Jeannine Budelmann

Tipps für Berufseinsteiger Wie man im Job ernst(er) genommen wird

Jeannine Budelmann
Ein Gastbeitrag von Jeannine Budelmann
Ein Gastbeitrag von Jeannine Budelmann
Mit 26 wurde ich Geschäftsführerin eines mittelständischen Unternehmens – doch Respekt musste ich mir erst erarbeiten. Wie ich das gemacht habe? Indem ich aufgehört habe, mich zu sehr anzustrengen.
Die passende Kleidung kann helfen, als Berufseinsteiger:in ernst genommen zu werden (Symbolbild)

Die passende Kleidung kann helfen, als Berufseinsteiger:in ernst genommen zu werden (Symbolbild)

Foto: Isaiah & Taylor / Stocksy United

»Ich würde gern den Chef sprechen«, sagte mir ein Kunde am Telefon, kurz nachdem ich gemeinsam mit meinem Mann die Geschäftsführerin unseres Unternehmens geworden war. Ich weiß noch, wie sehr ich mich damals vor den Kopf gestoßen fühlte. Ich war doch der Chef!

Aber ich war auch erst 26, sah eher aus wie 18. In meinen ersten Jahren als Geschäftsführerin gab es häufiger Situationen, in denen mich Kund:innen oder Lieferant:innen nicht ernst nahmen. Zum Glück ist damit jetzt, zehn Jahre später, Schluss.

Onboarding – die Kolumne zum Berufseinstieg

Aller Anfang ist schwer. Das gilt für Beziehungen, Umzüge und natürlich auch den Berufseinstieg. Wie etabliere ich mich im Team, ohne mich selbst aufzugeben? Wie beweise ich, was ich draufhabe, ohne die Ellenbogen auszufahren? Und ab wann kann ich eigentlich ein Sabbatical verlangen?

Über diese und ähnliche Themen schreibt in dieser Kolumne Jeannine Budelmann, Jahrgang 1986. Sie ist kaufmännische Geschäftsführerin von Budelmann Elektronik, einem Unternehmen, das industrielle Elektronik entwickelt und herstellt. Außerdem berät sie als Coachin bei Problemen im Berufsleben.

Vielleicht liegt es daran, dass ich gelernt habe, manche Dinge zu akzeptieren. Das Arbeitsleben ist vielerorts noch immer von Hierarchien geprägt. Und von Konkurrenz: Kolleg:innen konkurrieren um den Aufstieg, Abteilungen um Budgets, Unternehmen um Kundenaufträge. Wer neu in diesem System ist, kennt noch nicht alle Gepflogenheiten. Wer länger dabei ist, zieht aus seiner Erfahrung Vorteile. Das ist nur logisch.

Anstrengung schadet, Gelassenheit nützt

Akzeptanz heißt nicht, alles hinzunehmen. Doch es kann innerlich entlasten, sich vor Augen zu führen, dass es allen einmal so gegangen ist, dass jede:r einmal angefangen hat. Mir hat der Austausch mit anderen jungen Unternehmer:innen und Führungskräften geholfen. So habe ich gelernt, dass sich bestimmte Menschen einfach nicht von den Ideen junger Kolleg:innen überzeugen lassen – egal, wie sehr man sich anstrengt.

Ich habe deshalb irgendwann aufgehört, mich zu sehr anzustrengen – und daraus einen entscheidenden Vorteil gezogen: Wer unter Stress steht, spannt nämlich unbewusst seine Muskulatur an, Herzfrequenz und Blutdruck steigen . Das nimmt auch unser Gegenüber wahr, wir wirken nervös, unsicher. Wenn ich aber in mir ruhe und keine aussichtslosen Kämpfe ausfechte, wirkt das ebenso nach außen. Die Wahrscheinlichkeit, ernst genommen zu werden, nimmt zu – eine Art selbsterfüllende Prophezeiung also.

Natürlich sind nicht alle älteren Menschen borniert und starrsinnig. Ganz im Gegenteil: Ich habe viel von erfahrenen Kolleg:innen gelernt. Deshalb sollte man innere Ruhe und Gelassenheit nicht mit Arroganz verwechseln. Mit arroganten Menschen arbeitet niemand gern zusammen.

Was noch helfen kann

Der Weg zu mehr Gelassenheit ist ein langer, mühsamer – aber einer, der sich lohnt. Bis sie so weit sind, können Berufseinsteiger:innen ein paar zusätzliche Regeln befolgen, um ernster genommen zu werden.

  • Die Kleidung: Hier gilt es, mit dem Strom zu schwimmen. Wenn im Büro Anzug getragen wird, kommt man nicht drum herum, dasselbe zu tun. Wenn die Chefin leger auftritt, kann die Wirkung von Neueinsteiger:innen im schicken Anzug oder Kostüm hingegen fatal sein, nach dem Motto: »Der hält sich für was Besseres.« Hierarchie kann sich auch in der Kleidung widerspiegeln, man sollte also aufmerksam beobachten.

Bei anderen Dingen muss man abwägen, wie weit man sich den Vorgaben einer eher konservativ geprägten Arbeitswelt beugen will. Ein Beispiel sind die Haare. Zu Schulzeiten hatte ich lange blonde Haare. Irgendwann las ich eine Studie, die besagte: Auf Bewerbungsfotos kommen dunkle Haare besser an als helle, kurze besser als lange und zusammengebundene besser als offene.

Inzwischen färbe ich mir mein Haar mittelbraun und meine zu beobachten: Es funktioniert tatsächlich. So weit, mir meine langen Haare abzuschneiden, bin ich jedoch nicht gegangen. Meistens trage ich sie zum Zopf gebunden – mit diesem Kompromiss kann ich gut leben.

Wohl in der eigenen Haut fühlen

Wir alle stecken unsere Gesprächspartner:innen unterbewusst in Schubladen. Gerade als Berufseinsteiger:in sollte man sich das immer wieder vergegenwärtigen. Denn wenn wir diese Schubladen kennen, können wir auch aktiv daran arbeiten, dort wieder herauszukommen. Beispielsweise, indem wir auf unsere Kleidung und Sprache achten, unsere Erfolge und Leistungen stärker betonen und versuchen, trotz allen Ärgers gelassener zu werden.

Natürlich muss jede:r selbst entscheiden, wie weit er oder sie sich für den Job verändern will. Denn schließlich ist das A und O, dass wir uns wohl in unserer Haut fühlen, auch bei der Arbeit. Wer an seinen blonden offenen Haaren hängt, sollte sie auf keinen Fall opfern, nur um danach möglicherweise ernster genommen zu werden.

Mir ist mittlerweile egal, ob jemand von meinem Alter oder Aussehen auf meine Kompetenz schließt. Ich habe sogar die Erfahrung gemacht, dass es Vorteile haben kann, unterschätzt zu werden. Gelegentlich verkaufe ich mich in Meetings absichtlich unter Wert. Wenn ich gute Ergebnisse liefere, obwohl damit niemand gerechnet hat, verunsichert das mein Gegenüber. Auch das ist ein Faktor, den man für sich nutzen kann.