Ferienjob und Schülerpraktikum Was für die ersten Bewerbungen wichtig ist

Irgendwann ist immer das erste Mal, auch bei Bewerbungen. Doch wie findet man den richtigen Ort für einen Ferienjob oder ein Schülerpraktikum – und was muss in Lebenslauf und Anschreiben?
Ferienjobs und Praktika können auf dem Weg ins Berufsleben wichtige Wegweiser sein (Symbolbild)

Ferienjobs und Praktika können auf dem Weg ins Berufsleben wichtige Wegweiser sein (Symbolbild)

Foto: Maskot / imago

Bewirbt man sich zum ersten Mal für einen Ferienjob oder ein Praktikum, taucht man in eine neue Welt ein. Eine Welt aus Lebensläufen und Anschreiben, aus Bewerbungsgesprächen und ungewohnten Begriffen. Wie soll man darin bloß zurechtkommen?

Tamara Schrammel weiß es. Sie hat ein Buch darüber geschrieben, wie gutes Bewerben funktioniert, von der Schule bis zum Berufseinstieg. Wie groß die Fragezeichen bei vielen seien, habe sie gemerkt, als sie ihren jüngeren Bruder bei der Bewerbung für einen Ausbildungsplatz nach der Realschule unterstützt habe, erzählt Schrammel. In den Bewerbungstrainings, die sie später an Haupt- und Realschulen gegeben habe, seien viele Fragen ihres Bruders wieder aufgetaucht, neue seien hinzugekommen.

Schrammel machte sich daran, alle zu beantworten. Hier teilt sie ihre Tipps.

Die wichtigste Frage vorab: Wo soll ich mich bewerben?

Geht es beim Ferienjob vor allem darum, das Taschengeld aufzubessern, hilft ein Praktikum, Einblicke in einen Beruf zu bekommen. »Praktika sind unglaublich wichtig, um sich zu orientieren«, sagt Schrammel. »Ich kann ganz viel über einen Beruf lesen, mit Menschen sprechen, die ihn ausüben – aber es selbst auszuprobieren, das ersetzt nichts.«

Doch welcher Beruf kommt überhaupt infrage?

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Schrammel, Tamara

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Um das herauszufinden, rät Schrammel, sich zunächst zehn Minuten Zeit zu nehmen, um die eigenen Fähigkeiten, Talente und Interessen stichpunktartig auf einem Blatt Papier zu notieren. Dabei solle man sich ruhig aus der Perspektive einer guten Freundin oder eines guten Freundes betrachten: »Das macht den Blick auf die eigene Person automatisch geduldiger, freundlicher und vieles entspannter.«

Verwandte und Bekannte können eine wertvolle Unterstützung bei der Selbstreflexion sein. »Wichtig ist aber, die eigene Berufsorientierung nicht anderen zu überlassen.« Zu konkrete Vorschläge zu Branchen, Firmen und Berufen könnten den Druck unnötig erhöhen. (Weitere Tipps dazu, wie Eltern die Berufsorientierung ihrer Kinder unterstützen können, gibt es hier .)

In einem zweiten Schritt könne man dann recherchieren, welche Berufe es überhaupt gibt – zum Beispiel hier:

  • Das Lexikon der Ausbildungsberufe  der Bundesagentur für Arbeit informiert kompakt über Lehrberufe in Deutschland und eignet sich als erste Anlaufstelle.

  • Die Website der Arbeitsagentur  bietet einen großen Fundus zu allen Fragen rund um den Berufseinstieg. Hier kann man auch mit einem Berufserkundungstool testen, welche Berufe gut passen könnten.

  • Über Fotos und Videos in Berufe eintauchen kann man über die Internetseite Planet-Beruf  der Arbeitsagentur. Dazu gibt es auch eine App fürs Smartphone .

  • Weitere Angebote, um Berufe und Branchen kennenzulernen, sind Berufenet , die Datenbank der Arbeitsagentur, sowie das Berufsorientierungsangebot  des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

Ergänzen könne man diese Informationen wiederum mit Kontakten aus dem eigenen Umfeld, sagt Schrammel. Viele Schulen böten außerdem eine persönliche Berufsberatung  an.

Wie komme ich in Kontakt mit Unternehmen?

Während der Schulzeit unterscheidet man in der Regel zwischen Pflichtpraktika und freiwilligen Praktika. »Bei einem Pflichtpraktikum ergibt es Sinn, die Kontakte der Schule zu nutzen. Oft gibt es dort langfristige Beziehungen, die echte Chancen bieten«, sagt Schrammel.

»Es lohnt sich, mutig auf Firmen zuzugehen und Interesse zu bekunden.«

Tamara Schrammel

Um eine Stelle für ein freiwilliges Praktikum zu finden, können Ausbildungs- und Karrieremessen helfen, auf denen sich Unternehmen vorstellen. »Hier lohnt es sich, mutig auf Firmen zuzugehen und Interesse zu bekunden.« Oft würden solche Messen den Weg für ein Praktikum ebnen oder zumindest einen ersten Kontakt in eine interessante Branche bieten.

Pflichtpraktikum, freiwilliges Praktikum, Ferienjob

Das Pflichtpraktikum in der Schule ist fest im Lehrplan verankert und findet, je nach Bundesland und Schulform, in den Klassenstufen 7 bis 10 statt. Pflichtpraktika dauern in der Regel zwischen einer und drei Wochen.

Ein freiwilliges Praktikum kann deutlich länger sein als ein verpflichtendes. Vor Beginn sollte man einen Praktikumsvertrag abschließen, der die Dauer, aber auch den Lohn oder die Vergütung von Überstunden regelt. Muster dafür gibt es zum Beispiel hier . Um hospitieren zu dürfen, muss man mindestens 13 Jahre alt sein .

Auch für einen Ferienjob muss man in Deutschland mindestens 13 Jahre alt sein – und benötigt die Zustimmung der Eltern. Dinge wie Lohn, Aufgaben und Arbeitszeit sollten ebenfalls vorab in einem Arbeitsvertrag geregelt werden. Als Schüler:in unter 18 Jahren hat man noch keinen Anspruch auf Mindestlohn . Die Regeln dafür, welche Tätigkeiten man wie lange ausführen darf, variieren je nach Alter .

Nach einem Ferienjob kann man im privaten Umfeld suchen, mit einem Aushang in der Stadt oder direkt bei einem lokalen Unternehmen nachfragen, etwa bei einem Supermarkt oder beim Bäcker um die Ecke. »Auch ein Nebenjob ist super, um die Arbeitswelt kennenzulernen, man verdient das erste eigene Geld. Ein Praktikum ersetzt er aber nicht, allein wegen der Tätigkeiten, die man dabei in der Regel ausübt«, sagt Schrammel.

Beispiel eines Aushangs für einen Schülerjob aus dem Buch von Tamara Schrammel

Beispiel eines Aushangs für einen Schülerjob aus dem Buch von Tamara Schrammel

Foto: Tamara Schrammel

Wie schreibe ich eine Bewerbung?

Eine gute Nachricht schon zu Beginn: Die Punkte, die man bei der Bewerbung für ein Praktikum oder einen Ferienjob beachten muss, ähneln sich sehr. Außerdem gilt bei beiden: Es ist eher Ausnahme als Regel, dass ein Anschreiben verlangt wird. »Einen guten Eindruck macht es aber auf jeden Fall, wenn man sich die Mühe macht – und eine gute Übung ist es auch, denn später braucht man es ganz sicher«, sagt Schrammel.

Wenn man ein Anschreiben einreicht, sollte es individuell auf die jeweilige Firma oder Stelle zugeschnitten sein. Ob die Bewerbung analog oder digital verschickt wird (Achtung, immer im PDF-Format!), ist egal: »Die Grundinformationen sind die gleichen – es geht darum, die Highlights ins Schaufenster zu stellen.«

Und noch ein Tipp für das erste Praktikum oder den ersten Ferienjob?

»Immer das Beste geben, offen, pünktlich und lernbereit sein – auch, wenn man schon nach zwei Tagen merkt, dass es vielleicht nicht das Richtige ist«, sagt Schrammel. Insbesondere jedes Praktikum sei eine Chance. Selbst wenn daraus nicht die spätere Ausbildung oder das duale Studium werde, sei es eine gute Erfahrung – und man werde vielleicht sogar weiterempfohlen.

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