Wissenslücken, weniger Stellen So wirkt sich Corona auf Azubis aus

Eine Ausbildung verbindet Theorie und Praxis. Doch was, wenn die Berufsschule geschlossen ist und der Betrieb im Homeoffice sitzt? Eine Umfrage zeigt jetzt, wie Azubis durch die Pandemie ausgebremst werden.
Die Berufsschule zu, der Betrieb im Homeoffice: Wie wirkt sich die Coronakrise auf Azubis aus? (Symbolbild)

Die Berufsschule zu, der Betrieb im Homeoffice: Wie wirkt sich die Coronakrise auf Azubis aus? (Symbolbild)

Foto: Willing-Holtz / plainpicture

Hygienemaßnahmen und Homeoffice – wegen Corona hat sich binnen kürzester Zeit der Arbeitsalltag vieler Menschen verändert. Ein Vorteil für die Mehrzahl: Sie haben davor den Normalzustand kennengelernt, sie mussten nicht schon immer beim Umgang mit Kunden einen Mund-Nasen-Schutz tragen oder die Kollegen nur auf einem Computerbildschirm sehen.

Wie viel schwerer haben es da Berufsneulinge: Wer in diesen Monaten eine Ausbildung macht, lernt gleich zu Beginn des Arbeitslebens eine Sondersituation kennen. Man muss Wünsche von Kunden erkennen, deren Gesicht man nicht sieht. Man wird von Kolleginnen angeleitet, denen man noch nie in natura begegnet ist. Zudem sind im Frühjahr die Berufsschulen geschlossen worden, wie andere Schulen auch.

Eine Ahnung davon, wie sich all das auf Azubis auswirkt, gibt nun eine Umfrage des Münchner Ifo-Instituts und des Personaldienstleisters Randstad, deren Ergebnisse dem SPIEGEL vorliegen. Befragt wurden rund tausend Personalleiter von deutschen Unternehmen, quer durch alle Branchen und Größenkategorien.

Weniger Azubis übernommen

35 Prozent von ihnen gaben demnach an, dass es für Auszubildende in den Betrieben zu Einschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie gekommen ist. In mehr als 70 Prozent dieser Betriebe ging das so weit, dass es Lücken in der Wissensvermittlung gab, zumindest zeitweilig. Die meisten konnten diese Lücken nach eigenen Angaben aber im Lauf der Monate wieder schließen. Weniger als ein Viertel der Unternehmen, die Einschränkungen beklagten, konnten den Rückstand ihrer Azubis nicht mehr wettmachen.

Wichtig ist auch, wie es nach der Ausbildung weitergeht. Deshalb wurde gefragt, ob die Firmen ihre Einstellungspläne für die Auszubildenden ändern mussten. Tatsächlich haben zehn Prozent von ihnen nach eigenen Angaben weniger Auszubildende übernommen, als ursprünglich geplant – und bei dieser Zahl sind diejenigen Azubis nicht mit eingerechnet, die durch die Prüfung gerasselt sind. Allerdings gaben gleichzeitig 4 Prozent der befragten Personalleiter an, mehr junge Menschen nach der Ausbildung übernommen zu haben.

Und wie sieht es im aktuellen Ausbildungsjahr aus, das gerade begonnen hat? Den Umfrageergebnissen zufolge führen 40 Prozent der ausbildenden Unternehmen ebenso viele junge Menschen in den Beruf wie zuvor, 15 Prozent haben die Zahl sogar gesteigert. 14 Prozent haben allerdings auch weniger Azubis als bisher, 20 Prozent hätten in diesem Jahr ohnehin keine genommen. Anderswo hätten junge Menschen aber durchaus noch einen Ausbildungsplatz finden können – 11 Prozent der befragten Betriebe konnte ihre Stellen in diesem Jahr gar nicht besetzen.

Das zeigt auch: Wenn weniger junge Menschen ausgebildet werden, hat das nicht ausschließlich mit Corona zu tun, in vielen Branchen wird seit Jahren geklagt, dass zu wenige Nachwuchskräfte nachrücken. Gleichzeitig könnte es sein, dass manches Unternehmen nun während des zweiten Shutdowns noch stärker unter Druck gerät – die Umfrage fand im dritten Quartal statt, also bis Ende September.

mamk