienfächer in Deutschland vor – von Betriebswirtschaftslehre auf Platz 1 bis Wirtschaftsrecht auf Platz 30. Wie viele Studierende an deutschen Hochschulen in welchem Fach eingeschrieben sind, ermittelt das Statistische Bundesamt einmal im Jahr . Unser Ranking bezieht sich auf die Zahlen für das Wintersemester 2019/2020, die beiden Fächer »Wirtschaftsingenieurwesen mit ingenieurwissenschaftlichem Schwerpunkt« und »Wirtschaftsingenieurwesen mit wirtschaftswissenschaftlichem Schwerpunkt« haben wir zusammengefasst.

Ohne Bauingenieurinnen und Bauingenieure entstünden keine Fabriken, Abwassersysteme oder Windparks. Sie berechnen die Statik, wählen die richtigen Materialien aus oder vermessen das Baugelände. Sie sind aber auch für die Organisation von Bauprojekten zuständig, kalkulieren das benötigte Material und stellen es bei ihren Auftraggebern in Rechnung.

Sophie Dott ist 24 Jahre alt und studiert Bauingenieurwesen auf Bachelor an der Universität Siegen. Sie erklärt, warum sie sich am Anfang bei ihrer Mutter über das Studium beschwerte, was sie bei einem Praktikum im Straßenbau gelernt hat und warum sie sich auf Umweltingenieurwesen spezialisieren will.

Die Entscheidung für Bauingenieurwesen

»Als Bauingenieurin kann ich meine gesamte Umwelt mitgestalten – seien es Gebäude, Straßen, Tunnel oder Brücken. Diese Tatsache ist mir nach dem Infotag an der Hochschule und einer Berufsberatung im Gedächtnis geblieben und hat mich beeindruckt. Dass ich etwas Technisches studieren wollte, war mir ohnehin klar. Ich hatte Physik und Mathe als Leistungskurse, das hat mir immer schon Spaß gemacht. Ich habe mich einfach ins Studium gestürzt – und das hat sich bewährt.

Um an Insiderinfos zum Studium zu kommen, kann ich empfehlen, schon vorher Kontakt zu Studierenden der Wunschhochschule aufzunehmen. Sie können einem den besten Einblick ins Studium geben. Am einfachsten ist es, die Fachschaft anzuschreiben, viele haben auch ihre eigenen Social-Media-Kanäle.«

Formale Voraussetzungen für ein Studium in Bauingenieurwesen:

  • Wer an einer Universität studieren möchte, braucht in der Regel das Abitur  oder die Fachgebundene Hochschulreife – für Fachhochschulen genügt die Fachhochschulreife. An vielen Hochschulen und Universitäten kann man das Fach zulassungsfrei studieren .

  • Oft ist ein Vorpraktikum  Pflicht, während des Studiums ist ein weiteres Praktikum zu absolvieren.

Was man sonst noch mitbringen sollte: Bauingenieure brauchen räumliches Vorstellungsvermögen, um ihre Projekte zu entwerfen und umzusetzen. Wichtig sind außerdem ein gutes Verständnis für Mathematik und Naturwissenschaften sowie Kommunikations- und Teamfähigkeit, um erfolgreich mit Handwerkerinnen, Behörden und anderen Interessenvertretern zusammenzuarbeiten.

Inhalte und Aufbau des Studiums

»Um Mathe kommt man nicht herum, das Fach begleitet einen durch das ganze Studium. Außerdem hört man am Anfang Vorlesungen wie Mechanik, Bauphysik und Informatik, die ganzen Grundlagen eben. Später kommen Verkehrswesen, Wasserbau, Statik und weitere Fächer aus dem konstruktiven Ingenieurbau dazu.

Zu Beginn musste ich mich an die Masse an Input gewöhnen. Ich weiß noch, wie ich mich bei meiner Mutter beschwerte: ›Zuhören, mitschreiben und mitdenken gleichzeitig – wie soll man das alles schaffen?‹ Aber man wächst mit seinen Aufgaben.«

Typische Pflichtfächer: Baustatik, Mechanik, Baustoffe, Geotechnik, Hochbaukonstruktion, Holzbau, Massivbau, Mathematik

Mögliche Wahlbereiche: Umweltingenieurwesen, Hochbau, Wasserbau, Verkehrswesen

Einen beispielhaften Studienverlauf gibt es auf der Website der RWTH Aachen .

»Bauingenieurwesen ist wirklich vielfältig: Im Studium, oder dann im Berufsleben, untersucht man zum Beispiel Wasserströmungen, um Wasserkraftanlagen oder Staudämme zu bauen. Oder man entwirft mithilfe von Geoinformationssystemen und Geodaten 3D-Modelle eines Geländes. Gebäude, Brücken oder sonstige Tragwerke zu konstruieren, ist ebenfalls ein großes Thema.

Man sollte ein gewisses Organisationstalent mitbringen. Denn egal, welches Bauprojekt man später verantwortet, man muss den Überblick behalten und dafür sorgen, dass es wie geplant abgeschlossen wird.

Dafür braucht man Soft Skills wie Teamfähigkeit oder Zeitmanagement. Die sind übrigens meist nicht Teil des Studiums, obwohl sie genauso wichtig sind wie die Hard Skills. Deshalb engagiere ich mich zusätzlich ehrenamtlich im Verein Deutscher Ingenieure. Zum Beispiel organisiere ich Events unseres Verbands in bundesweiten Projektgruppen. Solch ein Netzwerk ist sehr hilfreich für die berufliche Zukunft. Sich auch abseits des Studiums in seinem Fachbereich einzusetzen, kann ich jedem nur ans Herz legen.«

Berufsaussichten nach dem Studium

»An meinem Studium gefällt mir, dass es so abwechslungsreich ist. Man sitzt nicht nur im Hörsaal, sondern arbeitet auch im Labor, macht Feldversuche und geht auf Exkursion. Praxiserfahrung neben dem Studium zu sammeln, finde ich sehr wichtig. In meinem Grundpraktikum habe ich als Tief- und Straßenbauerin gearbeitet und später Praktika beim Bauamt und in Ingenieurbüros gemacht. Mittlerweile arbeite ich als Werkstudentin bei einem Bauunternehmen in der Bauleitung.«

»Wie bei fast allen Studiengängen ist man sehr breit aufgestellt, deshalb muss man sich frühzeitig Gedanken machen, in welche Richtung es einen zieht. Ich habe mich für einen Master im Umweltingenieurwesen entschieden. Mich interessiert besonders das Zusammenspiel aus Ökologie und Technik, wie man nachhaltig mit den Ressourcen Boden und Wasser umgeht oder die Abfall- und Kreislaufwirtschaft am Bau vernünftig managt. Themen rund um ökologische Nachhaltigkeit werden immer präsenter, auch auf dem Bau.«

Branchen und Gehälter:

Bauingenieurinnen arbeiten entweder auf Arbeitnehmerseite und realisieren große Bauvorhaben oder überprüfen diese als Mitarbeiter eines Bauamtes. Sie können aber auch Gutachten erstellen oder als Sachverständige arbeiten.

Berufseinsteiger verdienen laut Stepstone-Gehaltsreport  ein durchschnittliches Jahresgehalt von 48.782 Euro brutto. Weitere Informationen gibt das Portal des Hauptverbands der Bauindustrie .

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