Entlastungspaket Das Neun-Euro-Wirrwarr an deutschen Unis

Ab Juni soll man für neun Euro pro Monat im Nah- und Regionalverkehr fahren können. Nur: Viele Studierende haben mit ihrem Semesterbeitrag längst für den ÖPNV bezahlt. Wie nützt ihnen das vergünstigte Ticket?
Viele offene Fragen, wenig Zeit: Was genau das Neun-Euro-Ticket für Studierende bedeutet, ist noch unklar (Symbolbild)

Viele offene Fragen, wenig Zeit: Was genau das Neun-Euro-Ticket für Studierende bedeutet, ist noch unklar (Symbolbild)

Foto: Linxi Luo / EyeEm / EyeEm / Getty Images

Die Idee des »9 für 90«-Tickets ist einfach: Vom 1. Juni bis zum 31. August 2022, also insgesamt für 90 Tage, soll es eine verbilligte ÖPNV-Fahrkarte geben, um die Bürger:innen angesichts der hohen Energiepreise zu entlasten, dabei das Klima zu schonen und mehr Lust auf den öffentlichen Nahverkehr zu machen. Kostenpunkt: neun Euro pro Monat. Das Ticket soll deutschlandweit in Bussen und Bahnen im Nah- und Regionalverkehr gelten – man könnte damit also etwa von Passau bis nach Sylt fahren.

Profitieren sollen vom sogenannten Neun-Euro-Ticket auch Menschen, die sowieso schon jeden Monat für den ÖPNV bezahlen, Abo-Kund:innen bei Verkehrsbetrieben zum Beispiel. Oder Studierende. Ihnen könnte die Vergünstigung besonders nützen – höhere Preise treffen schließlich vor allem diejenigen, die wenig Geld zur Verfügung haben.

Allerdings haben viele Studierende schon vor Beginn des Sommersemesters mit ihrem Semesterbeitrag für den ÖPNV bezahlt. Wie also können sie vom Neun-Euro-Ticket profitieren? Diese Frage ist Mitte Mai noch nicht geklärt. Das Deutsche Studentenwerk (DSW) warte noch auf konkrete Vorschläge von Bund und Ländern, sagte DSW-Generalsekretär Matthias Anbuhl dem SPIEGEL.

Das meiste ist noch offen, viel Zeit bleibt nicht

Auf der Website  des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr heißt es bislang nur, für Semestertickets arbeiteten die Verkehrsunternehmen an einer Erstattung für den Zeitraum Juni bis August. Doch schon da wird es kompliziert. Denn wie viel an die Studierenden zurückerstattet werden müsste, unterscheidet sich von Bundesland zu Bundesland und von Stadt zu Stadt.

Wer etwa an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München studiert, bezahlt 281,30 Euro pro Semester, um den Münchner Nahverkehr uneingeschränkt nutzen zu können, pro Monat also knapp 47 Euro. Für die drei Monate, die das Neun-Euro-Ticket gelten soll, stünden den Studierenden damit knapp 114 Euro Rückerstattung zu. In Nordrhein-Westfalen, wo das Ticket im ganzen Bundesland gilt und etwa an der Ruhr Universität Bochum rund 215 Euro kostet, wären es knapp 80 Euro. In Berlin gibt es Überlegungen, aus dem Neun-Euro-Ticket für Abonnent:innen sogar ein Null-Euro-Ticket zu machen – ob das auch für Studierende gelten würde, ist noch nicht bekannt.

Geld zurück im Sommer oder niedrigere Beiträge im Winter?

Offen ist ebenfalls, wann und wie Studierende das Geld zurückerhalten sollen. Sollen sie noch im Sommer eine Rückerstattung bekommen? Oder soll zum Ausgleich der Semesterbeitrag im Winter niedriger ausfallen? Auch die Antwort auf diese Frage könnte am Ende je nach Bundesland und Hochschule unterschiedlich ausfallen. In manchen Regionen seien die Studierendenwerke für das Semesterticket zuständig, in anderen der Allgemeine Studierendenausschuss (Asta) oder die Studierendenschaft, sagt DSW-Generalsekretär Anbuhl.

Die LMU empfahl Studierenden jüngst in einer E-Mail, die dem SPIEGEL vorliegt, den Beitrag für das kommende Wintersemester noch nicht zu überweisen. Darüber könne möglicherweise das Neun-Euro-Ticket erstattet werden. Im vergangenen Jahr allerdings lief die Frist für die Zahlung des Semesterbeitrags – die auch gleichzeitig die Rückmeldung oder die Immatrikulation bedeutet – Anfang Juli aus. Viel Zeit bleibt also nicht.

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Jede Lösung bräuchte Vorlauf

Den Semesterbeitrag im kommenden Semester günstiger zu machen, sei die bessere Lösung, sagt DSW-Generalsekretär Anbuhl. »Eine Rückerstattung an diejenigen, die ihr Semesterticket schon bezahlt haben, ist ein immenser bürokratischer Aufwand.« Doch selbst für diese Lösung bräuchte es einen gewissen Vorlauf, so Anbuhl.

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Und sie ließe noch eine Frage offen: Falls das Neun-Euro-Ticket den Studierenden erst im Wintersemester gutgeschrieben würde, könnten sie dann trotzdem von Juni bis August mit ihrem regulären Semesterticket den Nahverkehr in ganz Deutschland nutzen? Das sei noch nicht klargestellt, sagt Anbuhl.

Momentan, das sei sein Eindruck, herrsche weder bei den Ländern noch bei den Verkehrsbünden Sicherheit über die konkrete Umsetzung des vergünstigten Tickets für Studierende.