Berufseinstieg bei SAP »Datenschutz ist nicht nur Bürokratie, die alle ärgert«

Von wegen Cookie-Banner: Elisabeth Gehl kümmert sich hauptberuflich um Datenschutz. Hier erzählt sie, warum der ein Wettbewerbsvorteil ist. Und wann er trotzdem lästig wird.
Aufgezeichnet von Tanya Falenczyk
Eine Schnittstelle zwischen Jura und Technik: So beschreibt Elisabeth Gehl ihre Arbeit als Datenschutzkoordinatorin

Eine Schnittstelle zwischen Jura und Technik: So beschreibt Elisabeth Gehl ihre Arbeit als Datenschutzkoordinatorin

Foto: privat
Mein erstes Jahr im Job

Alle bisherigen Folgen von »Mein erstes Jahr im Job« finden Sie auf unserer Serienseite. Sie haben Ihren Berufseinstieg selbst gerade hinter sich und möchten uns davon erzählen? Dann schreiben Sie uns an SPIEGEL-Start@spiegel.de .

Der Start ins Arbeitsleben ist aufregend, anstrengend – und oft ganz anders als geplant. In der Serie »Mein erstes Jahr im Job« erzählen Berufseinsteiger:innen, wie sie diese Zeit erlebt haben. Diesmal: Elisabeth Gehl, 27, Datenschutzkoordinatorin bei SAP.

»Datenschutz klingt für viele erst mal lästig: Man denkt an Cookie-Banner oder Datenschutzerklärungen, die sowieso niemand liest. Damit habe ich aber gar nichts zu tun.

Seit Januar bin ich Datenschutzkoordinatorin bei dem Softwareunternehmen SAP, vorher habe ich dort schon meine Masterarbeit geschrieben. Mit meinem Team bin ich für S/4HANA zuständig, eine Software zur Unternehmenssteuerung. Wir sorgen dafür, dass die immer sicher ist, davon ist Datenschutz ein wichtiger Bestandteil.

Meine Rolle kann man sich wie die einer Projektmanagerin vorstellen. S/4HANA hat mehrere Suborganisationen mit eigenen Koordinator:innen in Ländern auf der ganzen Welt. Meine Aufgabe ist es, sie dabei zu unterstützen, den Datenschutz in ihren Bereichen umzusetzen. Der internationale Aspekt gefällt mir sehr.

In meinem Job muss man gut kommunizieren können. Das ist, was ich den ganzen Tag mache – mit Menschen aus ganz unterschiedlichen Kulturen und Ländern, jüngeren und älteren. Organisationstalent braucht es auch, gerade arbeite ich mit 13 verschiedenen Koordinator:innen zusammen und muss immer wissen: Was steht in deren Bereich gerade an?

Momentan verdiene ich 56.000 Euro brutto im Jahr, inklusive Bonus. Dazu kommen noch ein paar Benefits, wie ein Aktienprogramm, betriebliche Altersvorsorge und kostenloses Essen in der Kantine.

Jura oder Wirtschaftsrecht?

Dass ich im Datenschutz gelandet bin, war eigentlich nicht geplant. In der Schule wollte ich Polizistin werden. Weil das aus gesundheitlichen Gründen nicht ging, kam ich auf Jura. Ich sah mich aber nie als Anwältin, außerdem hatte ich Sorge vor dem langen Studium mit den zwei Staatsexamen. Also entschied ich mich für Wirtschaftsrecht.

Aber ganz final war meine Entscheidung damals noch nicht. Nach meinem Bachelor in Augsburg legte ich ein Gap Year ein, weil ich überlegte, doch zum klassischen Jurastudium zu wechseln. Die zwei Praktika, die ich in der Zeit absolvierte, zeigten mir aber: Für Wirtschaftsrechtler:innen gibt es in Unternehmen viele Jobs, die mir Spaß machen könnten. Während des Masters arbeitete ich dann als Werkstudentin unter anderem bei einem Start-up für digitale Versicherungen und kam so auf Datenschutz.

»Die meisten Kolleg:innen wissen, dass Datenschutz wichtig ist. Trotzdem kann er lästig sein.«

Heute bin ich froh, dass ich mich für diesen Weg entschieden habe. Durch meine Arbeit habe ich selbst erst verstanden, was für eine Rolle Datenschutz in meinem Alltag spielt. Dass nur mit ihm eine faire Digitalisierung möglich ist. Und wir so am Ende alle etwas von neuen Technologien haben, ohne dass dafür unsere persönlichen Informationen geklaut oder missbraucht werden.

Auch die meisten Kolleg:innen wissen, dass Datenschutz wichtig ist. Trotzdem kann es lästig sein, wenn ich verlange, etwa neben der Programmierarbeit noch ein sogenanntes Verarbeitungsverzeichnis zu führen. Das muss alle personenbezogenen Daten enthalten, die die Software benutzt, so schreibt es die Datenschutz-Grundverordnung der EU vor.

Diese Verordnung, kurz DSGVO, ist die Grundlage für meine Arbeit. Ich muss wissen, welche Daten die Teams wofür verarbeiten – etwa von Kund:innen, Mitarbeitenden oder Partnerunternehmen. Diese Informationen muss SAP auch herausgeben, falls jemand eine Auskunftsanfrage stellt. Oft muss ich da in den Abteilungen nachhaken und mich manchmal gegen Widerstände durchsetzen.

Datenschutz als Wettbewerbsvorteil

Aber Datenschutz ist nicht nur ein Hindernis und Bürokratie, die alle ärgert. Gerade für ein Softwareunternehmen wie SAP kann er ein Wettbewerbsvorteil sein: Wenn unsere Programme besonders datenschutzgerecht gebaut sind, kaufen sie auch mehr Kund:innen. Denn das sind meist selbst Unternehmen, die sich an die DSGVO halten müssen.

Mein Team besteht vor allem aus Informatikern, Entwicklern und Softwarearchitekten. Am Anfang war es für mich sehr schwierig zu verstehen, wovon sie reden, weil mir das technische Wissen fehlte. Viele von ihnen sind schon seit 20 Jahren im Unternehmen und sprechen in Abkürzungen, die ich noch nie gehört habe. Das ist auch heute noch eine meiner größten Herausforderungen.

Deswegen werde ich im Sommer lernen, zu programmieren. Dafür kann ich bei SAP für ein oder zwei Tage die Woche eine Art Praktikum in einem anderen Team machen. Um an dieser Schnittstelle zwischen Jura und Technik zu arbeiten, will ich auch beides können – zumindest in Ansätzen. Sonst kann ich immer nur sagen ›Wir brauchen ein rechtssicheres Produkt‹, aber verstehe nicht, wie es am Ende gebaut wird.«

Wie werde ich Datenschutzkoordinator:in?

Eine gesetzliche Definition oder feste Stellenbeschreibung für den Beruf der Datenschutzkoordinator:in gibt es nicht. Die DSGVO schreibt einen internen oder externen Datenschutzbeauftragten vor, wenn Unternehmen regelmäßig mit personenbezogenen Daten zu tun haben. Koordinator:innen sind zusätzlich innerhalb des Unternehmens für den Datenschutz zuständig und unterstützen oft die offiziellen Beauftragten.

Weil die Stelle je nach Unternehmen anders aussieht, gibt es auch keinen vorgeschriebenen Ausbildungsweg. Viele Stellenausschreibungen verlangen nach einem Studium mit IT- oder Rechtsbezug, etwa Wirtschaftsinformatik, Wirtschaftsingenieurwesen, BWL oder Wirtschaftsrecht. Manche Institute für Wirtschaftsinformatik haben einen Datenschutz-Schwerpunkt, zum Beispiel an der Universität Siegen , der Universität Bamberg  oder der Hochschule Wismar . Und manche Fachhochschulen bieten spezialisierte Studiengänge im Bachelor oder Master an, wie die Hochschule Ansbach  mit »Datenschutz und IT-Sicherheit« oder die Hochschule Hof  mit »Compliance, IT und Datenschutz« in Teilzeit.

Laut der Jobplattform StepStone  verdienen Datenschutzkoordinator:innen im Schnitt etwa 55.400 Euro brutto im Jahr.

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