Studentin in der Coronakrise: "Ich hoffe, dass ich so weit wie möglich mit meinem Ersparten durchkomme"

Pia Korndörfer ist auf Nebenjobs angewiesen, doch die sind in der Coronakrise weggebrochen.

Dieser Beitrag wurde am 25.05.2020 auf bento.de veröffentlicht.

Sie hatten einen Plan für ihre Zukunft, dann kam Corona: Menschen zwischen 20 und 30 treffen die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie härter als jede andere Altersgruppe, Jobs und Ausbildungsplätze brechen weg. In unserer Serie "Generation Corona" berichten einige von ihnen, was die Krise für sie bedeutet. In dieser Folge: Pia Korndörfer, 26, studiert im achten Semester Media Engineering an der TH Nürnberg. Weil sie ihre Nebenjobs verloren hat, muss sie jetzt auf ihr Erspartes zurückgreifen.

Generation Corona

In der aktuellen Ausgabe des SPIEGEL geht ein Autorenteam der Frage nach, was die Coronakrise für Auszubildende, Studentinnen und Berufseinsteiger bedeutet. Auf bento.de erzählen einige der Protagonisten und weitere junge Menschen ihre ganze Geschichte. Du hast auch etwas zu sagen? Dann schreib uns an uniundarbeit@bento.de 

Den SPIEGEL-Text findest du hier.

"In den vergangenen Jahren ging viel von meiner Zeit für Nebenjobs drauf. Zuletzt arbeitete ich als Werkstudentin im UX-Design eines mittelständischen Unternehmens, außerdem gab ich Nachhilfestunden. Zusammen mit Bafög hatte ich so rund 1300 Euro im Monat zur Verfügung. Als das in der Coronakrise alles wegbrach, war ich erst mal nur gelähmt. Ich wusste echt nicht, wie es weitergehen soll.

Mein Nebenjob im UX-Design wurde nicht verlängert. Das lag zwar nicht an Corona, aber in normalen Zeiten hätte ich keine Probleme gehabt, etwas Neues zu finden. Doch gerade sucht niemand und ich finde nichts. Einem Schüler gebe ich noch Online-Nachhilfe, einen treffe ich mit Mundschutz und eineinhalb Metern Abstand. Früher hatte ich fünf bis sechs Nachhilfeschüler.

Im März, drei Tage bevor die Ausgangsbeschränkungen eingeführt wurden, bekam ich auch noch einen Ablehnungsbescheid vom Bafög-Amt, weil ich jetzt über der Regelstudienzeit bin. Ich habe zwar Widerspruch eingelegt, aber das kann noch Monate dauern.

Ich habe früh in meinem Leben beschlossen, dass ich niemals vom Staat abhängig sein will.

Studentin Pia Korndörfer

Stattdessen habe ich mich nach alternativen Geldquellen umgeschaut. Das ist gar nicht mal so leicht: Wohngeld bekomme ich nicht, weil ich keinen sozialversicherungspflichtigen Nebenjob mehr habe, Hartz IV bekomme ich nicht, weil ich nicht arbeitssuchend bin. 

Ich hoffe, dass ich so weit wie möglich mit meinem Ersparten durchkomme. Rund 5000 Euro habe ich angespart, die waren für die Bafög-Rückzahlung gedacht, stattdessen muss ich sie jetzt schon Monate vor dem Abschluss aufbrauchen. Außerdem habe ich einen Kredit beantragt. So überstehe ich hoffentlich noch mein letztes Semester und kann zum Beispiel den Rundfunkbeitrag bezahlen. Der wird wieder fällig, weil ich kein Bafög mehr bekomme – obwohl ich doch jetzt noch weniger Geld habe als vorher.

Ich habe früh in meinem Leben beschlossen, dass ich niemals vom Staat abhängig sein will. Als ich ein kleines Kind war, war meine Mama für längere Zeit arbeitslos, da war es nicht ungewöhnlich, dass wir mal einen Monat kaum etwas zu essen hatten. Geld für Kinobesuche oder Treffen mit Freunden gab es sowieso selten, das war einfach nicht drin. Ich habe schnell verstanden, dass der Staat da nicht einspringt, deswegen hoffe ich jetzt auch nicht darauf.

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Demnächst schreibe ich meine Abschlussarbeit, es soll um Machine Learning oder Künstliche Intelligenz gehen. Im Moment sieht es so aus, als wären meine beruflichen Perspektiven danach gut. Ich habe Jobangebote für den kommenden Oktober, hier in Nürnberg und der Umgebung. Wenn ich bis dahin mit meinem Geld durchkomme, sollte es hoffentlich bald besser laufen. Ich finde, die Zeit wäre schon längst reif, das bedingungslose Grundeinkommen einzuführen. Wir sollten Geld zum Leben bekommen, ohne über so viele Hürden steigen zu müssen."

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