Berufseinstieg als Bäckerin »Mein Deutsch war nicht perfekt, aber meine Hände waren umso geschickter«

Malika Boymirzoeva hasste es, früh aufzustehen. Hier erzählt sie, warum sie ihren Job in einer Bäckerei trotzdem liebt, welches Gebäck sie in Deutschland vermisst und worauf es beim Croissantteig ankommt.
Aufgezeichnet von Anne Baum
Bäckerin Boymirzoeva: »Ausschlafen kann ich ja, wenn ich freihabe«

Bäckerin Boymirzoeva: »Ausschlafen kann ich ja, wenn ich freihabe«

Foto: Oksana Nitschmann

Der Start ins Arbeitsleben ist aufregend, anstrengend – und oft ganz anders als geplant. In der Serie »Mein erstes Jahr im Job« erzählen Berufseinsteiger:innen, wie sie diese Zeit erlebt haben. Diesmal: Malika Boymirzoeva, 26, arbeitet in einer Bäckerei, die sich auf Printen spezialisiert hat.

Mein erstes Jahr im Job

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»Mein Herz schlägt schon lange für Gebäck und Torten, mit 15 backte ich fast täglich für meine Familie und Freund:innen, am liebsten mochten sie meine Himbeer-Schoko-Torte mit Biskuitboden. Nach dem Abitur studierte ich meinem Vater zuliebe zwar BWL. Losgelassen hat mich meine Leidenschaft fürs Backen aber nicht: Ich besuchte nebenbei Konditorei-Kurse und eröffnete irgendwann mit meiner Schwester eine kleine Bäckerei in meiner Heimatstadt Duschanbe in Tadschikistan.

Zugegeben: Sie lief nicht besonders gut. Es ist schwer, genügend Backwaren zu verkaufen, um Gewinn zu machen. Und wir hatten auch keinen sonderlich eindrucksvollen Namen gewählt, unser Laden hieß einfach ›Bakery‹.

Als mein Mann 2018 zum Studieren nach Aachen ging, zog ich mit ihm dorthin. Auf dem Weg zum Deutschkurs lief ich jeden Morgen an einer Bäckereifiliale vorbei und verliebte mich buchstäblich in den Namen: Nobis. In Aachen kennen ihn alle, er steht für die lange Tradition der Bäckerfamilie – und für die Aachener Printen, längliche Lebkuchen, die von hier in die ganze Welt verschickt werden. Als ich sie das erste Mal probierte, dachte ich: Na ja, die schmecken nur so mäßig. Aber inzwischen liebe ich Printen und esse sie das ganze Jahr.

Damals beschloss ich: Bei Nobis will ich meine Ausbildung machen. Auf der Website entdeckte ich tatsächlich freie Ausbildungsstellen. Also schrieb ich mithilfe meiner Deutschlehrerin eine Bewerbung. Zwei Monate lang hörte ich nichts. Dann aber wurde ich zum Probearbeiten eingeladen – und bekam den Platz.

Acht Brote, Brötchen, eine Torte – in nur sieben Stunden

In der Ausbildung lernte ich, wie man die Menge der Zutaten für einen Blätterteig berechnet, Hygieneregeln einhält und die Maschinen zum Backen der Printen bedient. Für die Abschlussprüfung musste ich acht Brote, 60 Brötchen, Kleingebäck wie Croissants und Blätterteig-Stückchen und eine Torte für einen Kindergeburtstag backen. Und das in nur sieben Stunden! Das war eine Herausforderung, aber ich habe es geschafft. Mein Deutsch war nicht perfekt, aber meine Hände waren umso geschickter.

Jetzt arbeite ich als Gesellin in meinem Ausbildungsbetrieb, im Oktober fange ich meinen Meister an. Aktuell verdiene ich rund 2400 Euro brutto pro Monat.

Eigentlich bin ich eine Langschläferin, jetzt muss ich schon um 5 Uhr auf der Arbeit sein. Dafür riecht es in der Backstube wunderbar nach frischem Brot, Brötchen und Printen. Und ich liebe es, kreativ zu sein, etwa, wenn ich die Printen verziere. An das frühe Aufstehen habe ich mich inzwischen gewöhnt, ich genieße es, so mehr vom Tag zu haben. Und ausschlafen kann ich ja, wenn ich freihabe.

»An das frühe Aufstehen habe ich mich inzwischen gewöhnt, ich genieße es, so mehr vom Tag zu haben.«

Gewöhnen musste ich mich auch an die Gebäcke. In meiner Heimat Tadschikistan verkaufte ich viel Sambusa, das ist ein dreieckiges Gebäck mit Hackfleischfüllung. So etwas gibt es Deutschland nicht. Stattdessen lernte ich hier, wie man Croissants herstellt. Sie sind besonders anspruchsvoll. Der Teig darf nicht zu weich und nicht zu fest sein, außerdem muss die Temperatur im Ofen genau stimmen – sonst sind die Croissants an den Spitzen verbrannt und in der Mitte noch roh.

Anderen Azubis bei der Prüfungsvorbereitung helfen

Bei uns wird aber nicht nur gebacken, wir haben auch neun verschiedene Geschmacksrichtungen von Schokoladen im Sortiment, von Himbeere bis Ingwer. Meine Aufgabe ist es, die Kuvertüre auf die richtige Temperatur zu erhitzen – das ist wichtig, damit die Oberfläche später nicht weißlich ist, sondern glänzend. Danach gieße ich sie auf ein Formblech, ergänze die Aromen und schneide die fertige Schokolade nach dem Abkühlen in gleich große Stücke.

Seit ich meinen Gesellenbrief habe, helfe ich außerdem den Auszubildenden im ersten und zweiten Lehrjahr bei der Vorbereitung auf ihre Zwischenprüfungen. Einmal im Monat backen wir zusammen und ich zeige ihnen, wie man schneller Croissants formt oder Brotteig richtig knetet. Mir gefällt das sehr. Die Azubis freuen sich, leckeres Brot oder knusprige Brötchen zu backen, und mich macht es glücklich, es ihnen beizubringen. Sobald ich meinen Meister habe, werde ich offiziell als Ausbilderin arbeiten und sie durch die ganze Ausbildung begleiten.

Meinen Traum, meine Werke selbst zu verkaufen, habe ich nie aufgegeben: Seit elf Monaten habe ich eine eigene Instagramseite für meine Torten. Ein paar Bestellungen gab es bereits.«

Wie wird man Bäcker:in?

Wer Bäcker:in werden möchte, muss eine dreijährige duale Ausbildung absolvieren. Im Betrieb lernen die Auszubildenden das praktische Handwerk, also etwa, wie man verschiedene Teigsorten anrührt oder Gebäckstücke herstellt. An der Berufsschule haben sie Unterricht in allgemeinbildenden Fächern wie Sozialkunde sowie zu berufsspezifischen Inhalten, etwa dem Anrichten von Desserts.

Fertig ausgebildete Bäcker:innen arbeiten beispielsweise in Bäckereien oder in der Gastronomie. Laut der Jobplattform Gehalt.de  verdienen sie durchschnittlich zwischen 26.300 und 33.500 Euro brutto im Jahr. Wer will, kann sich zum Bäckermeister oder zur Bäckermeisterin weiterbilden.

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