Studienfächer erklärt Was ich als Erstsemester gern über BWL gewusst hätte

Ist Statistik wirklich so schwierig? Kann sich ein Massenfach wie Betriebswirtschaft familiär anfühlen? Und welche Voraussetzungen sollte ich für ein BWL-Studium mitbringen? Eine Studentin gibt Antworten.
Aufgezeichnet von Lisa Srikiow
Polohemd, Lacoste-Pulli, karrieregeil? Die meisten BWLer-Klischees stimmen gar nicht. (Symbolbild)

Polohemd, Lacoste-Pulli, karrieregeil? Die meisten BWLer-Klischees stimmen gar nicht. (Symbolbild)

Foto: Emilija Manevska / Moment RF / Getty Images
Studienfächer erklärt

In der Reihe »Studienfächer erklärt« stellen wir die 30 beliebtesten Studienfächer in Deutschland vor – von Betriebswirtschaftslehre auf Platz 1 bis Wirtschaftsrecht auf Platz 30. Wie viele Studierende an deutschen Hochschulen in welchem Fach eingeschrieben sind, ermittelt das Statistische Bundesamt einmal im Jahr . Unser Ranking bezieht sich auf die Zahlen für das Wintersemester 2019/2020, die beiden Fächer »Wirtschaftsingenieurwesen mit ingenieurwissenschaftlichem Schwerpunkt« und »Wirtschaftsingenieurwesen mit wirtschaftswissenschaftlichem Schwerpunkt« haben wir zusammengefasst.

Betriebswirtinnen und Betriebswirte befassen sich damit, wie Unternehmen arbeiten: welche Abteilungen und Geschäftsprozesse welchem Zweck dienen, wie Produkte kostengünstig entwickelt werden können und wie man sie gewinnbringend vermarktet und verkauft. Im Studium lernen BWLer deshalb, wie man Jahresabschlussberichte oder Tilgungspläne aufstellt – sie beschäftigen sich aber auch mit ethischen und juristischen Fragen, etwa ob die Zulieferer eines Unternehmens dieselben Sozial- und Umweltstandards erfüllen oder wann ein Unternehmen gegen seine Compliance-Regeln verstößt.

Pamina Heermann ist 21 Jahre alt und studiert BWL an der Universität Mannheim. Hier erzählt sie, was sie an Buchführung begeistert, welche Veranstaltungen eine Herausforderung sind und welche Erstsemester-Sorgen unbegründet.

Die Entscheidung fürs BWL-Studium

»Ich komme eigentlich aus einer großen Jura-Familie. Ich wusste aber früh: Das ist nicht meins. Nach dem Abi war ich ein Jahr in Paris, dort machte ich einen Sprachkurs und ein Praktikum in einem Unternehmen. Danach wusste ich, dass ich in Richtung Wirtschaft gehen will. Damit ist man breit aufgestellt und hat viele Berufsmöglichkeiten.

Die Uni Mannheim war schon früh in meiner engeren Auswahl, unter anderem, weil sie eine sehr internationale Ausrichtung hat – im Bachelor gibt es ein integriertes Auslandssemester. Richtig sicher war ich mir dann, nachdem ich nach Mannheim gefahren war, um mir den Campus anzusehen. Das würde ich übrigens jedem raten: Wenn es möglich ist, sollte man sich unbedingt persönlich an seiner Wunschuni umschauen. Nur so bekommt man ein Gefühl für die Atmosphäre und das Studentenleben vor Ort.«

Formale Voraussetzungen für ein BWL-Studium:

Was man sonst noch mitbringen sollte: Ein Verständnis für Zahlen ist wichtig, gute Englischkenntnisse sind Pflicht.

»Obwohl in Mannheim jedes Jahr mehrere Hundert BWL-Studierende anfangen, gibt es hier ein großes Zusammengehörigkeitsgefühl, es ist fast familiär. Viele stellen sich den typischen BWLer so vor: Polohemd, Lacoste-Pulli, karrieregeil. Doch das stimmt einfach nicht. BWLerinnen und BWLer sind ganz normale Leute, die meisten sind total zugänglich und hilfsbereit. Oft hört man auch, dass es in BWL einen großen Wettbewerb unter den Studierenden gebe oder in der Bibliothek wichtige Seiten aus den Lehrbüchern gerissen würden. Auch da kann ich alle beruhigen: So etwas gibt es bei uns nicht.«

Inhalte und Aufbau des Studiums

»Die ersten Semester des BWL-Studiums sind komplett durchstrukturiert. Ich fand das durchaus hilfreich, weil alle Veranstaltungen aufeinander aufbauen: Am Anfang braucht man Module wie Analysis, Grundlagen der VWL, Management und Accounting, dann Marketing, Finance und Statistik. Das Lernpensum ist hoch, jede Klausurenphase fühlt sich an wie ein neues Abitur. Und da bestätigt sich auch dieses BWL-Stigma: Man lernt erst einmal sehr viel auswendig, um alle Grundstrukturen wirklich zu verinnerlichen. Bei Management oder Marketing werden beispielsweise sämtliche Definitionen abgefragt – da schafft man es einfach nicht, nur so zu lernen, dass man ein tieferes Verständnis entwickelt. Aber das kommt später, denn die Inhalte wiederholen sich und man steigt immer tiefer in die Materie ein. Spätestens im zweiten Semester hat man verstanden, was die Regressionsanalyse ist. Und falls nicht, dann halt im dritten.«

Typische Pflichtmodule: Grundlagen der Betriebswirtschaftslehre, Grundlagen der Volkswirtschaftslehre, Buchführung/Accounting, Marketing, Grundlagen der Statistik, Mikroökonomik, Wirtschaftsethik, Steuerrecht

Mögliche Wahlbereiche: Unternehmensführung und Organisationsentwicklung, Betriebliche Steuerlehre/Wirtschaftsprüfung, Personalmanagement, Logistik

»Mikroökonomik und Statistik gelten bei uns als ›Panikfächer‹. Und ja, teilweise sind sie ziemlich abstrakt. Aber dafür sind viele andere Veranstaltungen umso praxisbezogener. Ich fand beispielsweise Accounting super. Das hätte ich selbst nie gedacht, das ist ja eigentlich nur Buchführung. Aber der Professor war toll, weil er so begeistert von seinem Fach war. Er hat uns gezeigt, wie spannend selbst klassische Buchhaltung sein kann. Seine Vorlesung habe ich immer besucht – jeden Montagmorgen um 8.30 Uhr.«

Berufsaussichten nach dem Studium

»Nach meinem Bachelor möchte ich gern ein wenig Praxiserfahrung sammeln, um herauszufinden, welcher Bereich mich besonders interessiert. Viele Absolventen arbeiten als Berater, aber das bedeutet, viel auf Achse zu sein, wenig Privatleben zu haben und noch weniger Schlaf. Da muss ich schauen, ob mir das liegt – oder ob ich lieber einen geregelteren Job möchte.«

Branchen und Gehälter:

Betriebswirtinnen und Betriebswirte sind breit aufgestellt . Je nachdem, welchen Schwerpunkt sie im Studium und in ihren Praktika gesetzt haben, arbeiten sie zum Beispiel als Berater im Consulting, im Personalwesen oder als Gründer eines Start-ups. Sie sind nicht nur für Finanzinstitute, Unternehmensberatungen und die Industrie interessant, sondern können genauso gut bei Verbänden oder Behörden in den Beruf starten.

Berufseinsteiger verdienen je nach Position und Branche sehr unterschiedlich. Laut der Job-Plattform StepStone  bekommen BWL-Absolventinnen durchschnittlich 35.600 Euro im Jahr. Als Unternehmensberater oder Bankerin verdienen sie mehr als  im Personalwesen oder Marketing.

Netzwerken – auch schon im Studium – kann man zum Beispiel hier .