Auch wenn das Licht draußen bereits grau wird – die Orangen leuchten noch

Auch wenn das Licht draußen bereits grau wird – die Orangen leuchten noch

Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGEL

Kochen ohne Kohle Die letzten Sonnenstrahlen auf dem Teller: Crêpes Suzette für 2,20 Euro

Keine Lust auf Kürbis und Herbst, sondern auf sonnige Orangen und heiß flambierte Pfannkuchen? Dieses Rezept schmeckt nach Sommerurlaub und Party im Park.
Eine Kolumne von Sebastian Maas

Dem Physikgenie Albert Einstein wird folgendes Zitat zugeschrieben: »Wenn man zwei Stunden mit einem netten Mädchen zusammensitzt, meint man, es wäre eine Minute. Sitzt man jedoch eine Minute auf einem heißen Ofen, meint man, es wären zwei Stunden. Das ist Relativität.« Ähnlich wie Einstein denke ich über den zu schnell endenden Sommer. Denn wenn im September die Temperaturen auf zwölf Grad fallen, habe ich das Bedürfnis, mich mit Mütze und Schal einzumummeln. Steigen nach einem kalten Winter im März die Temperaturen wieder auf zwölf Grad, gehe ich in kurzer Hose raus. Es ist eben alles eine Frage der Perspektive.

»Kochen ohne Kohle«

Bafög oder Azubi-Gehalt sind schon wieder fast aufgebraucht? Der Obstkorb beim unbezahlten Agenturpraktikum war geräubert? Und bitte nicht schon wieder Pizza-Toast? Alles kein Problem: In dieser Kolumne zeigt SPIEGEL-Redakteur und Hobbykoch Sebastian Maas, wie man trotz Flaute auf dem Konto leckere und besondere Gerichte zaubern kann. Dabei gibt es nur zwei Regeln:

  • Eine Portion darf maximal so viel kosten wie ein Essen in der Mensa, also 3 Euro.

  • Teure Spezialgeräte sind tabu.

Alle Rezepte

Aktuell ist meine Perspektive: Ich bin noch nicht bereit für den Herbst. Während die Supermärkte kistenweise Kürbis herankarren, möchte ich lieber Sommer auf dem Teller haben. Daher habe ich mich im Supermarkt von günstigen Preisen verführen lassen – und unschlagbar günstige Bio-Orangen gekauft. Eigentlich haben die noch keine Saison: Mit guten Orangen aus Südeuropa rechnet man eigentlich erst ab November. Diese hier kommen aus Südafrika und haben damit eigentlich nicht das Zertifikat »Bio« verdient. Ich schlage trotz Gewissensbissen zu. Wer ein besserer Mensch als ich ist, wartet noch ein paar Wochen mit dem Nachkochen.

Aber ich brauche heute etwas, das mich an die letzten Sonnenstrahlen erinnert. Daher gibt es Crêpes Suzette: ein erwachsenes Pfannkuchengericht aus Frankreich, bei dem buttrig-zarte Crêpes in einem selbst gemachten Orangensirup gewendet und zuletzt mit etwas Schnaps flambiert werden. Der Geschmack wird bei richtiger Zubereitung angenehm vielschichtig, er wechselt zwischen spritzig-saurer Orange und süßem Karamell, mit einer leichten Alkoholnote, wie man sie abends im Sommer gelegentlich auch schmeckt.

Das benötigt man für sechs Crêpes

Man muss nicht extra Triple Sec (und schon gar nicht das Markenprodukt) kaufen. Auch andere brennbare Schnäpse eignen sich – Rum etwa passt super zu den Orangen.

Man muss nicht extra Triple Sec (und schon gar nicht das Markenprodukt) kaufen. Auch andere brennbare Schnäpse eignen sich – Rum etwa passt super zu den Orangen.

Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGEL

(Reicht für zwei Personen als Hauptgang oder für sechs als Dessert)

Für den Teig

  • 125 g Weizenmehl, Type 405

  • 250 ml Milch

  • 2 Eier, Größe M

  • 1 extra Eigelb

  • 30 g Zucker

  • 30 g geschmolzene Butter

  • Eine Prise Salz

Für den Sirup

  • 4 (Bio-)Orangen

  • 30 g Butter

  • 30 g Zucker

  • Optional: 4 cl Cognac und 4 cl Triple Sec (Orangenlikör), oder andere Spirituosen mit mehr als 40 Volumenprozent

Was kostet das? Ich habe für die verbrauchten Zutaten 2,20 Euro pro Person bezahlt.
Wie lange dauert das? Etwa 35 Minuten.

So einfach macht man Crêpes Suzette

Die Überreste der laienhaft filetierten Orangen werden nicht weggeworfen, sondern ebenfalls ausgepresst

Die Überreste der laienhaft filetierten Orangen werden nicht weggeworfen, sondern ebenfalls ausgepresst

Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGEL
  • Die Butter im Topf oder der Mikrowelle schmelzen. Das Mehl in eine Schüssel sieben und mit dem Zucker und Salz vermengen. Die Milch mit einem Schneebesen unterrühren, bis keine Klümpchen mehr zu sehen sind, dann die geschmolzene Butter, die zwei Eier und das extra Eigelb einrühren. Den Teig für 15 Minuten ruhen lassen.

  • Die Schale von zwei Orangen abreiben. Wer keine Bio-Orangen mit essbarer Schale bekommt, verzichtet auf diesen Schritt.

  • Nun die beiden abgeriebenen Orangen schälen und filetieren. So geht das: Die Frucht nicht halbieren, sondern oben und unten den Strunk abschneiden, dann kann man die Orange sicher auf die Schnittkante stellen. Nun erst vorsichtig mit einem möglichst langen und scharfen Messer die Schale und weiße Haut an der ganzen Frucht entfernen. In der so geschälten Orange erkennt man nun noch die feinen, weißen Linien, die die einzelnen Segmente der Frucht teilen. Links und rechts von diesen Linien vorsichtig einschneiden und die Filets herausnehmen. Hier sieht man das in Aktion. 

  • Die Reste der filetierten Orangen und zwei weitere Früchte auspressen.

  • Eine beschichtete Pfanne auf mittlere Hitze bringen und vorsichtig mit einem Papiertuch ein wenig Raps- oder Sonnenblumenöl darin verteilen. Dann eine kleine Kelle (ein Sechstel des Teiges) in die Mitte der Pfanne geben und diese ein paar Sekunden schwenken, um den Teig glatt darin zu verteilen. Für etwa 40 bis 60 Sekunden von jeder Seite ausbacken. Die fertigen Crêpes auf ein Viertel der Größe falten und auf einem Teller zur Seite stellen.

  • Jetzt kann in der heißen Pfanne der Sirup zubereitet werden. Dazu den Zucker und die Butter gemeinsam schmelzen und für zwei bis drei Minuten auf mittlerer Hitze bräunlich werden lassen. Dann den gepressten Orangensaft und die Zesten dazugeben und alles für rund fünf Minuten reduzieren lassen, bis die Flüssigkeit eine Sirupkonsistenz bekommt.

  • Die Crêpes nun in der Flüssigkeit wenden, dann die Orangenfilets, eine kleine Prise Zucker und den Schnaps obendrauf geben. Mit einem Stabfeuerzeug oder langen Streichholz vorsichtig den Alkohol abfackeln. Alles noch für zwei Minuten in der Pfanne blubbern und dabei den Alkohol verkochen lassen.

  • Heiß servieren und die Crêpes auf dem Teller mit dem restlichen Sirup aus der Pfanne begießen. Etwas mehr frisch geriebene Orangenzeste verstärkt das Aroma. Wer mag, gönnt sich dazu noch eine Kugel Vanilleeis.

Okay, es ist nicht das fotogenste Gericht, aber es schmeckt bombastisch

Okay, es ist nicht das fotogenste Gericht, aber es schmeckt bombastisch

Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGEL

In manchen Rezepten fackelt der Alkohol erst am Tisch oder auf dem Teller – das ist mir aber zu heikel. Wer sicherer angeben möchte, gibt die Orangenfilets nicht mit in die Pfanne, bestreut sie stattdessen mit etwas Zucker und karamellisiert diesen dann mit einem Flambierbrenner.

Wer Geld und Zeit sparen möchte, greift statt zu frischen Orangen zu Mandarinen aus der Dose und nutzt deren Einlegeflüssigkeit für den Sirup. In dem Fall kann man sich den zusätzlichen Zucker auch sparen. Ungewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche Lösungen.

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Sebastian Maas

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30.11.2022 21.27 Uhr

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Wer nicht extra für das Rezept einen Orangenlikör kaufen möchte, kann auch andere Spirituosen nehmen. Und wenn Sie sich doch welchen geholt haben (der günstigste lag bei neun Euro die Flasche), können Sie ihn für Sangrias oder Long Island Iced Tea weiterverwenden. Das passt doch zum ausklingenden Sommergefühl.

Wie Sie es auch machen: Ich wünsche guten Appetit und einen entspannten, relativ milden Herbst.

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