Kochen ohne Kohle Schnipp schnapp! Selbst gemachte chinesische Nudeln – für 90 Cent

Nudeln herzustellen, ist viel einfacher, als uns Verkäufer von Pastamaschinen weismachen wollen. Diese herzhafte Variante mit Lauchzwiebeln gelingt auch Ihnen. Sie brauchen nur eine Schere.
Eine Kolumne von Sebastian Maas
Selbst mit der Kinder-Bastelschere gelingt dieses Rezept problemlos

Selbst mit der Kinder-Bastelschere gelingt dieses Rezept problemlos

Foto:

Sebastian Maas / DER SPIEGEL

Nudeln selbst machen, das ist etwas, was nur die großen Küchengötter beherrschen. Eine Art Summa-cum-laude-Abschlusszeugnis der Gastro-Universität. Kompliziertes Hexenwerk. Dachte ich zumindest viele Jahre lang, und traute mich entsprechend gar nicht erst ran. Der Klimbim mit der Pastamaschine, das immerwährende Ausrollen und Falten, die »das-muss-genau-so-gemacht-werden«-Attitüde der Italiener. All das wirkte auf mich einfach nicht besonders spaßig.

Küchenhistorisch bewanderte Zeitgenossinnen wissen aber natürlich, dass Nudeln gar nicht in Italien, sondern in China erfunden wurden. Aus der nordchinesischen Provinz Shanxi  kommt eine Methode, die selbst deutschen Nudel-Dullis wie mir gelingt: mit der Schere geschnittene Nudeln. Sie sind etwas bissfester als Eiernudeln und machen sich dadurch hervorragend als Träger kräftiger Aromen.

Alle Rezepte aus »Kochen ohne Kohle«

Bafög oder Azubi-Gehalt sind schon wieder fast aufgebraucht? Der Obstkorb beim unbezahlten Agenturpraktikum war geräubert? Und bitte nicht schon wieder Pizza-Toast? Alles kein Problem: In dieser Kolumne zeigt SPIEGEL-Redakteur und Hobbykoch Sebastian Maas, wie man trotz Flaute auf dem Konto leckere und besondere Gerichte zaubern kann. Dabei gibt es nur zwei Regeln:

  • Eine Portion darf maximal so viel kosten wie ein Essen in der Mensa, also 3 Euro.

  • Teure Spezialgeräte sind tabu.

Dazu gibt es deshalb eine Soße, die so ähnlich an Streetfood-Ständen in vielen ostasiatischen Städten verkauft wird, mit angebratenen Lauchzwiebeln und gesüßter Sojasoße. Beides ist nicht nur einfach, sondern auch ultragünstig und durch den Umami-Geschmack zutiefst befriedigend. Perfekt für »Kochen ohne Kohle« also – besonders am Ende des Monats, wenn die eine oder andere Pizzabestellung in den vergangenen Wochen mal wieder ein Loch ins Portemonnaie gebrannt hat.

Das braucht man für zwei Portionen

Zucker, Sojasoße, Salz, Mehl und Lauchzwiebeln – ganz einfach!

Zucker, Sojasoße, Salz, Mehl und Lauchzwiebeln – ganz einfach!

Foto:

Sebastian Maas / DER SPIEGEL

Für die Nudeln:

  • 300 Gramm Weizenmehl (Typ 405, das günstige)

  • 150 Milliliter Wasser

  • eine große Prise Salz

Für die Soße:

  • 6-10 Lauchzwiebeln

  • 50-75 Milliliter Sojasoße (je nach Marke und Geschmack)

  • 1-2 Esslöffel Zucker

  • Öl zum Braten

Was kostet das?

Pro Portion nur 90 Cent

Wie lange dauert das?

Etwa 45 Minuten, aber nur, weil der Nudelteig 20 Minuten ruhen muss

So macht man Scheren-Nudeln selbst

Das Mehl mit dem Salz vermengen und anschließend das Wasser zugeben. Zuerst mit einer Gabel verrühren – das klebt weniger. Dann mit den Händen etwa fünf Minuten gut durchkneten, bis ein glatter, fester Teig entstanden ist, in dem keine Mehlklümpchen mehr zu sehen sind. Man kann das Kneten auch der Küchenmaschine überlassen, dann entgeht einem aber das erhabene Gefühl, jahrtausendealte Traditionen aufleben zu lassen. Den Teig nun zu einer Kugel formen und unter einer Müslischüssel (oder Frischhaltefolie, Umweltsau!) für mindestens 20 Minuten ruhen lassen. Länger geht immer, wenn man die Nudeln etwa am Abend zuvor vorbereiten möchte. Dann den Teig einfach in den Kühlschrank legen.

Jetzt die Lauchzwiebeln putzen, waschen und an der Grenze von Grün und Weiß halbieren. Die Hälften noch einmal im Struwwelpeter-Stil in Stücke von der Größe eines kleinen Fingers schneiden und auf zwei getrennten Häufchen aufbewahren.

In einer Pfanne ein geschmackloses Öl, zum Beispiel Rapsöl, erhitzen und die weißen Teile der Lauchzwiebel für fünf bis zehn Minuten bei mittlerer Hitze anbraten. Dann die grünen Teile dazugeben und weitere fünf Minuten braten. Regelmäßig durchrühren! Sind die Zwiebeln genug angebräunt, den Zucker und die Sojasoße dazugeben, alles für wenige Sekunden aufkochen und dann die Pfanne vom Herd nehmen.

Endspurt!

Fotostrecke

Kochen ohne Kohle - Chinesische Scheren-Nudeln

Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGEL

Einen Topf mit Wasser zum Kochen bringen. Gesalzen werden muss es nicht, weil die Sojasoße genug Salz enthält. Die Teigkugel in die Hand nehmen und mit einer Schere Stückchen vom Rand abschneiden. Dazu einfach die Kugel nach dem ersten Schnitt ein paar Zentimeter im Uhrzeigersinn rotieren und wieder ein Stück von der entstandenen Kante schneiden. Hier kann man das in Bewegung sehen .

Man kann mittelgroße bis sehr kleine Nudeln machen, es sollten nur alle Stücke etwa gleich groß sein, damit sie gleichzeitig gar werden.

Ist der Teigball komplett zersäbelt? Gut! Nun alle Scheren-Nudeln auf einmal ins kochende Wasser geben und kurz rühren, damit sie nicht aneinander kleben. Wenn alle Nudeln an der Oberfläche treiben, noch 30 Sekunden warten und dann abgießen.

Die Stäbchen liegen hier nur zur Show – gegessen habe ich mit einer Gabel

Die Stäbchen liegen hier nur zur Show – gegessen habe ich mit einer Gabel

Foto:

Sebastian Maas / DER SPIEGEL

Jetzt die Nudeln in die Pfanne zur Soße geben, ein paar Mal durchschwenken und servieren. Ich wünsche Ihnen guten Appetit!

Übrigens: Das Basisrezept kann beliebig um weiteres Gemüse erweitert werden, zum Beispiel knackige grüne Bohnen, Möhrenstreifen oder Brokkoli.

Haben Sie das Rezept nachgekocht? Oder kennen Sie tolle Gerichte, die wenig Geld kosten? Schreiben Sie mir – oder schicken Sie mir ein Bild davon!