Jeannine Budelmann

Killerphrasen im Bewerbungsgespräch Sagen Sie es nicht!

Jeannine Budelmann
Eine Kolumne von Jeannine Budelmann
Im Vorstellungsgespräch möchte man einen guten Eindruck machen, sich von seiner besten Seite zeigen. Mit diesen vier Sätzen gelingt das garantiert – nicht.
Manche Aussagen sollte man sich lieber verkneifen – das gilt auch im Bewerbungsgespräch

Manche Aussagen sollte man sich lieber verkneifen – das gilt auch im Bewerbungsgespräch

Foto: Westend61 / Getty Images

In meinen zehn Jahren als Geschäftsführerin eines Elektronikunternehmens habe ich mit zahlreichen Bewerber:innen Gespräche geführt. Dabei gibt es Sätze, die meine Kolleg:innen und ich immer wieder hören – leider. Von diesen vier Aussagen rate ich ganz besonders ab.

Onboarding – die Kolumne zum Berufseinstieg

Aller Anfang ist schwer. Das gilt für Beziehungen, Umzüge und natürlich auch den Berufseinstieg. Wie etabliere ich mich im Team, ohne mich selbst aufzugeben? Wie beweise ich, was ich draufhabe, ohne die Ellenbogen auszufahren? Und ab wann kann ich eigentlich ein Sabbatical verlangen?

Über diese und ähnliche Themen schreibt in dieser Kolumne Jeannine Budelmann, Jahrgang 1986. Sie ist kaufmännische Geschäftsführerin von Budelmann Elektronik, einem Unternehmen, das industrielle Elektronik entwickelt und herstellt. Außerdem berät sie als Coachin bei Problemen im Berufsleben.

No-go-Phrase Nummer eins: »Wir hatten so einen doofen Mathelehrer«

Wenn im Abschlusszeugnis eine schlechte Note steht, egal in welchem Fach, sollte man dafür eine plausible Begründung haben. Denn es wird zwangsläufig die Frage kommen: »Warum hatten Sie denn im Abi eine Fünf in Mathe?« Oder in Deutsch. Oder in einem selbst gewählten Schwerpunkt.

In den Bewerbungsgesprächen, die ich in den vergangenen zehn Jahren geführt habe, habe ich nur ein einziges Mal eine glaubwürdige und plausible Antwort auf diese Frage bekommen: »Ich war einfach zu faul.« Ansonsten lautete die Antwort immer: »Unser Lehrer war schlecht.« Häufig gefolgt von: »Das sagen alle!« Schlechte Lehrer:innen gibt es bestimmt – aber auch bei den unfähigsten Pädagog:innen gibt es Möglichkeiten, die das Ergebnis zumindest hätten abmildern können, von Elterngesprächen bis hin zu Nachhilfe. Schiebt man stattdessen alles auf den Lehrer oder die Lehrerin, zeigt das Personaler:innen, dass das Gegenüber keine Verantwortung für das eigene Handeln übernimmt. Das ist bei nahezu jedem Job ein Ausschlusskriterium.

Eine gute Antwort auf die Frage nach einer schlechten Note ist ehrlich und reflektiert. Sie könnte beispielsweise lauten: »Ich hatte einfach keine besonders große Motivation für Mathe, weil ich nicht gesehen habe, warum ich das einmal brauchen könnte. Heute weiß ich, dass die Einschätzung falsch war.« Oder: »Zu dem Zeitpunkt war es mir wichtiger, all meine Kraft in die Fächer zu stecken, in denen ich wirklich gut war. Deshalb habe ich beispielsweise in Französisch und Englisch eine Eins.« Wichtig ist zu signalisieren, dass man das Defizit anerkennt und sich künftig anstrengen wird, um gute Leistungen zu erzielen.

No-go-Phrase Nummer zwei: »Ich will was mit Menschen machen«

Berufseinsteiger:innen müssen in der Regel erklären, warum sie sich für einen bestimmten Beruf interessieren. Gerade unerfahrene Bewerber:innen antworten da häufig: »Ich will was mit Menschen machen.« Bei technischen Berufen alternativ: »Ich will was mit Computern machen.« Diese pauschalen Antworten zeigen, dass sich die Bewerber:innen nicht ausreichend mit einem bestimmten Berufsbild auseinandergesetzt haben.

Ein Personaler hat mir mal erzählt, dass er auf die Aussage »Ich will was mit Menschen machen« gern antwortet: »Dann werden Sie doch Bestatter!« Da ist etwas dran. Und mit Computern machen wir sowieso alle irgendwas.

Deshalb ist es wichtig, sich vor der Bewerbung genau mit dem Beruf und der jeweiligen Stelle auseinanderzusetzen. Wenn ich mich für einen Job im Vertrieb bewerbe, dann könnte »was mit Menschen« heißen: Ich habe Spaß am Kundenkontakt. In dem Fall sollte man sein offenes und verbindliches Auftreten herausstellen und die Fähigkeit, auch in schwierigen Gesprächen Lösungen zu finden.

No-go-Phrase Nummer drei: »Was macht Ihr Unternehmen eigentlich genau?«

Meist kommt am Ende des Bewerbungsgesprächs die Phase, in der auch die Kandidat:innen Fragen loswerden können. Leider kommt es gar nicht selten vor, dass man ein inhaltlich gutes Gespräch führt, das dann in der Frage mündet: »Was machen Sie hier eigentlich genau?« Meist achten Personalabteilungen schon im schriftlichen Prozess darauf, dass die Bewerber:innen begründen, warum sie sich für genau dieses Unternehmen interessieren. Wenn aber im Gespräch diese Frage kommt, ist klar: Die Bewerbung hat jemand anderes geschrieben. Die Person, die bei uns arbeiten möchte, hat sich hingegen überhaupt nicht mit uns auseinandergesetzt. Somit sind wir als Arbeitgeber beliebig. Und das möchte kein Unternehmen sein.

Stattdessen sollte man sich Fragen überlegen, die zeigen, dass man sich im Vorfeld mit dem Unternehmen beschäftigt hat. Wichtig: Die Antworten darauf dürfen sich nicht an prominenter Stelle auf der Homepage finden lassen.

Und: Wenn einem wirklich so gar nichts einfallen mag, was man am Ende des Gespräches noch wissen möchte, dann möge man bitte lieber schweigen.

No-go-Phrase Nummer vier: »Ich kann alles!«

Die meisten Unternehmen haben parallel mehrere Stellen ausgeschrieben, häufig gibt es Schnittmengen. Im Bewerbungsgespräch werden sie also herausfinden wollen, ob die Bewerber:innen sich eher für die eine oder die andere Stelle eignen. Typische Fragen dafür sind: »Welcher dieser Bereiche macht Ihnen mehr Spaß?« Oder: »Welche von diesen beiden Tätigkeiten können Sie besser?«

Die denkbar ungünstigste Antwort darauf: »Egal, ich kann alles!« Denn sie zeigt, dass eine Person sich selbst nicht gut einschätzen kann. Gerade für verantwortungsvolle Aufgaben ist das aber eine wichtige Voraussetzung. Ich muss wissen, was ich nicht kann, um mir im Fall der Fälle rechtzeitig Hilfe holen zu können. Gleichzeitig kommt die Antwort überheblich daher. Wer versucht, sich auf diese Weise alle Optionen offenzuhalten, verbaut sie sich stattdessen.

Der wichtigste Ratschlag für ein Bewerbungsgespräch ist also: Bereiten Sie sich vor! Man sollte sowohl das Unternehmen, als auch sich selbst und seine Schwachstellen kennen. Wer plausible Erklärungen parat hat und Interesse signalisiert, kann fast nichts mehr falsch machen.

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