Studienfächer erklärt Was ich als Erstsemester gern über Biologie gewusst hätte

Viele Klausuren, harte Nebenfächer, dazu Präparierkurse: Das Biologiestudium ist anspruchsvoll – aber auch vielseitig und relevant. Studentin Melina Birus erklärt ihr Fach und gibt drei nützliche Tipps.
Aufgezeichnet von Helen Hahne
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Studienfächer erklärt

In der Reihe »Studienfächer erklärt« stellen wir die 30 beliebtesten Studienfächer in Deutschland vor – von Betriebswirtschaftslehre auf Platz 1 bis Wirtschaftsrecht auf Platz 30. Wie viele Studierende an deutschen Hochschulen in welchem Fach eingeschrieben sind, ermittelt das Statistische Bundesamt einmal im Jahr . Unser Ranking bezieht sich auf die Zahlen für das Wintersemester 2019/2020, die beiden Fächer »Wirtschaftsingenieurwesen mit ingenieurwissenschaftlichem Schwerpunkt« und »Wirtschaftsingenieurwesen mit wirtschaftswissenschaftlichem Schwerpunkt« haben wir zusammengefasst.

Dass Fleisch aus dem Labor schon bald eine echte und bezahlbare Alternative zum Töten von Tieren sein könnte, verdanken wir Biologinnen und Biologen – denn möglich ist das dank modernster Biotechnologie. Biologen beschäftigen sich aber auch mit Genforschung, bekämpfen gefährliche Bakterien und prägen unser Wissen über die Klimakrise. Kurz: Sie erforschen alles, was mit dem Leben zu tun hat.

Melina Birus ist 23 Jahre alt und studiert Biologie im Master an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Hier erklärt sie, warum sie sich für das Fach entschieden hat, wieso die Nebenfächer im Studium besonders entscheidend sind und wo sie nach dem Abschluss arbeiten möchte.

Die Entscheidung fürs Biologiestudium

»In der Schule war Biologie immer eines meiner Lieblingsfächer, ich war sehr gut darin. Ab der Oberstufe wusste ich: Ich will Biologie studieren, am liebsten Meeresbiologie. Eine Berufsberaterin empfahl mir die Uni in Kiel dafür. Meeresbiologie kann man in Deutschland aber nur im Master  studieren. Und für den braucht man ein Biologie-Grundstudium. Also dachte ich: Alles klar, das mache ich, und schiebe den Master hinterher. Meeresbiologie ist es dann zwar auch im Master nicht geworden, aber so hat es angefangen.

Als Erstis wurden wir super aufgefangen von der Fachschaft hier in Kiel. Wir bekamen eine Campusführung und Hilfe bei der Anmeldung zu den ersten Kursen; es gab eine Stadtrally und eine Party in einem extra fürs uns Bio-Erstis angemieteten Klub. Dadurch habe ich superschnell Leute kennengelernt.«

Formale Voraussetzungen für ein Biologiestudium

  • Wer an einer Universität studieren möchte, braucht in der Regel das Abitur  oder die entsprechende Fachgebundene Hochschulreife – für Fachhochschulen genügt die Fachhochschulreife. In vielen Studiengängen werden auch Bewerberinnen und Bewerber ohne Hochschulreife  unter bestimmten Bedingungen zugelassen, etwa wenn sie eine fachspezifische Berufsausbildung und Berufserfahrung vorweisen können.

  • Die meisten Studiengänge haben eine Zulassungsbeschränkung , also einen Numerus clausus (NC), einige sind aber auch zulassungsfrei.

  • Manche Hochschulen führen zudem ein internes Auswahlverfahren  durch, insbesondere für Master-Studiengänge.

Was man noch mitbringen sollte: Interesse an der Funktionsweise von Lebewesen, Pflanzen und der Natur, außerdem Grundlagenwissen in Chemie und Physik sowie gute Englischkenntnisse. Wer ein Problem mit Tierversuchen hat, sollte sich vor Studienbeginn gut informieren – an vielen Universitäten gehören sie zum Pflichtprogramm .

Inhalte und Aufbau des Studiums

»Das erste Semester ist noch ziemlich entspannt, man hat gut zu tun, aber es ist definitiv machbar. Das Zweite ist das ›Rausschmeißersemester‹, weil da auch Chemie und Physik geprüft werden. Mein Eindruck war: Die meisten Leute fliegen nicht wegen Biologie, sondern wegen der Nebenfächer. Dazu kommen noch die biologischen Module wie Botanik, Tier- und Pflanzenbestimmung, eine Exkursionswoche – und am Ende Klausuren, sechs insgesamt. Man hat also sehr viel zu tun, genauso wie im dritten Semester. Danach wird es wieder weniger.

Womit ich am Anfang ein bisschen Probleme hatte, war die Frage: Wann und wie fange ich an, für die Klausuren zu lernen? Man muss sich echt disziplinieren und jede Woche hinsetzen, um die Vorlesungen nachzubereiten. Mein Tipp: Nach jeder Vorlesung die Inhalte zusammenfassen und trotzdem noch genug Zeit vor den Klausuren einplanen, um die Notizen auswendig zu lernen. Das habe ich aber selbst erst spät gemerkt.«

Typische Pflichtmodule: Zellbiologie, Mikrobiologie, Evolutionsbiologie, Botanik, Zoologie, Genetik, Chemie, Mathematik, Physik

Mögliche Wahlbereiche: Ökologie, Bioinformatik, Mykologie, Naturschutzbiologie

Einen beispielhaften Studienverlauf gibt es auf der Webseite der Philipps-Universität Marburg .

»Und noch etwas hätte ich gern schon zu Beginn meines Studiums gewusst: Es ist okay, sich Hilfe zu holen. Gerade die jungen Dozierenden sind offen, interessiert und ansprechbar. Außerdem hilft man sich gegenseitig. Es gibt zwar viele Nerds unter den Biologiestudierenden, aber wir sind schon lange keine Eigenbrötler mehr.

Was für manche auch eine Herausforderung ist: An der Uni Kiel werden im Studium noch Tiere präpariert. Ich musste mich nicht unbedingt überwinden, aber merkwürdig war es schon. Ich finde aber, ein bisschen zu zögern, ist völlig in Ordnung. Man sollte Respekt vor dem Tier haben, das vor einem liegt.«

Berufsaussichten nach dem Studium

»Ich habe mich nach dem Bachelor doch gegen Meeresbiologie entschieden. Wenn man sich mit dem Berufsbild beschäftigt, merkt man schnell, dass es um mehr geht als nur Robbenkuscheln und Delfinschwimmen. Es ist sehr harte Arbeit, man kommt sehr schwer rein. Ich habe deshalb den klassischen Biologie-Master gewählt, da kann man sich aus einem riesigen Bereich an Wahlmodulen alles zusammenstellen. Theoretisch kann man aber ab dem dritten Bachelorsemester einen Schwerpunkt wählen und dann einen spezialisierten Master machen.

Einen Masterabschluss würde ich auf jeden Fall empfehlen. Der Bachelor ist einfach zu unspezifisch. Viele meiner Bekannten promovieren gerade außerdem noch. Das ist wichtig, wenn man eine akademische Laufbahn einschlagen möchte.

Manchmal ist es schwer, sich konkret vorzustellen, was man mit dem Biologiestudium wird. Es gibt ja nicht den klassischen Biologen-Beruf. Ich selbst mache mir aber wenig Sorgen. Ich habe die Chancen im Studium genutzt, viele Zusatzqualifikationen gesammelt und zum Beispiel einen Kurs in Projektmanagement belegt. Man sollte auch viele Praktika machen und netzwerken, zum Beispiel auf Xing oder LinkedIn.

Ich würde nach dem Studium gern in der Industrie, Medizinforschung, Pharmakologie oder Toxikologie arbeiten. Erst mal muss ich aber meine Masterarbeit schreiben – ich hoffe, dass ich damit einen guten Grundstein legen kann.«

Branchen und Gehälter:

Biologinnen und Biologen können in vielen Bereichen in den Beruf einsteigen, etwa in der Medizin-, Pharma- oder Kosmetikbranche, bei Agrarkonzernen, Umweltunternehmen und in der Lebensmittelindustrie. Sie arbeiten als Data-Analystinnen und -Analysten, entwickeln Software oder erstellen Gutachten. Mit sehr guten Noten können sie in die medizinische oder biologische Forschung gehen. Auch eine Karriere in NGOs und Naturschutzvereinen steht ihnen offen. Die Spezialisierung durch einen Master erhöht in der Regel die Berufsaussichten .

In der naturwissenschaftlichen Forschung oder im Labor können Biologinnen und Biologen laut Stepstone-Gehaltsreport  ein durchschnittliches Jahresgehalt von gut 56.000 Euro verdienen. Berufsanfängerinnen und Berufsanfänger  starten in der Forschung mit einem Jahresgehalt von knapp 43.000 Euro.

Korrekturhinweis: In einer ersten Version dieses Textes wurde die Protagonistin fälschlicherweise Melanie Birus genannt, sie heißt aber Melina. Wir haben den Fehler korrigiert.