Studienfächer erklärt Was ich als Erstsemester gern über Elektrotechnik gewusst hätte

Was unterscheidet Elektrotechnik von Informatik? Muss man ein Mathe-Ass sein, um das Studium zu bestehen? Und worauf sollten Erstsemester bei der Wahl der Hochschule achten? Tobias Reifert erklärt sein Fach.
Aufgezeichnet von Lisa Srikiow
Mikrocontroller, Kraftwerkanlagen, Sensoren: Elektrotechnik-Ingenieurinnen beschäftigen sich mit allen Prozessen, die elektrisch laufen

Mikrocontroller, Kraftwerkanlagen, Sensoren: Elektrotechnik-Ingenieurinnen beschäftigen sich mit allen Prozessen, die elektrisch laufen

Foto: Hinterhaus Productions / Stone RF / Getty Images
Studienfächer erklärt

In der Reihe »Studienfächer erklärt« stellen wir die 30 beliebtesten Studienfächer in Deutschland vor – von Betriebswirtschaftslehre auf Platz 1 bis Wirtschaftsrecht auf Platz 30. Wie viele Studierende an deutschen Hochschulen in welchem Fach eingeschrieben sind, ermittelt das Statistische Bundesamt einmal im Jahr . Unser Ranking bezieht sich auf die Zahlen für das Wintersemester 2019/2020, die beiden Fächer »Wirtschaftsingenieurwesen mit ingenieurwissenschaftlichem Schwerpunkt« und »Wirtschaftsingenieurwesen mit wirtschaftswissenschaftlichem Schwerpunkt« haben wir zusammengefasst.

Elektrotechnik-Ingenieurinnen und -Ingenieure beschäftigen sich mit allen Prozessen, die elektrisch laufen: Sie entwickeln Mikrocontroller – also kleine Computer – für Smartphones, planen große Kraftwerkanlagen oder konstruieren Sensoren für Smart-Home-Geräte, die den Alltag erleichtern sollen.

Tobias Reifert, 25, hat an der Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft (HsKA) seinen Bachelor-Abschluss in Elektrotechnik gemacht, nun studiert er dort Informationstechnik im Master. Er erklärt, warum er Elektrotechnik studieren wollte, wie man mit höherer Mathematik klarkommt und warum er sich bewusst für eine Hochschule für Angewandte Wissenschaften entschieden hat.

Die Entscheidung fürs Elektrotechnikstudium

»Ich habe nach dem Abitur ein Freiwilliges Soziales Jahr im Rettungsdienst gemacht, das hat mich beeinflusst. Ich wollte aber nicht Arzt werden, mich interessierten vielmehr die medizinischen Geräte: Defibrillatoren, EKG-Geräte und so weiter. Ich fand spannend, dass Technik so viel zur Rettung von Menschenleben beitragen kann. Außerdem hatte ich schon in der Schule gern getüftelt, programmiert und mich mit Computern auseinandergesetzt. So kam ich schnell zur Elektrotechnik.

Das Fach ist inhaltlich sehr breit angelegt, gleichzeitig bietet es gute Berufsaussichten – und mich interessiert eben die Medizinbranche. Außerdem ist Elektrotechnik eine schöne Kombination aus Informatik und Technik. Denn man programmiert zwar, konstruiert aber auch Schaltungen oder Sensoren. Im Gegensatz zum Informatikstudium setzt man sich also wesentlich mehr mit der Hardware auseinander – für mich genau das Richtige.«

Formale Voraussetzungen für ein Elektrotechnikstudium:

  • Wer an einer Universität studieren möchte, braucht in der Regel das Abitur  – für Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (Fachhochschulen) genügt die Fachgebundene Hochschulreife oder Fachhochschulreife. In vielen Studiengängen werden auch Bewerberinnen und Bewerber ohne Hochschulreife  unter bestimmten Bedingungen zugelassen, etwa wenn sie eine fachspezifische Berufsausbildung und Berufserfahrung vorweisen können.

  • An sehr vielen Hochschulen gibt es für das Fach Elektrotechnik keinen NC .

  • Eventuell haben die Hochschulen eigene Auswahlverfahren, manchmal müssen die Bewerber etwa ein Vorpraktikum oder ausreichende Englischkenntnisse nachweisen.

Was man sonst noch mitbringen sollte: Obwohl Elektrotechnik-Ingenieure und -Ingenieurinnen Spaß am Tüfteln haben sollten, müssen sie sich vor allem in den ersten Semestern mit viel Theorie auseinandersetzen, um die Grundlagen zu lernen. Dafür braucht man Durchhaltevermögen.

»Mich hat der Unterschied zwischen Schul- und Uni-Mathematik überrascht. Mit dem Schulfach hat die Ingenieurs-Mathematik nicht mehr viel zu tun. Aber: Man muss kein Mathe-Genie sein, um das zu schaffen. Wichtiger ist, dass man Lust hat, sich damit auseinanderzusetzen. Außerdem braucht man etwas Zeit, Energie und Disziplin, um die Aufgaben immer wieder zu üben. Das ist wichtiger als Talent. Ich habe vor dem Semesterstart zum Beispiel die Mathematik-Vorkurse besucht, weil ich wegen meines Freiwilligendiensts ein Jahr Pause nach dem Abitur gehabt hatte. Das hat sehr geholfen.«

Inhalte und Aufbau des Studiums

»Am Anfang des Studiums hört man Höhere Mathematik, außerdem Gleichstrom-Technik, was im zweiten Semester in Wechselstrom-Technik übergeht. Physik und Informatik gehören ebenfalls zu den Grundlagen. Bei Letzterem lernt man auch Programmieren, vor allem die Programmiersprache C++.

Mir hat das Modul Digitaltechnik besonders Spaß gemacht. Darin haben wir beispielsweise Logikschaltungen gebaut, also Schaltungen, die auf dem binären Prinzip eins und null basieren. Diese Schaltungen sind in der Signalverarbeitung wichtig, weil sie Informationen aus den elektrischen Signalen gewinnen und aufbereiten. Im Studium lernt man, dafür Formeln aufzustellen, die Schaltungen zu programmieren oder digitale Signale zu analysieren. Es ist sehr schön zu sehen, wenn das dann im Labor tatsächlich funktioniert.

Ab dem dritten Semester entscheidet man sich bei uns in Karlsruhe für eine Vertiefungsrichtung. Ich konnte unter anderem zwischen Automatisierungstechnik, Sensorik oder Elektromobilität wählen. Energietechnik ist auch ein großer Bereich, da geht es um größere Ströme, also Kraftwerktechnik oder Netzinfrastruktur. Ich habe aber Informationstechnik gewählt. Darin lernt man, wie man Informationen über Funk oder Kabel überträgt. Weil ich gern programmiere und in dieser Vertiefung die Schnittstelle zur Informatik relativ groß ist, passte das gut.«

Typische Pflichtmodule: Digitaltechnik, Höhere Mathematik, Physik, Informatik, Bauelemente und Grundschaltungen der Elektronik, Elektrische Energietechnik

Mögliche Spezialisierungen: Automatisierungstechnik, Sensorik, Elektromobilität, Energietechnik, Informationstechnik, Umweltmesstechnik

»An unserer Hochschule gibt es viele unterstützende Angebote, wie Tutorien oder das Lernzentrum Mathematik. Auch die Dozenten sind eigentlich immer sehr hilfsbereit. Man braucht also wirklich keine Sorge haben, dass man mit dem Stoff allein gelassen wird. Allerdings muss man zuweilen etwas Eigeninitiative zeigen und die angebotene Hilfe auch in Anspruch nehmen. Darauf sollte man bei der Wahl der Hochschule übrigens besonders achten: Stimmen Faktoren wie Qualität der Lehre, Betreuungsschlüssel oder zusätzliche Angebote? Das ist wichtiger als die Reputation der Einrichtung.

Ich war zuerst an einer Universität eingeschrieben, weil ich mich von deren gutem Ruf habe locken lassen. Allerdings fehlte mir der Praxisbezug, ich fand alles zu theoretisch. Also wechselte ich an die Hochschule Karlsruhe. Hier gibt es zu jeder Vorlesung ein entsprechendes Labor, man wird also selbst noch einmal aktiv und experimentiert beispielsweise mit elektrischen Schaltungen oder der Programmierung von Mikrocontrollern. Das Gelernte unmittelbar umzusetzen, hat mich immer sehr motiviert.«

Berufsaussichten nach dem Studium

»Mein Interesse an der Medizintechnik ist geblieben. Ich könnte mir gut vorstellen, später in dieser Branche zu arbeiten. Dazu passt auch, dass ich mich nicht nur im Bachelor auf Informationstechnik spezialisiert habe, sondern das jetzt auch im Master studiere. Dieser Teilbereich spielt auch in der Medizintechnik eine wichtige Rolle, etwa bei bildgebenden Diagnoseverfahren wie der Magnetresonanztomografie, kurz MRT. Solche Daten müssen schließlich auch transportiert und verarbeitet werden – und die elektrischen Prozesse müssen fehlerfrei laufen, damit die Ärzte mit diesen Informationen arbeiten können. Ich würde gern an solchen Technologien mitarbeiten und sie weiterentwickeln, um die Geräte und Verfahren noch präziser und zuverlässiger zu machen.«

Branchen und Gehälter:

Elektrotechnik-Ingenieurinnen und -Ingenieure arbeiten in vielen Branchen, beispielsweise der Automobilindustrie, bei Energieversorgern, in der Elektroindustrie, in der Medizintechnik oder im Maschinenbau.

Laut StepStone-Gehaltsreport  bekommen Elektrotechnik-Absolventen durchschnittlich 51.020 Euro brutto Gehalt pro Jahr – damit liegen sie bei den Ingenieuren auf dem ersten Platz. Mit 53.302 Euro können sie besonders viel im Fahrzeugbau verdienen, in der Medizintechnik sind es durchschnittlich 50.549 Euro und in der Energie- und Wasserversorgung 47.713 Euro.