Studienfächer erklärt Was ich als Erstsemester gern über Chemie gewusst hätte

Wer Chemie studiert, verbringt viel Zeit im Labor, das Lernpensum ist hoch. Aber durchhalten lohnt sich, sagt Chemiestudent Maximilian Kehrer – und erklärt, wie das gelingt.
Aufgezeichnet von Helen Hahne
Chemikerinnen und Chemiker entwickeln zum Beispiel Medikamente oder technische Lösungen gegen die Umweltverschmutzung (Symbolbild)

Chemikerinnen und Chemiker entwickeln zum Beispiel Medikamente oder technische Lösungen gegen die Umweltverschmutzung (Symbolbild)

Foto: ferrantraite / E+ / Getty Images
Studienfächer erklärt

In der Reihe »Studienfächer erklärt« stellen wir die 30 beliebtesten Studienfächer in Deutschland vor – von Betriebswirtschaftslehre auf Platz 1 bis Wirtschaftsrecht auf Platz 30. Wie viele Studierende an deutschen Hochschulen in welchem Fach eingeschrieben sind, ermittelt das Statistische Bundesamt einmal im Jahr . Unser Ranking bezieht sich auf die Zahlen für das Wintersemester 2019/2020, die beiden Fächer »Wirtschaftsingenieurwesen mit ingenieurwissenschaftlichem Schwerpunkt« und »Wirtschaftsingenieurwesen mit wirtschaftswissenschaftlichem Schwerpunkt« haben wir zusammengefasst.

Die Arbeit von Chemikerinnen und Chemikern begegnet uns überall im Alltag, beim Kochen, Waschen und Scrollen. Denn sie sind überall dort beteiligt, wo chemische Reaktionen stattfinden. Wir verdanken ihnen die Entwicklung von Medikamenten, sie forschen an der Krebsbekämpfung und erarbeiten technische Lösungen gegen die Umweltverschmutzung.

Maximilian Kehrer, 20, studiert im Bachelor Chemie und Mathematik auf Lehramt an der Universität Stuttgart. Er erklärt, warum ein Vorkurs vor dem Studium sinnvoll ist, wie ein klassischer Laborkurs aufgebaut ist und warum man als Chemiestudent:in auch eine Begeisterung für Mathematik, Physik und Biologie mitbringen sollte.

Die Entscheidung fürs Chemiestudium

»Lehrer wollte ich schon in Grundschule werden, später habe ich dann gemerkt, dass mir Naturwissenschaften liegen. Anderen etwas zu erklären, bereitet mir Freude, ich bin gern unter Menschen. Außerdem wollte ich mich nicht zwischen Mathe und Chemie entscheiden. Im Lehramtsstudium kann ich beides vereinen.

Ich wohne in Göppingen, zwischen Ulm und Stuttgart. Weil ich in meiner Heimatregion bleiben wollte, standen nur die beiden Städte als Studienorte zur Auswahl. An beiden Unis gab es keinen NC, ich musste einfach mein Abiturzeugnis hinschicken und wurde zugelassen. Ich entschied mich dann für Stuttgart, weil die Uni eine größere pädagogische Abteilung hat.

Ein Vorkurs in Chemie war zwar nicht verpflichtend, aber ich habe einen gemacht. Diese Kurse fassen noch einmal den gesamten Stoff aus der Schule zusammen, sodass alle auf dem gleichen Wissensstand sind. Mir hat es dabei geholfen, mich in den Uni-Alltag einzufinden.«

Formale Voraussetzungen für das Chemiestudium:

  • Chemie kann man an Universitäten und Fachhochschulen studieren. Ebenso gibt es duale Studiengänge oder die Möglichkeit, Chemie auf Lehramt zu studieren. An Universitäten ist in der Regel das Abitur  oder die Fachgebundene Hochschulreife Voraussetzung, an Fachhochschulen mindestens das Fachabitur.

  • Der Studiengang Chemie ist an Unis meist zulassungsfrei. 

  • Es kann vorkommen, dass Hochschulen interne Auswahlverfahren durchführen. Außerdem verlangen manche sechswöchige Vorpraktika , abhängig von der vorherigen schulischen Ausbildung.

Was man sonst noch mitbringen sollte: Interesse am Ausprobieren. Chemie ist eine experimentelle Wissenschaft: Laborkurse und Versuche gehören zum Studienalltag.

Inhalte und Aufbau des Studiums

»Im ersten Semester gab es viele Orientierungsveranstaltungen. Ältere Studierende zeigten uns den Campus, erklärten, welche Ansprechpartner wichtig sind oder wie das Labor funktioniert. Heute helfe ich selbst als Mentor neuen Studierenden. Derzeit treffen wir uns digital, ich erkläre dann, wie sich die Erstis für Prüfungen anmelden, welche Kurse sie belegen müssen und wie ein Kurs im Labor abläuft.

Wegen des hohen Arbeitsaufwands brechen viele Chemiestudierende in den ersten Semestern ab. Zusätzlich zu den Vorlesungen und Übungen schreibt man Probeklausuren, um zu den richtigen Prüfungen zugelassen zu werden. Selbst wenn man in der Schule zu den Einserschülern zählte, heißt das für die Uni nichts.«

»Auch vor jedem Laborkurs gibt es ein Kolloquium, das man bestehen muss, um das Experiment im Labor überhaupt durchführen zu dürfen. Assistierende – das sind Studierende höherer Semester oder Doktorandinnen und Doktoranden –, fragen da zum Beispiel ab, welche Chemikalien man für den Versuch benötigt, welche Gefahren sie bergen, wie man sie entsorgt und warum der Versuch nötig ist.

Im Lehramtsstudium ist es nicht leicht, alles unter einen Hut zu bekommen. Ich muss drei Studiengänge gleichzeitig organisieren – Mathe, Chemie und Pädagogik. Viele Veranstaltungen laufen parallel, da muss man sich entscheiden, an welcher man aktiv teilnimmt. Bisher habe ich das aber gut geschafft. Bis auf die Labore gibt es keine Anwesenheitspflicht, für die meisten Vorlesungen gibt es ausführliche Skripte – und seit Corona gibt es sowieso Aufzeichnungen von allen.

Einer meiner liebsten Professoren sagt immer: ›Bleiben Sie dran, es lohnt sich.‹ Das will ich gern weitergeben. Die ersten Semester sind schwierig, aber je weiter man kommt, desto mehr versteht man, wie alles zusammengehört. In der physikalischen Chemie arbeitet man mit Formeln, um Dinge mathematisch zu beschreiben; in der anorganischen Chemie erarbeitet man sich den Aufbau von Stoffen und Stoffklassen; und in der organischen Chemie, wie man Moleküle miteinander verbindet. Es macht Spaß, mit anderen Studierenden zu experimentieren und all das selbst herauszufinden und zu verstehen.«

Berufsaussichten nach dem Studium

»Meine Berufsaussichten als Lehrer sind gut. Laut aktuellen Berechnungen  werden 2030 nur rund ein Drittel der ausgeschriebenen Stellen in den MINT-Fächern, zu denen Mathe und Chemie gehören, besetzt werden können.

Gerade ist es aber trotzdem nicht mein Plan, als Lehrer zu arbeiten. Nach dem Bachelor würde ich stattdessen gern den Studiengang wechseln und den Bachelor of Science in Mathe machen. An der Uni habe ich gemerkt, dass ich noch tiefer in die Mathematik eintauchen will, als das mit dem Lehramtsstudium möglich ist. Mein Chemiestudium wäre aber nicht umsonst gewesen: Es gibt viele Verknüpfungspunkte zwischen den beiden Fächern, die mir sicherlich auch im reinen Mathestudium weiterhelfen werden.«

Branchen und Gehälter:

Viele Chemikerinnen und Chemiker sind in der Arzneimittelproduktion tätig. Sie arbeiten aber auch  in der Verfahrens-, Produkt- und Laboranalyse, begleiten den Zulassungsprozess neuer Medikamente oder entwickeln umweltfreundlichere Materialien für die Industrie. Durch einen Master kann man sich unter anderem auf die Fachgebiete Biochemie oder Wirtschaftschemie spezialisieren, um in diesen Bereichen Führungspositionen zu übernehmen. Für eine Stelle in der Forschung ist in der Regel eine Promotion Voraussetzung.

46.939 Euro brutto verdienen Absolventinnen und Absolventinnen naturwissenschaftlicher Fächer durchschnittlich laut StepStone-Gehaltsreport .

Korrekturhinweis: In einer früheren Version dieses Textes hieß es, Chemiker:innen könnten auch in Apotheken arbeiten. Das ist nicht korrekt, wir haben die Stelle entsprechend geändert.