Studienfächer erklärt Was ich als Erstsemester gern über Erziehungs­wissenschaft gewusst hätte

Erziehungswissenschaftlerinnen arbeiten nicht nur an Schulen oder in Kitas. Aber was müssen sie mitbringen? Die Studentin Malin Gnoth erklärt ihr Fach – und warum Nebenjobs im Studium wichtig sind.
Aufgezeichnet von Lisa Srikiow
Als Prüfungsleistung werden viele Hausarbeiten gefordert (Symbolbild)

Als Prüfungsleistung werden viele Hausarbeiten gefordert (Symbolbild)

Foto: Peter Muller / DEEPOL / plainpicture
Studienfächer erklärt

In der Reihe »Studienfächer erklärt« stellen wir die 30 beliebtesten Studienfächer in Deutschland vor – von Betriebswirtschaftslehre auf Platz 1 bis Wirtschaftsrecht auf Platz 30. Wie viele Studierende an deutschen Hochschulen in welchem Fach eingeschrieben sind, ermittelt das Statistische Bundesamt einmal im Jahr . Unser Ranking bezieht sich auf die Zahlen für das Wintersemester 2019/2020, die beiden Fächer »Wirtschaftsingenieurwesen mit ingenieurwissenschaftlichem Schwerpunkt« und »Wirtschaftsingenieurwesen mit wirtschaftswissenschaftlichem Schwerpunkt« haben wir zusammengefasst.

Erziehungswissenschaftlerinnen und Erziehungswissenschaftler beschäftigen sich damit, wie Menschen lernen – egal in welcher Altersgruppe und egal mit welcher Biografie. Sie arbeiten in Kitas im Bereich der frühkindlichen Bildung oder entwickeln Konzepte, um digitale Medien besser in den Unterricht zu integrieren. Manche arbeiten in Schulen, Jugendämtern oder Verlagen. Andere bleiben der Wissenschaft treu und forschen an der Universität oder in Stiftungen.

Malin Gnoth ist 23 Jahre alt und studiert an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz Erziehungswissenschaft im Master. Auch ihren Bachelor hat sie dort abgeschlossen. Sie erklärt, warum man Mathekenntnisse fürs Studium braucht und wieso Nebenjobs wichtig sind.

Die Entscheidung für Erziehungswissenschaft

»Ich wusste, ich möchte mit Menschen arbeiten. Aber das klingt natürlich so, wie wenn man sagt: ›Ich möchte was mit Medien machen.‹ Wenn ich ein konkretes Berufsziel vor Augen gehabt hätte, wäre das sicher hilfreich gewesen. Ich habe mich dann bei der Studienberatung schlau gemacht und gezielt gefragt, was man später mit Erziehungswissenschaft machen kann. So habe ich erfahren, welche Bandbreite an Berufsmöglichkeiten es nach dem Studium gibt. Davon hat mich vieles angesprochen, also habe ich auf mein Bauchgefühl gehört und mich eingeschrieben.«

Formale Voraussetzungen für ein Studium der Erziehungswissenschaft:

  • Wer an einer Universität studieren möchte, braucht in der Regel das Abitur  oder die Fachgebundene Hochschulreife; für Fachhochschulen die Fachhochschulreife. An vielen Hochschulen gibt es einen Numerus Clausus  (NC).

  • Gut zu wissen: Mit einem Bachelor in Erziehungswissenschaft kann man nicht Lehrer werden. Nach dem Bachelor ist es aber mitunter möglich, in ein Lehramtsstudium zu wechseln . Wer auf Lehramt studiert, beschäftigt sich dagegen automatisch auch mit erziehungswissenschaftlichen Inhalten.

Was man sonst noch mitbringen sollte: Wie in sozialwissenschaftlichen Fächern üblich, müssen Studierende der Erziehungswissenschaft viele Texte lesen, sie analysieren, in Bezug zueinander setzen und kritisch hinterfragen. Wer später praktisch arbeiten möchte, sollte außerdem Empathie, Frustrationstoleranz und Geduld mitbringen.

Inhalte und Aufbau des Studiums

»Was mir besonders an der Erziehungswissenschaft gefällt: Man nimmt viel für seine eigene Entwicklung mit. Wir greifen beispielsweise oft aktuelle Debatten auf und hinterfragen diese kritisch. In einem Seminar zum Thema Diversität haben wir uns mit gendergerechter Sprache auseinandergesetzt, wir haben über die Frauenbewegung diskutiert, wie heute Heterogenität und Diversität wahrgenommen werden, und wie man als Pädagoge oder Pädagogin damit umgeht. Dazu gehört zum Beispiel, dass man Differenzen anerkennt und sich bemüht, auch mal die Perspektive zu wechseln. Das war total wertvoll für mich und hat mir bei meiner eigenen Entwicklung geholfen – ganz unabhängig von meiner Ausbildung.«

Typische Pflichtmodule: Einführung in die Erziehungswissenschaft, Erziehung, Bildung und Gesellschaft, Theorien des pädagogischen Handelns, Sozialisationstheorien und Sozialisationsinstanzen, Qualitative Methoden, Quantitative Methoden

Wahlmöglichkeiten: Grundlagen der Sonderpädagogik, Grundlagen der Sozialpädagogik und Allgemeine Erziehungswissenschaft, Grundlagen des Lebenslangen Lernens

»Das erste Semester geht entspannt los, die Dozierenden geben einen Überblick über zentrale Themen wie Erziehung, Bildung, Sozialisation und Gesellschaft. Man lernt die Theorien der wichtigsten Pädagogen wie Friedrich Fröbel oder Johann Heinrich Pestalozzi kennen. In dieser Zeit gibt es auch mehr Vorlesungen als Seminare, das hat mir gefallen: Ich konnte erst einmal ankommen und gucken, ob das Studium wirklich passt. Später mussten wir Studierenden uns stärker einbringen. Man schreibt keine Klausuren mehr, sondern fast ausschließlich Hausarbeiten. Außerdem gibt es viel Gruppenarbeit und Präsentationen.«

»Methodik ist auch ein wichtiger Teil des Studiums. Wir haben etwa gelernt, wie man ein Leitfadeninterview führt und auswertet – das dient zur Vorbereitung auf die Forschung. Generell ist die Erziehungswissenschaft theorielastig, das unterscheidet das Fach von der Sozialen Arbeit. Übrigens sind bei Erziehungswissenschaft auch mathematische Kenntnisse gefordert, um quantitativ forschen zu können. Dass wir auf einmal mit statistischen Methoden Daten auswerten mussten, hat mich überrascht.

In Mainz entscheidet man sich im dritten Semester für einen von zwei Schwerpunkten: ›Sozialpädagogik oder Allgemeine Erziehungswissenschaft‹ oder ›Lebenslanges Lernen und Medienbildung‹. Ich habe den sozialpädagogischen Ansatz gewählt, weil ich später mit Kindern und Jugendlichen arbeiten möchte.«

Berufsaussichten nach dem Studium

»Es hilft, schon früh praktische Erfahrung zu sammeln, um herauszufinden, in welchem Bereich man dauerhaft arbeiten möchte. Mein erstes Praktikum machte ich noch während des Bachelors: in einer integrativen Kita. So kam ich zu meinem Nebenjob. Ich unterstütze Familien, deren Kinder eine Behinderung haben. Ich spiele mit ihnen, helfe bei den Hausaufgaben, beim Zähneputzen oder reiche das Essen an. Das mache ich ein paar Stunden in der Woche, meist am Vormittag.

Außerdem arbeite ich in der Sprachförderung in einem Kindergarten: Ich unterstütze Kinder mit Migrationshintergrund, damit ihnen später der Einstieg in die Schule leichter fällt. Das ist mehr als ein bisschen Nachhilfe. Es ist schön, wenn man sieht, dass die Kinder Fortschritte machen. Diese Aufgabe erfüllt mich: Am Ende des Tages weiß man, dass man zu etwas Wichtigem beigetragen hat.«

Branchen und Gehälter:

Die Erziehungswissenschaft beschäftigt sich mit Bildung in sämtlichen Facetten: frühkindliche Bildung, interkulturelle Bildung, Erwachsenenpädagogik, digitale Bildung oder Lernen im Alter. Dementsprechend breit sind Erziehungswissenschaftlerinnen und Erziehungswissenschaftler aufgestellt: Sie arbeiten in Bildungseinrichtungen wie Kitas, Schulen, Volkshochschulen oder Berufsschulen sowie in Behörden, Kommunen oder sozialen Einrichtungen.

Berufseinsteiger verdienen laut dem Stepstone-Gehaltsreport  durchschnittlich 37.903 Euro brutto im Jahr.